Im feinen Ausgehgewand steigt Emmeram Spötzl, mit 86 Jahren der Älteste der Schiffsleute, auf die Zille.
Wasserburg – Fester Bestandteil der Geschichte der Stadt Wasserburg ist die Innschifffahrt. Die St. Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft pflegt diesen Zusammenhang sorgsam – und das schon seit vielen Jahren. Bei einem Festabend aus Anlass der Wiedergründung vor 25 Jahren präsentierte der Verein eine lebendig gestaltete Rückschau auf eine lange, ereignisreiche Tradition.
Spannende Vorträge zur Historie und ein Film
Mehr als 100 Besucher hatten sich im Pfarrsaal St. Jakob eingefunden, wo die Erinnerung eindrucksvoll auflebte. Eine Zille im Original – so heißt der für diese Region typische, ganz einfach konstruierte Bootstyp mit flachem Boden – schmückte das Podium, ein Trio aus Nußdorf ließ volkstümliche Musik erklingen und viele Vereinsmitglieder zeigten sich in ihrer edlen Tracht.
Ein schöner Anblick. Dazu passend zwei lehrreiche Vorträge und ein am Inn gedrehter Film aus dem Jahr 2009. Das Publikum staunte über die Szenen mit historischen Schiffszügen, traditionellen Wasserfahrzeugen, schnaufenden Rössern und wackeren Männern.
Sebastian Weger, Vorsitzender der Bruderschaft, ließ in seiner Rede die Aktivitäten der Inn-Schiffleute anhand einer Reihe von Anekdoten Revue passieren. Deren Existenz sei schon 1484 urkundlich erwähnt worden, eine Organisation, die sich der Wohltätigkeit und kommunalen sowie kirchlichen Aufgaben verschrieben habe. Einst habe sie eine neue Orgel für St. Jakob angeschafft, weil die alte „mehr dem Verdruss als der Andacht“ gedient habe. Zu Ende ging es mit der Innschifffahrt, weil sich die Eisenbahn im 19. Jahrhundert als Transportmittel durchsetzte. Doch als kulturelles Erbe lebt sie weiter: „Im Jahr 2000 fand in Wasserburg das sensationelle Bürgerspiel statt, und jeder, der damals dabei war, hat noch die tollen Bilder im Kopf“, so Weger. Die damals als Interessengemeinschaft wiedergegründete Bruderschaft sei heute ein wichtiger Bestandteil des Wasserburger Vereinslebens.
Am Rande der Veranstaltung bedauerte Weger freilich auch, dass sich immer weniger Leute für Geschichte interessieren würden. „Historische Vereine haben, wenn es so weitergeht, aus meiner Sicht leider keine Zukunft.“
Fähre über den
Inn zum Blaufeld
Weger kann sich aber vorstellen, für seinen Verein ein neues Betätigungsfeld zu schaffen: Es sollte wieder eine Fähre zum Blaufeld fahren. Das sei keine Utopie, so Wegers Überzeugung.
Werner Gartner, Zweiter Bürgermeister der Stadt Wasserburg, würdigte die Verdienste des Vereins. Es gehe der Bruderschaft darum, die althergebrachte Historie zu retten, zu bewahren und wiederherzustellen sowie das Totengedenken fortzuführen. Gartner erinnerte unter anderem auch daran, dass viele Schiffleute bei der harten und gefährlichen Arbeit auf dem Inn ums Leben kamen.