Bleikugeln und Plättchen sind stille Zeugen

von Redaktion

Schlacht am Magdalenenberg gegen österreichische Besatzung jährt sich zum 320. Mal

Wasserburg – Drei voneinander unabhängige Quellen berichten von der Schlacht am Magdalenenberg, deren Datum sich am 23. November zum 320. Mal jährt: das Ratsprotokoll der Stadt, ein Brief des örtlichen Gerichtsschreibers an den Pfleger Johann Albrecht von Pienzenau in München und die Chronik des Kapuzinerklosters. Daneben erzählen noch einige wenige Eintragungen in den Mirakelbüchern von Elend/Attel von Einzelschicksalen und den Drangsalen der Bevölkerung.

Zwischen Huberwirt
und Burgstall

Schon allein das Schlachtfeld auf dem „Magdalenenberg“ ist ein nicht genau fassbarer Ort, der sich zwischen dem Huberwirt an der Schönen Aussicht einerseits und dem Burgstall mit der Kosaklinde am Achatzberg andererseits, dem Steilhang zum Gymnasium im Norden und dem Höhenzug, auf dem der Aussichtsturm liegt, im Süden erstreckt.

Nimmt man die bisherigen Funde von über 120 Flintsteinen für die einstigen Steinschlossgewehre und -pistolen als Kriterium für die geografische Ausdehnung der Kampfstätte, so hätte die Schlacht nur nördlich der Bundesstraße 304 (alt) stattgefunden. Dabei darf man nicht übersehen, dass das südlich angrenzende Gebiet durch Dauergrünland und die Bodenversiegelung durch Bebauung schon seit Jahrzehnten keine Funde mehr liefert, sodass die Kartierung der Flintsteine ein verzerrtes Bild liefert.

Wenn der Bergstock mit der Kosaklinde ebenso viele Silices liefert wie das Gelände zwischen den Kalvarienbergkreuzen und dem Huberwirt, entspricht das durchaus der damaligen Kampfsituation, denn die Mirakeleintragungen in der Wallfahrtskirche von Elend berichten davon, dass Bauern den steilen Hang ins Wuhrtal hinabgestiegen sind, um sich zu retten, während andere über den Pallinger Berg in das südlich davon gelegene Eiselfinger Moos geflohen sind, wo sie zwischen Bäumen und Büschen Deckung fanden. Einzige im Boden schlummernde Zeugnisse dieser Auseinandersetzung zwischen den Bauern und den österreichischen Besatzern sind eine Handvoll Bleikugeln und über 120 Feuersteinplättchen, die Toni Huber im Laufe von 30 Jahren aufgelesen hat, wenn die Felder frisch gepflügt waren. Mittlerweile herrscht Grünland vor, sodass kaum noch Funde zu erwarten sind.

Die im Vergleich zu anderen Schlachtorten jener Zeit unverhältnismäßig hohe Zahl an Feuersteinen dürfte wohl mehrere Gründe haben: Viele Plättchen besitzen eine unregelmäßige Oberfläche, sodass sie nur schwer in die Backen des Hahns eingeklemmt werden konnten und bei der Bewegung im Gelände herausgefallen sind.

Andererseits verwendete man die Gewehre mit ihren langen Bajonetten und durch Metall verstärkten Kolben im Nahkampf zum Stechen und Schlagen, sodass die für die Zündung unerlässlichen Feuersteine verloren gingen. Und letztlich nützten sich die Flintsteine mit jedem Schuss ab, sodass sie nach einiger Zeit ausgewechselt werden mussten und weggeworfen wurden. Nach militärhistorischen Aufzeichnungen vom Beginn des 19. Jahrhunderts rechnete man einen Flintenstein für etwa acht Schuss, bei Karabinern und Pistolen einen Stein für etwa sieben Schuss. Hundert Jahre früher dürfte es nicht anders gewesen sein.

Um 1840 schließlich hatten die ab 1610 entwickelten Steinschlosswaffen ausgedient. Welche Mengen für eine längere Kriegsführung benötigt wurden, belegen Zahlen vom 3. Schlesischen Krieg, in dem der preußische König 1751 zwei Millionen Flint- und eine halbe Million Karabinersteine orderte.

Zunder und Pulver konnten leicht feucht werden

Kehren wir zur Bauernschlacht von 1705 zurück, wo die wettermäßigen Bedingungen Ende November ein störungsfreies Abfeuern der Waffen sicher beeinträchtigt haben: Zunder und Pulver konnten leicht feucht werden, sodass es wohl eher ein Hauen und Stechen war.

Dem entspricht auch das in barocker Dramatik abgefasste Protokoll des Gerichtsschreibers Johann Veit von Korntheuer vom folgenden Tag. Er spricht im Wesentlichen von abgehauenen Händen und Armen, zerspaltenen Schädeln und aufgeschlitzten Bäuchen, während er tödliche Schussverletzungen nur bei einigen Gefallenen feststellt – sieht man von der geringen Treffgenauigkeit damaliger Schusswaffen ab. Die gefallenen Bauern und ihre Knechte wurden auf den Friedhöfen von St. Achatz und Eiselfing in Massengräbern bestattet. In den Kirchenbüchern der umliegenden Pfarreien finden sich nur selten Einträge, weil man verhindern wollte, dass die Familien der beteiligten und getöteten Aufständischen von den Österreichern weiter verfolgt werden konnten. Entgegen der Angaben von Probst in „Lieber bayrisch sterben“ (3000 Aufständische) sprechen die örtlichen Chronisten wie Veichtmayr (Schnaitsee) und Dürnegger (Amerang) von 1200 bis 1300 beteiligten Bauern, sodass die beiden Gegner zahlenmäßig zwar fast gleich waren, aber von den Bauern nur etwa 100 über Schusswaffen verfügt haben. Etwa 100 Bauern seien gefallen oder 200 niedergemacht worden (zwischen Verwundeten oder Gefallenen wird nicht differenziert), etwa 500 Bauern gerieten in Gefangenschaft.

Über die Verluste der österreichischen Truppen ist zwar nichts überliefert, doch werden wohl auch einige in den beiden Massengräbern bestattet worden sein, sofern die Sieger, die ja Wasserburg weiterhin besetzt hatten, ihre Gefallenen nicht im dortigen Friedhof bestattet haben.

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