Rettenbach/Pfaffing – Einen ganzen Tag lang stand der Obst- und Gartenbauverein Rettenbach-Farrach bei seiner 125-Jahr-Feier im Mittelpunkt der Gemeinde Pfaffing. Am Festtag wurde deutlich, dass sich die Anforderungen in dieser langen Zeit mehrmals geändert haben.
Fahnenabordnungen vieler Vereine
zieren die Kirche
Die Feier begann mit einem Gottesdienst in der geschmückten und überfüllten Peter-und-Paul-Kirche in Rettenbach. Neben vielen Mitgliedern und Bürgern waren auch Fahnenabordnungen befreundeter Vereine dabei. Nicht alle fanden im Gotteshaus Platz. Pfarrer Josef Huber dankte für die „Früchte der Erde”. Der Fleiß des Menschen genüge nicht für eine Ernte, wusste er, dafür sei „der Segen Gottes” erforderlich. Zu danken habe das der Mensch lediglich mit „dem Lobpreis Gottes” in einer heiligen Messe, deren Ablauf er mit Sitzen, Stehen und Knien bildlich beschrieb. Zu den Fürbitten zählte ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur, Freude an der Arbeit, Verbundenheit und ein Sinn für Nachhaltigkeit. Mit einem Festzug, angeführt von der „Pfaffinger Musi”, bewegten sich die Menschen anschließend zum Neuwirt in den mit viel Blumen geschmückten Saal. Vorsitzender Stefan Reich begrüßte und dankte allen Helfern, die zum Fest beigetragen haben, und beschrieb die Entstehungsgeschichte des Vereins.
Eine missglückte Ernte sei der Anlass in einer Zeit gewesen, als der Anbau von Obst und Gemüse eine große Rolle bei den Nahrungsmitteln spielte. „Wer nichts angebaut hatte, hat nichts gehabt.“
Daher kamen Dünger und Schädlingsbekämpfung eine bedeutende Rolle zu, bis später, als es in den Geschäften alles zu kaufen gab, die Schönheit mit üppigem Blumenschmuck in den Mittelpunkt rückte.
Heute sei das Gleichgewicht in der Natur von Bedeutung, man sollte lieber etwas wachsen lassen, auch den Bienen zuliebe. Gleich geblieben sei, „dass uns die Natur alles zur Verfügung stellt” und dass es wichtig sei, Kinder dafür zu begeistern. Kreisvorstand Rainer Steidle verband die Worte des Pfarrers zum Stehen, Sitzen und Knien spontan mit der Arbeit im Garten. All das sei auch bei dieser Tätigkeit gefragt. Und: Betrachte man etwas genau, sei das meist nur im Knien möglich. Und es komme noch das Liegen hinzu, denn dabei genieße man die Natur und komme oftmals auf gute Ideen, sagte der Kreisvorstand.
Auch Steidle erinnerte an die Anfangszeit mit Hunger und Lieferungen von hiesigen Äpfeln zum Münchner Großmarkt. Er sah den Kreisverband mit den 62 Vereinen heute als Naturschutzvereinigung.
Bürgermeister Josef Niedermeier lobte das Obst und Gemüse der Mitglieder „aus sicherer Herkunft“. Gärten seien oft „kleine Oasen“, in denen Menschen das „Gleichgewicht der Natur“ lernen. Der Verein sei ein „Zusammenschluss, um Wissen zu teilen“, so Niedermeier.
Geselligkeit und
Wettbewerbe am
Nachmittag
Unterhaltsam und lustig wurde es am Nachmittag mit dem Vogelstimmenimitator Helmut Wolfertstetter, der „Hut Musi”, einer Tombola, Kinderbasteln sowie Kaffee und Kuchen.
Beim Kürbiswettbewerb gewann Antonia Wieser mit einem 21 Kilogramm schweren Exemplar. Dafür bekam sie unter anderem einen Gutschein. Auf großes Interesse stieß außerdem die Ausstellung zur Vereinsgeschichte mit früheren Urkunden und Auszeichnungen.