Schnaitsee – Ganz tief in sich und seine künstlerische Herangehensweise an das Denkmal für Dr. Hans-Georg Früchte ließ der Waldhauser Georg Mayerhanser den Mitarbeiter der OVB-Heimatzeitungen blicken. „Hätte ich diesen herausragenden Menschen persönlich gekannt, wäre mir der Bau dieses Denkmals sicher leichter gefallen. Aber so musste ich Dr. Früchte erst in vielen Gesprächen mit seiner Tochter besser kennenlernen.“
Mayerhanser hat sich tief in das Leben des Geehrten hineingefühlt. „Wer war Dr. Hans-Georg Früchte, sodass ihm der Ehrentitel ‚Gerechter unter den Völkern‘ von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verliehen wurde?“, fragte sich der Künstler, und er erfuhr, dass sich Dr. Hans-Georg Früchte während der NS-Zeit als Arzt für bedrohte Juden eingesetzt hatte.
Einarbeiten in
stilles Wirken
Beim Gespräch sinnierte er: „Viele Ideen sind gekommen, aber auch wieder verschwunden, bis das Werk schließlich seinen jetzigen Weg gefunden hatte. Im Laufe der zweimonatigen Arbeit war es mir manchmal so, als ob sich das Denkmal von selber formen wollte.“ Mayerhanser betonte, dass der Gedanke immer in ihm war, dem Andenken an Dr. Früchte gerecht zu werden. Er wollte nicht nur die Leistungen, sondern auch sein stilles Wirken einarbeiten. „So bemerkte ich während der fordernden Arbeit, bei der mich mein Sohn auch bestens unterstützte, dass dieses Werk nicht nur aus Material besteht, sondern auch aus Zeit und Achtung für den Menschen Dr. Früchte.“
Als Material wählte Mayerhanser glänzenden Edelstahl. Es sollte die Zeit überdauern, so wie auch das Lebenswerk von Dr. Früchte. „Das Werk sollte auch Glanz und Würde ausstrahlen, um dem Wirken von Dr. Früchte gerecht zu werden. Die Ausführung als Spiegeldialog soll den Betrachter eine Beziehung mit dem Werk eingehen lassen. Es lädt ein, sich dem Verborgenen zu nähern, aber das Bleibende und Spürbare, das einen Menschen ausmacht, zu erkennen.“ Der Künstler glaubt, auch durch die schlichte Inschrift das Leben von Hans-Georg Früchte in dessen Sinne dargestellt zu haben.
Bevor das Werk am Dienstag, 11. November, im Rahmen eines Festaktes am Rathaus in Sulzemoos, dem letzten Wohnort von Dr. Hans-Georg Früchte, seinen würdigen Platz findet, zeigte es Georg Mayerhanser erstmals in seinem Atelier. Das 3,2 Meter hohe Werk zog an den zwei Tagen große Aufmerksamkeit auf sich. Auch der Bürgermeister von Sulzemoos, Johannes Kneidl, wollte vor der Einweihung das Werk in Augenschein nehmen.
Der Dachauer Landrat Stefan Löwl würdigte in seiner Laudatio den selbstlosen Einsatz des in Göttingen geborenen Arztes: „Dr. Hans-Georg Früchte hat sich uneigennützig für bedrohte Jüdinnen und Juden eingesetzt. Die Erinnerung an seinen hilfsbereiten und nicht ungefährlichen Einsatz sowie die nun erfolgte Anerkennung ist nicht nur eine Ehre für die Familie, sondern für die gesamte Gemeinschaft. Gerade in der aktuellen Zeit unterstreicht sie die Wichtigkeit und Bedeutung des persönlichen Engagements und Einsatzes für die Menschlichkeit, auch unter Inkaufnahme persönlicher Risiken. Damit setzt Dr. Hans-Georg Früchte auch heute noch ein Zeichen für unsere gesamte Gesellschaft.“
Der Titel „Gerechter unter den Völkern“ wurde 2017 als einzigen Schnaitseer Bürgern Cäcilia und Michael Köhldorfner posthum verliehen. Sie versteckten zwei jüdische KZ-Häftlinge, um sie vor den Todesmärschen der SS zu schützen. Bei den Geretteten handelte es sich um Henrick Gleitmann und Bernhard Hampel.
Gelegenheit zur
Flucht genutzt
Bei der Verleihung in Schnaitsee konstatierte damals die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich: „Cäcilia und Michael retteten nicht nur zwei Männern das Leben, sie schenkten Zukunft. Sie schenkten zwei Familien das Leben!“ Anfang Mai 1945 befanden sich Gleitmann und Hampel auf einem sogenannten Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau. Da die Nazis am Vortag zwölf Mithäftlinge erschossen hatten (siehe Denkmal bei Sandgrub), nutzten die beiden Juden eine Gelegenheit zur Flucht und versteckten sich in der Scheune in Stangern bei Schnaitsee. Das Ehepaar Köhldorfner brachte sie in einer Dachkammer unter, obwohl das Verstecken von Juden als schweres Verbrechen galt.