Selbst der Oldtimer findet Platz

von Redaktion

Stadtrat verabschiedet Planung für das neue Feuerwehrhaus

Wasserburg – Ein kleines Schmunzeln entkam Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) am Ende dann doch: „Anscheinend habe ich die 15 Millionen oft genug in den Bürgerversammlungen in den Mund genommen, sodass heute gar keine Diskussion darüber entstanden ist“, meinte er. Tatsächlich verlor über die qualifizierte Kostenschätzung von 14,7 Millionen Euro für den Feuerwehrhaus-Neubau – mit dem bereits getätigten Grundstückskauf liegt diese sogar bei 17,3 Millionen – kaum jemand im Stadtrat ein Wort. Obwohl vor knapp zwei Jahren die damals geschätzten 13,3 Millionen noch mit einer „Kostenexplosion“ verglichen wurden. Doch anscheinend hatte Bürgermeister Kölbl gute Vorarbeit geleistet.

Lob für die Arbeit
der Planer

Für gute Arbeit wurden auch die Fachplaner gelobt, insbesondere Architekt Tobias Hübner vom Architekturbüro „Fritsch & Tschaidse“ konnte den Stadtrat mit seinem Vorentwurf begeistern. Hübner betonte zwar, dass das Grundstück „beengte Verhältnisse“ aufweise. Dennoch war es ihm gelungen, Platz für zehn Fahrzeughallen, einen Übungsturm, ein Kaltlager mit Waschhalle, der gesamten nötigen Ausstattung, einem öffentlich zugänglichen Veranstaltungssaal sowie einer Erweiterungsmöglichkeit um zwei Fahrzeughallen zu schaffen. Selbst der Oldtimer, das Löschfahrzeug „KS 15“ aus dem Jahr 1940, dessen Unterbringung noch vor zwei Jahren heftige Diskussionen im Stadtrat ausgelöst hatte, fand einen angemessenen Platz. Gelungen sei dies insbesondere durch ein Drehen des Gebäudes. So sind nun die Tore für das Haupthaus Richtung Osten ausgerichtet, der Haupteingang für Personen liegt eher im Süden, in Richtung Parkplatz „Unter der Rampe“. Direkt gegenüber des Hauptgebäudes soll noch ein kleinerer Anbau mit Übungsturm, Kaltlager, Waschhalle und dem bereits erwähnten Oldtimer entstehen. Um diesen der Öffentlichkeit zu präsentieren, werde hier auch eine Wand verglast, damit ein Schaufenster entsteht, so Hübner.

Für die tägliche Arbeit der Feuerwehr sei aber, so konnte aus dem Vortrag von Hübner entnommen werden, insbesondere das Erdgeschoss des Haupthauses gedacht. Hier sind Schlauchpflege, Atemschutzwerkstatt, aber auch die Umkleiden und die Fahrzeuge eingeplant. Im Alarmfall, so der Architekt, seien Parkplätze für die Feuerwehrangehörigen auf der Westseite des Gebäudes vorgesehen. Über einen hier eigens eingebauten Alarmeingang könnten die Ehrenamtlichen das Gebäude betreten, sich umziehen und ausrücken. Ein weiterer Eingang diene zur Anlieferung von gebrauchten Schläuchen und Atemschutzgeräten, auch von den umliegenden Feuerwehren. Der dritte Haupteingang diene vor allem der Öffentlichkeit. Hierüber werde zunächst ein Foyer mit Treppenhaus und barrierefreiem Aufzug geplant. Darüber könne dann auch der öffentlich zugängliche Teil des Feuerwehrhauses mit einem teilbaren Veranstaltungs- beziehungsweise Schulungsraum für insgesamt 120 Personen, den Sanitäranlagen, der Garderobe sowie einem Material- und Stuhllager betreten werden. Feuerwehrangehörige, so Hübner, könnten entweder über eine im Haus liegende Tür oder über ein weiteres Treppenhaus im Bereich des Alarmeingangs auch den hinteren Teil des Obergeschosses betreten, wo sich unter anderem mehrere Büros, ein Bereitschaftsraum, ein Mehrzweckraum und ein Bereich für die Jugendfeuerwehr befinden.

Die Stromversorgung könne beinahe komplett über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Haupthauses sichergestellt werden. Um der hohen Flächenversiegelung und der damit verbundenen schwierigen Entwässerung entgegenzuwirken, sei auf dem Nebengebäude ein begrüntes Dach geplant, so Hübner. „Wir werden aber trotz allem noch ein Regenrückhaltebecken benötigen“, betonte der Architekt. Zur Wärmeversorgung sei derzeit eine Sole-Wärmepumpe, also eine Grundwasser-Wärmepumpe, geplant. Entsprechende Versuche, ob die Wärmeversorgung auch im Winter ausreiche, würden derzeit vor Ort durchgeführt.

Gebaut werden soll das Haus beinahe komplett aus Massivholzplatten, die eine Lasierung im typischen Wasserburger Rot erhalten sollen. Lediglich am Boden seien 80 Zentimeter Betonbau vorgesehen. Auch der Turm werde mit Beton und Stahl gebaut. „Hier wird mit Wasser gespritzt werden, da wäre Holz auf Dauer nicht förderlich“, erklärte Hübner.

Eine gelungene Planung, wie auch der Stadtrat befand. „Da ist viel Hirnschmalz reingeflossen“, betonten sowohl Georg Machl, Fraktionssprecher von CSU und Wasserburger Block, als auch Feuerwehrreferent Armin Sinzinger (Wasserburger Block).

Kritik am Fehlen
der Kommandanten

Tatsächlich gab es die größte Kritik des Stadtrats gar nicht an der Planung, sondern aufgrund der Tatsache, dass kaum Feuerwehrmitglieder, insbesondere nicht die Kommandanten, bei der Sitzung anwesend waren. Als „schade“, bezeichneten dies sowohl Friederike Kayser-Büker (SPD) als auch Elisabeth Fischer (CSU). Einzig Norbert Buortesch (Bürgerforum) sprach von Bedenken angesichts der Tatsache, dass das Haus nur 80 Zentimeter Beton bekommen solle. „Reicht das denn aus im Fall eines Hochwassers?“, fragte er. „Sollte man nicht doch einen Meter mit Beton bauen?“

Zwanzig Zentimeter mehr
retten die Stadt auch nicht

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann, Bürgermeister Kölbl und auch Architekt Hübner hielten dies jedoch nicht für zielführend. Bei einem HQ 100, also einem Hochwasser, das statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt, sei das Haus genau wie die Altstadt durch die Hochwasserschutzmauer gesichert. Erst bei einem HQ extrem komme es zu Überflutungen. „Und dann ist die gesamte Altstadt betroffen. Das ist ein Szenario, das wollen und können wir uns nicht vorstellen. Aber dann haben wir ganz andere Probleme“, betonte Herrmann. Zwanzig Zentimeter Beton würden da keinen Unterschied machen.

Mit einer Gegenstimme von Buortesch nahm der Stadtrat die Planung des Feuerwehrhauses an.

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