Haag – Unweit ihrer Schule traten die Lehrer der Haager Realschule an den „Steinen von Wella“ zu einem außerordentlichen Ausflug an: Sie begaben sich im „Haager Rundgang“ auf die Spuren der Geschichte. Rundgangleiter Ludwig Meindl setzte den Akzent auf die schweren schulischen Anfänge in Haag.
Die meisten Pädagogen der Realschule in Haag fahren von auswärts zu ihrem Arbeitsplatz an und kennen die Lokalhistorie nur wenig. Mit den Konrektorinnen Eveline Abt und Sandra Kindler und Konrektor Andreas Kunz ging es von den „Steinen von Wella“ über den Pettenweg vorbei an dem Hinterederhof auf den Kirchplatz, wo das erste Haager Schulhaus stand.
Um 1800, so Ludwig Meindl, habe das spätere Krug-Haus als Schulgebäude 107 Werktagsschüler und 60 Sonntagsschüler gezählt. Am Werktag hätten die Sechs- bis Zwölfjährigen die Schulbank gedrückt, am Sonntag die 13- bis 18-Jährigen. Im Vergleich zu heute sei aber meist nur die Hälfte der Schüler anwesend gewesen. Die einen hätten den weiten Schulweg zu Fuß gescheut, die anderen mussten zu Hause mitarbeiten und weitere saßen in den Haager Wirtshäusern.
In Haag gab es schon zu Zeiten des Graf Ladislaus eine Schule auf dem Schloss. 1717 erwähnen die Spitalbücher einen „Schuelmeister“. Um 1500 habe ein weiterer beim Kirchdorfer Pfarrer das Recht gehabt, „zu Tisch“ zu sitzen und verköstigt zu werden, erfährt man aus der 1000-jährigen Haager Geschichte von August Trautner.
Am Beispiel des Haager Pädagogen Franz Xaver Prinkart verdeutlichte der Referent Ludwig Meindl anhand der Haager Schulhistorie, dass es den heutigen Pädagogen zumindest nach äußerlichen Verhältnissen gemessen sehr gut gehe. Um 1800 habe der Lehrer laut Aufzeichnungen der Chronik „mit Nahrungssorgen“ gekämpft und neben seinem Schulamt noch weitere Berufe wie die des Hochzeitsladers und Schnapsbrenners ausgeführt.
Allmählich hätten sich die Zeiten für die schlecht bezahlten Pädagogen mit dem neuen Lokalschulinspektor und Pfarrer Vinzenz Stichanner gebessert. Einen Volltreffer habe Lehrer Prinkart mit einem Blondschopf gehabt, der schon in der ersten Klasse mit seinen Leistungen, vor allem im Schreiben, alle übertraf. Der habe dann bei den „Klosterherren“ in Attel weitergelernt, studiert und als Erfinder der Schnellschrift, auch Steno genannt, Karriere gemacht: Franz Xaver Gabelsberger.xy