Urnengräber sorgen im Garser Gemeinderat für Diskussionen. Nach einer Kontroverse über Kosten und Ästhetik entscheidet sich das Gremium für eine preisgünstige Lösung – die aber nicht allen gefällt.
Debatte um die letzte Ruhe in Gars
Gars – Auf den ersten Blick nahm sich die Tagesordnung für die jüngste Sitzung des Garser Gemeinderats eher harmlos aus, doch dann zeigte sich, dass man über Urnengräber durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann – und das mit plausiblen Argumenten.
Gleich drei Entscheidungen im Hinblick auf Urnenbestattungen standen an. Zunächst ging es um die Frage, ob das Stück Wiese zwischen den Erdgräbern nach der Leichenhalle und der neuen Urnenwand als Beet gestaltet und in dieses entweder Urnenerdgräber eingefügt oder darauf Urnenstelen aufgestellt werden sollen.
Urnenstelen
oder Urnenerdgräber
Solche Urnenstelen, egal ob aus Marmor oder Beton-Wertstein, schlagen mit deutlich über 20000 Euro zu Buche, wenn man 20 bis 28 Kammern für Urnen schaffen will. Dazu kommen noch nicht unerhebliche Kosten für das Fundament und die Montage.
Auch bei einem Urnenerdgrabsystem mit nur zwölf Rohren für zwei bis vier Urnen, die oben mit einer runden Bronzeplatte verschlossen werden, auf der man auch den Namen des Verstorbenen anbringen könnte, müssten die Hinterbliebenen bei einer Laufzeit von 15 Jahren noch mindestens 70 Euro pro Jahr zahlen, um die Investitionskosten zu decken.
Als deutlich preisgünstigere Alternative wurde in der Gemeinderatssitzung mittels eines Fotos eine auf dem Friedhof in Wang praktizierte Form der Urnenbestattung vorgestellt, bei der die Urne einfach in der Erde versenkt und dann oben mit einer schlichten Steinplatte in einem Metallrahmen abgedeckt wird.
Überschaubarer
finanzieller Aufwand
In der Diskussion zeigte sich, dass unter dem Gesichtspunkt der Ästhetik, vor allem auch über einen längeren Zeitraum hinweg, die Stelenlösung einigen Gemeinderäten deutlich sympathischer war. Man versetzte sich auch in die Hinterbliebenen hinein und überlegte, was für diese wichtig sein könnte – zum Beispiel, ob man am Urnengrab Blumen in Vasen oder Töpfen aufstellen könne oder dürfe.
Nach längerer Diskussion ebnete dann die Feststellung, dass sich nicht nur die Bestattungsformen geändert hätten, sondern sich auch die Zeiträume, über die man eine Grabstelle beibehalten und pflegen wolle verkürzt hätten, den Weg zu einer Entscheidung für das kostengünstige „System Wang“. Dabei sollen die Steinplatten in ein Rosenbeet eingefügt werden. Damit, so die mehrheitliche Meinung im Gemeinderat, würde man mit überschaubarem finanziellem Aufwand zunächst einmal Zeit gewinnen und könnte bei weiterem Bedarf neu entscheiden. Vier Gemeinderäte konnten sich mit dieser Lösung dann aber doch nicht anfreunden und stimmten dagegen.
Kleine Nischen in
Urnenwand vergeben
Akut war diese Diskussion über weitere Urnengräber nicht zuletzt deswegen geworden, weil alle kleinen Nischen für bis zu zwei Urnen in der neuen Urnenwand inzwischen vergeben sind. Acht größere Nischen für bis zu vier Urnen sind aber noch frei. Nachdem man aber mit den zusätzlichen Urnenerdgräbern eine andere Lösung gefunden hatte, verzichtete man einstimmig auf die mögliche Teilung der großen Nischen durch Zwischenwände, die Steinmetzkosten von 3000 bis 4000 Euro mit sich gebracht hätte.
Dass als weitere Bestattungsform das anonyme Urnengrab angeboten werden soll, war schon entschieden, es war aber noch ein Beschluss über die entsprechenden Kosten zu fassen. Man stimmte letztlich mehrheitlich für die von der Kämmerei kalkulierten 25 Euro pro Jahr, auch wenn einzelne Räte diese Gebühr für zu niedrig hielten. Da im nächsten Jahr aber ohnehin alle Friedhofsgebühren neu kalkuliert und festgesetzt werden müssen, erschien es dem Gremium nicht notwendig, hier noch länger zu diskutieren.
Schnell entschieden war auch über den Beitritt der Gemeinde Kirchdorf zum Landkreiswerk Mühldorf. Weil die Kirchdorfer erst später dazustoßen, müssen dem alle Mitglieder zustimmen. Eigentlich ein rein formaler Akt, trotzdem gab es bei allen hierzu zu fassenden Teilbeschlüssen eine Gegenstimme.
Das „Erfrischungsgeld“ für die Wahlhelfer bei der Kommunalwahl im nächsten Frühjahr wurde auf 60 Euro festgelegt, die Entschädigung für die Helfer bei einer möglichen Stichwahl auf 30 Euro. Im Zusammenhang mit der Kommunalwahl wurde auch darauf verwiesen, dass die Termine für die Aufstellungsversammlungen im November unbedingt zeitnah an die Gemeinde gegeben werden sollen.
Auch wenn das Wetter in diesem Jahr nicht so ganz mitgespielt hat, soll es vom 3. bis 5. Juli 2026 wieder einen Mittelaltermarkt im Kloster Au geben, gab die Gemeinde außerdem bekannt. Zudem hat die Gemeinde eine neu gestaltete Homepage.