Wasserburg – Der neue Treffpunkt lockte viele Kunstinteressierte und Neugierige in den ehemaligen Kramerladen in der Rosenheimer Straße 10. „Viel zu schade zum Abreißen“, stellte Edith Stürmlinger kürzlich bei der Eröffnung fest. Die Dritte Bürgermeisterin der Stadt Wasserburg will als Kulturreferentin genau solche zeitgenössischen, zukunftsweisenden Kulturprojekte unterstützen. „Sie halten das kulturelle Leben der Innstadt lebendig“, ist sie sich sicher.
Die ehemalige Eigentümerin Margarete Schuster hat ihr jahrhundertealtes Elternhaus nach ihrem Tod im vergangenen Jahr der Stadt Wasserburg vermacht – belegt mit einem 50-jährigen Abrissverbot (wir berichteten).
Ganz in ihrem Sinne wäre wohl die gemütliche Einweihungsfeier gewesen, bei der auch Bürgermeisterkandidat Bastian Wernthaler vorbeischaute.
Die verwinkelten Räume im Erdgeschoss erfüllten Kuchenduft und rockige Klänge. Letztere steuerte der Wasserburger Gitarrist Ben Leinenbach bei und freute sich, dass er mal „Malerei untermalen“ darf.
Der Künstler Berthold Köhl hat das Atelier R10 gegründet und lädt ab sofort einmal im Monat Erwachsene, Jugendliche und Kinder zum gemeinsamen Gestalten ein. Am Samstag, 25. Oktober, ist die Premiere. Das Motto passt immer zur Jahreszeit. Diesmal: „Herbstlicher Farbenrausch – von Ahorn bis Zitterpappel“. „Wir machen auch Land Art, gehen also auch ins Freie“, verspricht er. Die Ersten haben sich schon angemeldet.
Zur Eröffnung stellte er in seinem Atelier Kunst von Wegbegleitern aus. Etwa von Lisanne Scheinert-Maurer, die Sozialpädagogin erarbeitet Kunstprojekte mit Kindern an den Salzburger Landeskliniken. Für die Zukunft des neuen offenen Ateliers steht Melina Mierbeth. Sie wohnt mit ihrer Mutter Brigitte im oberen Teil des Hauses und nutzt das Atelier schon fleißig, wie ihre Werke zeigen. Auch der 18-jährige Johann Klein stellt aus, eine Collage aus zerstörten Filmrollen: „Sie drücken die Vergänglichkeit von Liebesbeziehungen aus.“ Er will im Atelier Kunstaktionen anbieten.
Das hat auch die 35-jährige Vera Maria Sturm vor. Die Wasserburgerin ist mit Ute Lechners Kindermalschule groß geworden und hat selbst erfahren, „was Kunst alles leisten kann.“
Jung und Alt sind jetzt eingeladen, der Fantasie freien Lauf zu lassen, an diesem neuen kreativen Ort in Wasserburg.