Kein Schatten, schwül und Fieber

von Redaktion

So hart war der Ironman-Hawaii für Leonie Rauch aus Eiselfing

Eiselfing/Wasserburg/
Hawaii
– Nach 10 Stunden und 49 Minuten läuft Leonie Rauch durchs Ziel des Ironmans auf Hawaii. Die Sonne geht gerade unter. Es ist sehr schwül an diesem Tag, denn am Morgen hatte es geregnet. Die Bedingungen waren etwas erschwert, erzählt die 27-Jährige am Telefon. Mittlerweile ist die Eiselfingerin wieder zurück in der Heimat.

Bereits zwei Wochen vor Start der Ironman-Weltmeisterschaft der Frauen am 11. Oktober ist Rauch auf die Inselgruppe im Pazifik geflogen. „Es heißt, man soll pro Stunde Zeitunterschied einen Tag vorher da sein“, sagt sie. Von Deutschland nach Hawaii gibt es einen Zeitunterschied von zwölf Stunden im Sommer. Das Sportevent biete auch schon im Vorfeld verschiedene Aktionen, wie ein Testschwimmen oder eine Nationen-Parade, erzählt die Eiselfingerin.

Deutlich mehr
Unsicherheit gespürt

Doch ausgerechnet in der ersten Woche nach ihrer Ankunft sei sie krank geworden und habe sogar Fieber gehabt. Sie sei deswegen mit einer eher lockeren Einstellung an den Start gegen 7.30 Uhr gegangen. „Die Gesundheit geht vor“, betont Rauch. Aufgeregt war sie dennoch. „Eben auch weil ich noch davor krank geworden bin und im Sommer eine Fußverletzung hatte“, sagt sie. Mit solchen Voraussetzungen sei sie noch nie bei einem Ironman gestartet. „Deswegen habe ich deutlich mehr Unsicherheit verspürt“, sagt sie. Ihre Gesundheit wollte sie nicht gefährden.

Leonie Rauch ist bereits seit vielen Jahren sportlich aktiv. Das erste Mal, als sie an einem Triathlon teilnahm, ist schon über zehn Jahre her. Für den Kult-Triathlon auf Hawaii qualifiziert hat sich Rauch beim Ironman in Hamburg. In der Altersklasse der 25- bis 29-Jährigen erreichte Rauch eine Zeit von unter zehn Stunden und bekam so ein Ticket für Hawaii. Die vergangenen Wochen standen intensives Training im Fokus. Schwimmen, Radfahren, Laufen und dazu Krafttraining, Yoga und bewusste Regeneration. Rauchs Ziel vor dem Ironman Hawaii war es, nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und 42,4 Kilometern Laufen noch bei Tageslicht ins Ziel zu kommen.

Die Konditionen beim Ironman-Hawaii seien in diesem Jahr etwas schwieriger gewesen, weswegen auch keine Bestzeit aufgestellt worden sei, erklärt Rauch. Neben der schwülen Luft sei auch das Meer rauer gewesen. Auch ab der Hälfte der Radstrecke sei starker Wind erschwerend dazu gekommen. Der eigentliche Wettkampf beginne beim Ironman jedoch erst beim Laufen, sagt Rauch. „Hier gab es keinen Schatten. Deswegen ist der Wettkampf auf Hawaii auch der härteste der Welt“, erklärt die 27-Jährige.

Von Etappe zu Etappe habe sich Rauch durchgekämpft. „Erstmal ging es darum, das Schwimmen zu überstehen“, erklärt Rauch. Besonders dabei war: „Neben uns sind auch Delfine und Schildkröten geschwommen“, sagt die 27-Jährige. Dann habe sie eine kurze Pause gehabt, um das Salz aus Nacken und Kniekehlen zu waschen – damit nichts reiben könne. Auch vor der Sonne musste sich die Eiselfingerin schützen. Eine extra mit Mineralien angereicherte Sonnencreme habe sie deswegen aufgetragen. „Die ist noch mal schweiß-resistenter. Mit ihr sehe ich jedoch recht weiß aus“, sagt sie.

Als Rauch noch auf der Fahrradstrecke gewesen sei, habe sie sogar die US-amerikanische Favoritin Taylor Knibb gesehen, die als Teil der Profi-Gruppe rund eine dreiviertel Stunde vor Rauch startete und sich schon auf der Laufstrecke befand. „An dieser Stelle müssten es noch so sieben Kilometer bis ins Ziel gewesen sein. Ich dachte mir, wenn sie jetzt führt, dann wird sie auch als Siegerin ins Ziel laufen“, sagt Rauch. Erst als die Eiselfingrin selbst im Ziel war, hat sie erfahren, dass Knibb genau wie die britische Triathletin Lucy Charles-Barclay aufgrund der Hitze aufgeben musste.

Bei Dämmerung – „also quasi noch Daylight-Finish (zu Deutsch: Tageslicht-Ziellauf) auf den letzten Drücker“ – ist Rauch dann als 25. von etwa 125 Starterinnen ihrer Altersklasse ins Ziel gelaufen. Danach machte sie noch eine Woche einen Roadtrip auf der Insel. Dann hieß es Abtrainieren, am Strand liegen und viel entspannen, sagt Rauch. Nächstes Jahr will die Eiselfingerin am Langdistanz-Triathlon in Roth teilnehmen. Zudem sei Rauch nun Teil des „Ten sub 10“-Teams. Die Initiative unterstützt laut eigenen Angaben zehn Athletinnen, die neben Beruf, Freunde und Familie Langdistanz-Triathlonsport betreiben.

Zur Ironman-Weltmeisterschaft will Rauch erst in zwei oder drei Jahren wieder, sagt sie. Neben ihrer Tätigkeit als Controllerin beim kbo-Inn-Salzach-Klinikum studiert die Eiselfingerin berufsbegleitend im Master.

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