Besucher nehmen sich Zeit zum Eintauchen in die Welt der Uhren

von Redaktion

Finale des Kulturprogramms des Bauernmarkts im Haager Zehentstadel – Ausstellung läuft bis Weihnachten

Haag – Mit einer Premiere und einer einzigartigen Ausstellung beschließt der Bauernmarkt im Haager Zehentstadel sein Kulturprogramm für heuer. Bis Weihnachten können die Exponate des Kirchenuhrenbauers Michael Münch bewundert werden.

Die Eröffnung hatte die höchste Besucherbilanz des Jahres. Auf viel Kunst mit Gemälden, Keramik und Zeichnungen folgen nun historische Unikate in Form von Kirchenuhren. Michael Münch, gebürtiger und wohnhafter Haager, brachte sie mit. Er hat dieses Metier gelernt, wuchs „mitten in Haag zwischen Schlossturm und Kirchturm“ auf.

Schon vor 15 Jahren hatte er mit der Pflege der Kirchturmuhr in Sankt Christoph begonnen: „Das hieß, jeden Tag in den Kirchturm hinaufsteigen und die drei Gewichte der Uhr mit einer Kurbel aufziehen.“ Seit 2019 ist er beruflich in diesem Metier tätig.

Das Thema Zeit, vor allem die Zeitmessung sei für die Gesellschaft sehr wichtig, so Bauernmarktchef Josef Hederer bei der Begrüßung. Mönche hätten die Uhren erfunden, um die Tageseinteilung für Gebet und Arbeit zu regeln. Die Karriere von Michael Münch als Uhrenmacher imponiere ihm. Er habe die Ausstellung mit großem Aufwand auf eigenen Kosten vorbereitet. Dazu hatte der Kollege Christian Schmeller vor dem Bauernmarkt einen fünf Meter hohen und eine Tonne schweren Uhrturm aufgebaut.

Michael Münch erläuterte die Exponate. Jedes Dorf habe eine Uhr, keiner aber wisse, was dahinterstecke. Um 1250 hätten die Türmer die Glocke der Turmuhr noch mit dem Hammer angeschlagen, bevor 1555 das Uhrpendel kam. Davon hatte er ein drei Meter langes Exponat. Die älteste Uhr, die er zeigte, hatte noch keine Zeiger und funktionierte per Steinwaage. Zuerst folgte der Stundenzeiger, dann 1750 erst der Minutenzeiger. Zu den Exponaten gehört die Turmuhr aus Untertrubach, die 1470 schmiedeeisern auf Holzwalzen mit Waaguhr, Gehwerk und Stundenschlagwerk gefertigt wurde.

Eine weitere Uhr stammte von einem Wasserschloss aus dem Jahr 1564 und funktioniert über eine seltene Fadenaufhängung für das Pendel. Sie hatte, so Michael Münch, über 100 Jahre „vor sich hingerostet“, bis sie 2014 restauriert wurde.

Neueren Datums ist die gusseiserne Bahnhofsuhr von Mühldorf von 1907, die alle acht Tage per Hand aufgezogen werden muss und eine Leihgabe der Familie Unertl ist. Aus dem gleichen Jahr stammt das Exponat aus der Turmuhrenfabrik Hörz mit Pendelsynchronisation. Michael Münch dazu: „Mit nachrüstbaren elektrischen Uhraufzügen sowie Pendelsynchronisationen hat auch heute noch das ‚Kulturgut mechanische Turmuhr‘ eine Zukunft.“

Besonderes Augenmerk richtet Michael Münch auf die Haager Uhren, so die Uhrschlagglocken und das Uhrwerk vom kleinen Schlossturm mit der Jahreszahl 1517 auf der Glocke. Diese Uhr ist auch auf der Abbildung der Haager Burg von Hans Mielich aus dem Jahr 1557 zu sehen. Die Turmuhr der Haager Kirche wurde um 1860 von Georg Terzer in München gefertigt. Die Oberndorfer Uhr war auf den Viertelstundenschlag erweitert worden.

Mit musikalischen Einlagen und Hauberlingen von Susanne Stein gingen die Besucher zum Fachsimpeln über. Darunter fanden sich Kollegen von Michael Münch, so auch der Uhrenexperte des Deutschen Museums. xy

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