Biber sorgt für Probleme im Lohenforst

von Redaktion

Der Biber fühlt sich im Wasserburger Lohenforst wohl. Für den einen Teil des Waldes ist das gut. Über den anderen Teil macht sich die Stadt aber Sorgen. Jetzt wurde beschlossen: Der Biber soll weg. Was die Gründe für diesen Schritt sind.

Tobias Büchner, Förster der Stadt Wasserburg, macht sich Sorgen um den Lohenforst. Foto Eisenreich

Wasserburg – „Wir sind offen für den Biber. Wir sind biberfreundlich“, betont Tobias Büchner, Förster der Stadt Wasserburg, mehrfach im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Doch bei aller Freundlichkeit: Auch in Wasserburg bereitet das Tier Probleme.

Im nördlichen Teil des Lohenforsts, ganz in der Nähe von Penzing und dem Ortsteil Äußere Lohe, soll der Biber deshalb demnächst entnommen werden. Einen entsprechenden Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt hat der Umweltausschuss der Stadt kürzlich gestellt.

Grundsätzlich ist der Biber im städtischen Wald „Lohenforst“ schon seit vielen Jahren zu Hause. Allerdings nur im südlichen Teil des Waldes, der „Östlichen Lohe“. Hier, erklären sowohl Büchner als auch Robert Mayerhofer, Liegenschaftsreferent der Stadt Wasserburg, würden dem Tier fünf Hektar Wald, also 50000 Quadratmeter, zur Verfügung stehen. Das Gebiet, das ursprünglich ein Moor war, sollte der Biber wieder vernässen. „Das hat auch gut funktioniert“, betont Mayerhofer. Entsprechend soll der Biber hier auch bleiben.

Schützenswerte,
alte Eichen

Allerdings hat sich ein weiterer Biber, bei dem es sich wahrscheinlich um einen erwachsenen Nachwuchs des beheimateten Biberpaares handelt, inzwischen auf der anderen Seite der B304 im nördlichen Teil des Lohenforsts ausgebreitet. „Und dieser Teil des Waldes ist als Biber-Revier nicht geeignet“, bedauert Mayerhofer.

Ihm zufolge gibt es in diesem Teil des Waldes viele schützenswerte, alte Eichen, die der Biber bedauerlicherweise angreifen würde. Und das stelle auch ein Problem für die Klimastabilität des Waldes dar, wie Förster Büchner betont. Denn gerade Eichen seien sehr klimaresistent.

Außerdem vernässt der Biber durch sein Bauen auch hier immer mehr den Wald, wodurch auf Dauer auch die Forstwirtschaft eingeschränkt werden könnte, befürchtet Büchner.

Verkehrssicherheit im Wald und auf der B304

Der Hauptgrund für die beschlossene Entnahme sei aber die Verkehrssicherheit sowohl im Wald als auch auf der B304. „Beim Lohenforst handelt es sich um einen Erholungswald“, erklärt Büchner. „Das heißt, die Menschen sollen hier spazieren gehen können.“ Umfallende Bäume könnten eine Gefahr bedeuten, auch für den Verkehr auf der Bundesstraße. Außerdem könnte der Biber die B304 untergraben, so die Befürchtung.

Entnahmen sind
meist Tötungen

Auf Anraten des Umweltausschusses soll nun versucht werden, den Biber möglichst schonend, also lebend, zu entnehmen und umzusiedeln. Darüber hinaus soll ein Durchlass unter der B304 wieder instand gesetzt und Rohre in den Biberdämmen angebracht werden, um den Wasserstand abzusenken. Weiterhin sollen Schutzmatten an den Bäumen angebracht werden. Über die Pläne muss allerdings noch die Untere Naturschutzbehörde entscheiden.

Ob das mit der Lebend-Entnahme aber so klappen wird, wie geplant, ist fraglich. Wie das Landratsamt Rosenheim auf Anfrage erklärt, handelt es sich bei den meisten Entnahmen um Tötungen.

Eine Ausnahme stellte eine Biberumsiedlung von vier Tieren aus dem Landkreis Rosenheim über das bayerische Bibermanagement nach Großbritannien dar“, erklärt die Behörde. Eine Umsiedlung im Landkreis sei nicht möglich. Im Schnitt würden im Landkreis pro Jahr 40 bis 50 Biber entnommen. Meist würde dies über eine Biberfalle oder einen Direktabschuss erfolgen.

Grund für eine Entnahme sei in der Regel „eine nicht vermeidbare Gefährdung von sicherheitsrelevanten Einrichtungen“, wie Kläranlagen, Triebwerkskanälen von Wasserkraftanlagen, Stau- und Hochwasserschutzanlagen. Wenn hier Präventionsmaßnahmen, etwa Schutzgitter, Dammabsenkungen und Baumschutz, nicht zum Ziel führen würden, werde das Tier entnommen.

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