Ramerberg – Braucht Ramerberg einen Notverbund beim Wasser oder ist es eine unnötige, teurere Zusatzabsicherung? Zum zweiten Mal stand diese Frage in der jüngsten Gemeinderatssitzung zur Diskussion.
Das Problem: Die gesamte Wasserversorgung von Ramerberg läuft über Edling. Über eine Hauptleitung aus der Nachbargemeinde bezieht Ramerberg sein Wasser. Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) sieht daher die Gefahr, dass bei einem Bersten dieses Rohres die gesamte Kommune ohne Trinkwasser dastehen könnte. Anfang März war dies für zwei Stunden sogar geschehen.
Übergabehaus
wäre nötig
Aufgrund der Situation hatte Reithmeier bereits in der September-Sitzung dem Gemeinderat vorgeschlagen, den stillgelegten Notverbund mit Pfaffing wieder aufzunehmen. Die damals angeschafften Wasserrohre bei Graben wären sogar noch vorhanden. Lediglich ein Übergabehaus müsste errichtet werden. In der Sitzung hatten sich aber seitens der Gemeinderäte noch einige Fragen, darunter zum Thema Kosten und auch zu möglichen Alternativen eines Notverbundes, beispielsweise mit Rott, ergeben. Die Entscheidung über die Wiederaufnahme war deshalb zurückgestellt worden. In der jüngsten Sitzung hatte Reithmeier deshalb Peter Perfler vom Bauamt eingeladen, um diese Fragen so gut wie möglich zu klären.
Schnell war klar: Ein Notverbund mit Rott kommt schon rein aus Kostengründen nicht infrage. „Theoretisch wäre es möglich“, erklärte Perfler. Es gebe grundsätzlich die Möglichkeit eines Anschlusses über Maierbach oder Sendling. Allerdings müssten bei beiden Optionen erst einmal Leitungen über eine Länge von 1.800 Meter verlegt werden. Es bräuchte ein Übergabegebäude und bei beiden Möglichkeiten müsste zudem noch eine Möglichkeit gefunden werden, den Druck zu steigern. Kosten hierfür 860.000 Euro für die Variante über Maierbach, oder 910.000 Euro für die Variante Sendling. Außerdem, so Perfler, müsste zunächst noch geklärt werden, ob Rott sich überhaupt zu einem Notverbund bereit erklären würde und ob hierfür genügend Wasser zur Verfügung stehen würde.
Ähnlich sehen die Kosten auch beim Anschluss über das vorhandene Übergabegebäude in Maierbach aus. Auch hier wären 400 Meter Rohrleitung nötig, zudem müsste das Gebäude aufwendig umgebaut werden, wodurch Kosten in Höhe von etwa 990.000 Euro anfallen würden.
Im Vergleich dazu, sprach Perfler bei der Variante mit Pfaffing doch von einer deutlich günstigeren Möglichkeit. Da es sich um eine bereits vorhandene Leitung handle, würden sich die Kosten lediglich auf den Bau des Übergabegebäudes beschränken. Dies wäre entweder oberirdisch oder mithilfe eines unterirdischen Schachts einbaubar. Beide Varianten würden sich auf etwa 50.000 Euro belaufen, so Perfler. In der Zwischenzeit sei auch mit den Grundstückseigentümern gesprochen worden, die dem Bau eines Schachts direkt am Übergabepunkt in Graben zustimmen würden, ein oberirdisches Gebäude müsste circa 200 Meter entfernt errichtet werden. „Da würden entsprechend noch die Kosten für die Leitungen anfallen“, erklärte Perfler. Hinzu kommen würden in jedem Fall aber noch circa 4.000 Euro im Jahr für das Wasser aus Pfaffing. Die vorhandene Leitung sei allerdings in einem guten Zustand, so Perfler. Eingebaut 1994, sei sie etwa 30 Jahre alt, aber sie sei dicht und weise mit einem Durchmesser von 150 Millimeter auch eine ausreichende Größe auf, um im Notfall das gesamte Gemeindegebiet versorgen zu können. Außerdem sei das Material, sollte es doch zu einem Rohrbruch kommen, relativ einfach und kostengünstig zu beschaffen.
Doch trotz dieser durchaus positiven Nachrichten zeigten sich nicht alle Gemeinderäte überzeugt von dem Vorhaben. Konrad Fuchs (NRL/FWG) bemängelte weiterhin, den nach seiner Ansicht nach fehlenden Bedarf eines Notverbundes. „Ich sehe die Notwendigkeit überhaupt nicht. Eine 100-prozentig sichere Versorgung wird es sowieso nie geben“, meinte er. Ähnlich sah dies Andreas Ullmann (NRL/FWG). Nach dem Ausfall der Versorgung Anfang März habe Edling ohnehin noch einmal in die Sicherheitseinrichtung investiert. „Das, was hier passiert ist, wird nicht noch einmal vorkommen“, zeigte er sich überzeugt. „Warum sollte ich den Wasserpreis treiben, wenn es nicht nötig ist?“
Dritter Bürgermeister Jürgen Zott (UWR) sah dies jedoch anders und verwies darauf, dass Ramerberg an einer Leitung hänge. Das Risiko einer fehlenden Versorgung sei hoch. Bürgermeister Reithmeier hielt außerdem fest, dass auch bei einem Stromausfall nicht im gesamten Gemeindegebiet die Wasserversorgung garantiert werden könne. Auch dieses Problem sei mit dem Notverbund gelöst. Bauamtsleiter Peter Perfler verwies zudem auf eine Stellungnahme des Gesundheitsamts.
Unterirdischer
Schacht
Dieses hatte darauf hingewiesen, dass die Wasserversorgung grundsätzlich im Rahmen der Daseinsvorsorge als Pflichtaufgabe der Gemeinde anzusehen sei. In dessen Rahmen sei auch für Notfälle ein Handlungsplan zu erstellen, etwa über einen Notverbund oder mit einer geplanten Versorgung über Tanks. „Bei deren Einsatz ist die Gemeinde Ramerberg aber finanziell auch mit im Boot“, stellte Perfler fest.
Schließlich beschloss der Gemeinderat mit zwei Gegenstimmen von Ullmann und Fuchs die Wiederaufnahme des Notverbundes mit Pfaffing. Die Übergabestation soll als unterirdischer Schacht bei Graben errichtet werden.