Personeller Umbruch in der Seelsorge

von Redaktion

Nach 18 und nach 8,5 Jahren verlassen die Pfarrer Holger Möller und Pfarrer Peter Peischl Wasserburg. So blicken die beiden auf ihre Zeit in der evangelischen Gemeinde zurück. Und das sind ihre Pläne.

Wasserburg – Die evangelische Kirchengemeinde Wasserburg steht vor einem personellen Umbruch: Gleich zwei bekannte Seelsorger, Pfarrer Holger Möller und Pfarrer Peter Peischl, beenden ihr Wirken in der Region. 18 Jahre war Pfarrer Holger Möller als evangelischer Seelsorger für die Patienten und das Personal im Inn-Salzach-Klinikum und der Romed-Klinik Wasserburg sowie für die örtlichen Altenheime zuständig.

Alle Menschen
bergen einen Schatz

Als ehemaliger Pfarrer im Justizvollzugsdienst konnte er dabei seine Erfahrungen mit Menschen in besonderen Lebenssituationen optimal auch in der Gemeindearbeit einbringen. Alle Menschen mit ihren besonderen Fähigkeiten, so sein Leitspruch, empfände er als wertvollen Schatz. Sie könnten mit anderen Augen sehen helfen, was einem selbst verborgen bliebe.

Obwohl auch er zugibt, dass bei gewissen Grenzsituationen auch er „keine Geduld und nicht ausreichend Kraft“ habe. Auch das Einfühlungsvermögen schwinde zuweilen. Doch es gebe einen Sendungsauftrag und das Versprechen, dass Jesus die Seelsorger nicht im Stich lasse. Zudem werde er als Seelsorgender „fortwährend gefüttert durch den Dank, die Freude und die Resonanz der Menschen in der Seelsorge.“

Die Hoffnung, das geistliche Leben in Wasserburg bereichern zu können, welche bei seiner Einführung im Oktober 2010 geäußert wurde, sieht er als erfüllt an. „Durch die Gottesdienste in der St.-Raphael-Kirche zu Gabersee, in der Don-Bosco-Kapelle in der Stiftung Attl und in den Altersheimen gab es reichlich spirituelle Angebote“, sagt Möller. Diese seien nicht nur von Bewohnern oder Patienten angenommen worden. Ergänzend dazu gab es einige Pilgerangebote und viel Freude bereiteten ihm die von Radio Regenbogen produzierten „Gedanken zum Tag“.

Nach insgesamt 41 Jahren des seelsorgerischen Wirkens geht Möller nun in den Ruhestand, den er in Wasserburg genießen möchte mit Reha-Sport, Physiotherapie, dem Verzicht auf Junkfood, viel Liebe und wenig Terminen gestalten.

Achteinhalb Jahren war Pfarrer Peter Peischl im Dekanat Rosenheim auf einer halben Pfarrstelle für die evangelische Gemeinde Wasserburg tätig. Die andere Hälfte seines beruflichen Auftrags umfasste die Tätigkeit als Dekanatsbeauftragter im Rahmen der ökumenischen Notfallseelsorge des Landkreises. Zudem engagierte er sich ehrenamtlich bei der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr.

Angesprochen auf die Spuren, die achteinhalb Jahre seelsorgerischen Wirkens in der Wasserburger Gemeinde hinterlassen, und auf unvergessliche Erlebnisse, nannte Pfarrer Peischl manche Gottesdienste und Veranstaltungen, an die er gerne zurückdenke. „Ein besonderer Höhepunkt war gleich zu Beginn das Reformationsjubiläum. Der Cuneus, also der Keil, vor der Kirche erinnert immer noch daran.“

Für Peischl ist klar: „Kirche immer auch Kirche für die Welt.“ Dahinter stehe Gottes Wirklichkeit, ganz nach Jesu Aussage: „Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das sei es auch, was ihn antreibe, immer für andere da zu sein.

31 Jahre war Peischl auch in der Notfallseelsorge tätig, betreute auch in der Region Angehörige von Unfallopfern, Geschädigte bei Katastrophen und anderen Notlagen. Um das Erlebte zu verarbeiten, sei in diesem Zusammenhang Resilienz nötig. „Wir haben die Möglichkeit der Supervision, ich weiß, wo ich anrufen kann, wenn es mir schlecht geht. Meist kann ich gut mit dem Einsatzbericht abschließen.“

Einen Ort vor
Gott haben

Nach manchen Einsätzen zünde er zudem eine Kerze für die betroffenen Menschen an. „Da haben dann auch meine Trauer und Ratlosigkeit einen Ort vor Gott“, so der Pfarrer.

Der 66-Jährige, der auf 38 Dienstjahre als Pfarrer zurückblickt, möchte allerdings noch nicht gänzlich in den Ruhestand treten. Er übernimmt eine verwaiste Pfarrstelle im fränkischen Schwarzenbach. Mit einem Augenzwinkern sagte er: „Ich fühle mich einfach noch zu jung, um schon alt zu sein.“ Er habe Lust, noch ein wenig auszuhelfen, und in Oberfranken habe man Verwendung für jemanden wie ihn.

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