Proben für den Ernstfall

von Redaktion

Wie sich Johanniter in Wasserburg auf Kriegs- und Katastrophenfall vorbereiten

Wasserburg – Das neue Fahrzeug der Johanniter Oberbayern Südost in Wasserburg fällt auf. Orange und blaue Streifen, der Schriftzug „ZIVILSCHUTZ“ sowie ein Kreis mit einem Dreieck und „Medizinischer Task Force“ sind außen auf dem Lack angebracht. „Es ist absichtlich so auffallend gestaltet.

Der orange Kreis mit dem blauen Dreieck gilt als internationales Schutzzeichen“, erklärt Nico Maier, Leiter des Bevölkerungsschutzes bei den Johannitern Oberbayern Südost mit Sitz in Wasserburg.

Neues Fahrzeug
vom Bund bereitgestellt

Das neue Fahrzeug wurde vom Bund bereitgestellt, erklärt Gerhard Biber, Pressesprecher der Johanniter Unfallhilfe. Bundesweit werden laut Maier derzeit 61 Medizinische Task Forces (MTF) eingerichtet. Sie enthalten Einheiten zur Behandlung und zum Patiententransport sowie zur Dekontaminierung, erklärt Bieber. Das Zivilschutz-Fahrzeug in Wasserburg dient dem Transport von Einsatzkräften, die auf die Dekontaminierung von Patienten spezialisiert sind, so der Pressesprecher.

„Die MTFs befinden sich gerade im Aufbau“, erklärt Maier. Manche Materialien fehlen noch. Es wird auch weitere Gerätewagen geben, in denen weiteres Equipment wie Zelte gelagert sein werden. Wo diese stehen sollen, steht noch nicht fest, erklärt Bieber. Der genaue Ort dafür stehe jedoch noch nicht fest. 2025 wollen die Johanniter in Wasserburg mit der Ausbildung für die Dekontamination-Spezialkräfte starten. Die Medizinische Task Force des Bundes „ist eine standardisierte, sanitätsdienstliche, arztbesetzte taktische Einheit mit Spezialfähigkeiten  zum Einsatz im Spannungs- und Verteidigungsfall (Zivilschutz) sowie in der Bundeslandübergreifenden Katastrophenhilfe  des Bundes konzipiert, heißt es dazu auf der Website des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die MTF soll den Sanitätsdienst oder den Landeskatastrophenschutz unterstützen, ergänzen oder ablösen, wenn es viele Verletzte gibt, heißt es weiter.

„Wir kümmern uns darum, dass Verletzte transportfähig sind und ins Krankenhaus gebracht werden können“, erklärt Maier. An den Task Forces werde schon seit mehreren Jahren gearbeitet. Aufgrund der aktuellen Weltlage habe das Vorhaben mehr Nachdruck erhalten, sagt der Abteilungsleiter. Die Task Force könne so im Kriegs- oder Spannungsfall helfen.

Aber auch bei Unfällen in beispielsweise Chemielaboren oder wenn Stoffe aus einem Gefahrgut-Transporter austreten, erklärt Maier. Ein Szenario mit vielen Verletzten haben die Johanniter zudem bereits Anfang Oktober geübt.

Damals haben Hilfskräfte der Unfallhilfe erstmals mit Bundeswehr und Technischem Hilfswerk die zivil-militärische Zusammenarbeit geprobt. Bei der bayernweiten Großübung haben rund 400 Einsatzkräfte mitgewirkt und die Versorgung und Verlegung von Verwundeten, die mit einem Zug eingetroffen sind, nachgestellt, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

„Das war anstrengend und herausfordern“, resümiert Maier, einer der elf Beteiligten aus Wasserburg. Das Szenario habe 24 Stunden gedauert. Immer wieder seien verletzte Personen abgekommen, sagt er. Der Stresstest sei gut verlaufen. Fehler würden nun evaluiert und Prozesse optimiert werden.

Alexander Hameder, zuständig für die strategische und fachliche Ausrichtung des Bevölkerungsschutzes und des Rettungsdienstes beim Johanniter Landesverband in Bayern, sagte nach der Großübung: „Oberstes Ziel der Übung war es, Erfahrungen zu sammeln. Wir wissen nun besser, wo wir unsere Helfenden noch schulen müssen und wie sich das Zusammenspiel mit externen Partnern weiter optimieren lässt.“

Katastrophenschutz durch
Spenden finanziert

Der Bevölkerungsschutz unterteilt sich in den Katastrophen- und den Zivil-schutz, erklärt Bieber. Der Zivilschutz wird vom Bund gesteuert, wodurch das neue Dekontamination-Fahrzeug das erste Gefährt der Johanniter in Wasserburg ist, das sie vom Bund bereitgestellt bekamen. Den Katastrophenschutz, unter den beispielsweise die Hilfe bei schweren Hochwassern, anderen Unwetterkatastrophen oder die Unterstützung für den Rettungsdienst bei Unfällen mit mehreren Verletzten fallen, finanziere der Verband nur durch Spenden. Etwa 25-mal rücke der Katastrophenschutz im Jahr aus. Rund 100000 Euro würden die Johanniter Oberbayern Südost im Jahr für diesen Bereich investieren, erklärt Bieber.

Auch das neue Zentrum der Johanniter in Wasserburg wurde durch Spender finanziert. Darunter unzählige OVB-Leser, die bei der OVB-Weihnachts-Spendenaktion 2023 über 784000 Euro für den Bau der Wache zur Verfügung stellten.

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