Wasserburg – Das Ehepaar Veronika und Sebastian Hausberger, Inhaber des traditionsreichen Geschäfts „Blumen Hirneiß“ im Weberzipfel und eines Gärtnereibetriebs im Riedener Weg, freut sich auf den Ruhestand. Zum Ende des Jahres soll für sie im Alter von 69 und 81 Jahren endgültig Schluss sein mit dem Verkauf von Rosen, Tulpen und Nelken. Konrad Hirneiß, Namensgeber des Geschäfts, war der Mann, mit dem Sebastian Hausbergers Mutter in zweiter Ehe verheiratet war. Ihr erster Mann war im Krieg gefallen.
Stiftung-Attl-Tochter
übernimmt
Gepachtet wird das Gelände und der Laden der Hausbergers – nach Renovierungs- und Umbauarbeiten am Jahresanfang – unter neuem Namen vom Inklusionsunternehmen „Fairjob“, eine gemeinnützige GmbH und Tochterunternehmen der Stiftung Attl.
Der Handel mit Blumen am Weberzipfel soll im neuen Jahr also weitergehen, genauso die Arbeit im Riedener Weg, wo auf einem 900 Quadratmeter großen Areal zwei Gewächshäuser stehen. Zur Arbeit dort gehört unter anderem die Grabpflege, in diesem Bereich wird auch für den Nachschub von Pflanzen gesorgt, die im Laden verkauft werden. Gleich nebenan soll das neue Feuerwehrhaus gebaut werden. Die Entscheidung der Hausbergers für den Rückzug aus dem Blumen- und Gartengeschäft hat sich seit geraumer Zeit angebahnt. Mit einem verschmitzten Lächeln sagt Hausberger: „Die Bemerkungen wie: ,Du bist auch nicht mehr der Jüngste‘ sind immer häufiger geworden. Außerdem ist für mich die wirtschaftliche Lage als bodenständiger, ortsansässiger Gärtner immer schwieriger geworden.“ Auch die Corona-Pandemie habe ihm schwer zu schaffen gemacht. „Also, mir langt‘s. Irgendwann muss Schluss sein.“ Hausberger hat einige Kräfte – durchweg Frauen – beschäftigt, die alle von „Fairjob“ übernommen werden sollen. Der gebürtige Wasserburger ist schon seit vielen Jahren Rentner, seine Frau hat er als Pächterin eingesetzt. Kundenfreundlichkeit sei stets seine Devise gewesen: Wenn mal eine Rose vorzeitig den Kopf habe hängen lassen, habe es Ersatz gegeben.
Den grünen Daumen hat Hausberger vererbt bekommen. Einen alten Zeitungstext hat er aufbewahrt, in dem von den Anfängen der Gärtnerei in Wasserburg aus Anlass ihres 50-Jahr-Jubiläums berichtet wurde. „Im Jahre 1882 legten sie (seine Urgroßeltern Jakob und Anna Eisenrieder) den Grundstein zur Verwirklichung ihres Traumes.“ Der Gärtnerei und später dem Blumenhandel blieben auch die nachfolgenden Generationen treu, Anfang der 60er-Jahre war die Reihe dann an Sebastian: Mit dem Ende der Schulpflicht 1958 verließ er das Gymnasium und begann eine Lehre.
Ruhestand ist
längst fällig
Die ersten Jahre im Beruf seien eine harte Zeit gewesen, sagt er rückblickend. Früh um fünf habe er aufstehen müssen. „Aber es hat sich gelohnt, ich habe die Ärmel hochgekrempelt, habe zusammen mit Hilfskräften das Ganze wieder in Schwung gebracht.“ Der Gemüseanbau wurde zurückgefahren, das lukrativere Blumengeschäft gestärkt.
Das Geschäft lief im Lauf der Jahre immer besser. „Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Du packst das.‘“ Sie behielt recht. Seine Frau Veronika ist auf jeden Fall glücklich über den Entschluss, alsbald in den Ruhestand treten zu können. „Das ist längst fällig.“