Nachruf

von Redaktion

Schonstett – Vor wenigen Tagen musste die Pfarrei Schonstett Abschied nehmen von Wolfgang Kratzel, der im Alter von 84 Jahren nach längerer Krankheit verstorben ist.

Viele Bekannte, Freunde und Verwandte hatten sich neben der Familie in der Pfarrkirche eingefunden, um am Trauergottesdienst unter der Leitung der Gemeindeassistentin Agnes Altermann teilzunehmen.

Zu Beginn des Gottesdienstes erinnerte Markus Kratzel sich an viele persönliche, zum Teil auch erheiternde Begebenheiten und Erlebnisse mit seinem Vater, was vielen Gottesdienstteilnehmern ein Schmunzeln entlockte.

Agnes Altermann ging in ihrer Predigt auf das Loslassen ein – das Sterben, welches unausweichlich zum Leben gehöre: „Gerne würden Sie, liebe Familie, Wolfgang festhalten, doch auch das Loslassen gehört zum Leben. Wir alle wissen, wenn der Sämann das Weizenkorn aus dem Evangelium nicht loslassen, nicht in die Erde fallen lassen würde, wenn er sich nicht trennen könnte davon, dann wäre Wachsen , dann wäre Neues, volles Leben nicht möglich.“

Geboren wurde Wolfgang Kratzel am 27. Dezember 1940 in Görditz, welches heute zu Tschechien gehört. Doch schon bald musste die Familie die Heimat verlassen und zog nach dem Krieg nach Schongau ins Oberland. In seiner neuen Heimat erlebte der Verstorbene mit seinen drei Geschwistern Ingo, Birgitt und Regina eine Kindheit mit vielen Freiheiten, über die er selbst einmal sagte: „Auch wenn wir nichts hatten, es war eine schöne Zeit.“

Als ältester Sohn musste er schon früh viel Verantwortung übernehmen. Nach der Schulzeit absolvierte Wolfgang Kratzel eine Lehre zum Industriekaufmann, doch schon bald entschied er sich, neue Wege einzuschlagen. Mit 20 Jahren wechselte er zur Firma Efa nach Amerang. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Maritha Mühlberger kennen.

1969 gaben sich die beiden das Jawort und schenkten den beiden Kindern Markus und Simone das Leben. Später freuten sie sich sehr über die fünf Enkelkinder.

Beruflich wechselte Wolfgang Kratzel zur Molkerei Bauer in Wasserburg, wo er sich vom Assistenten zur Geschäftsleitung hocharbeitete.

Trotz vieler und fleißiger Arbeit übersah es Wolfgang Kratzel nicht, seine Freundschaften zu pflegen. Er nahm sich Zeit zum Kartenspielen und las gerne ausgiebig die Zeitung. Ausgleich fand er in allen möglichen Sportarten – allen voran im Radfahren.

Doch nicht nur helle und schöne Tage gab es im Leben des Verstorbenen. Im Jahre 1969 musste er von seinem Bruder Ingo Abschied nehmen, welcher bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Schwer fiel es ihm, in den letzten Jahren seinen eigenen Altersprozess zu erleben und anzunehmen. Als das Wohnen zuhause aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war, verbrachte er das letzte halbe Jahr im Betreuungszentrum in Wasserburg, wo er nun Ende September verstarb.

Bevor die Urne zum Grab getragen wurde, erinnerte der Seniorchef der Molkerei Bauer, Ulli Bauer, an einen herausragenden Mitarbeiter und vorbildlichen Geschäftsführer, welcher wesentlich am Aufbau des Betriebes beteiligt war. Zum Dank legte er am Grab eine Blumenschale nieder.

Die Traueranzeige von Wolfgang Kratzel im OVB war mit den Worten überschrieben: „Es ist ein Abschied, aber kein Vergessen, denn der Verstorbene bleibt in Erinnerung.“ Er wird in Erinmerung bleiben. Als Zahlenmensch, der das Kopfrechnen beherrschte wie kaum jemand sonst. Als Genießer des Lebens, der es verstand, einfach einmal Zeit zu haben. Und als fleißiger Mensch, der viel gearbeitet hat und trotzdem immer die Familie an erster Stelle sah.str

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