Haag – „Philosophie auf boarisch live“ war im Haager „Unertl-Bräustüberl“ nicht nur eine Lesung, sondern zündete auch eine Debatte um den Stellenwert des Bayerischen und das Selbstwertgefühl der Dialektsprechenden. Moderator Thomas Sax stellte fest: „Boarisch möchte jeder können. Zumindest zum Oktoberfest ist es chic.“ Zur Lesung kündigte er nach einer kurzen Begrüßung der Ehrengäste vom Landtagsabgeordneten Sascha Schnürer über die Bürgermeister Stefan Högenauer und Dr. Florian Haas bis zum Einkaufshelferchef Thomas Dohle „vertiefende Einblicke ins Boarische“ an.
Autor Ludwig Meindl betonte im Prolog, jeder Bayer sei eigentlich von Geburt an Philosoph: „Er bekommt die Philosophie mit der Sprache in die Wiege gelegt – er weiß es nur nicht.“ Das Bayerische beinhalte viel Philosophisches gerade aus dem Sektor der Ontologie, der klassischen Seinslehre, so „Sei duad’s wos“, „Werd scho werdn“, „Nix is“, „Vo nix kimmt nix“. Schwerpunkte der Lesung bildeten die Kapitel „Die Halloisten“, „Der Doagaffnslang“ und das „Hunds-R“. Landtagsabgeordneter Sascha Schnürer unterstrich die Bedeutung des praktizierten Dialekts: „Das Buch hat mich zum Denken angeregt.“ Er selber habe erfahren, wie schwer es sei, als Landtagsabgeordneter seinem Dialekt treu zu bleiben, und appellierte: „Man darf sich für seine Wurzeln nicht verstecken.“ Das praktizierten viele Abgeordnete im Landtag und würden ihrem Dialekt untreu. Stolz sei er auf das Buch „Philosophie auf boarisch“, das er mit Überzeugung von Anfang an begleitet habe: „Das sollen viele Leute lesen und sich wieder trauen, die Landessprache zu vertreten.“
Dr. Florian Haas erkannte im Motiv der „bayerischen Lesung“ eine neue Richtung, einen „Gegenentwurf“ zur Tendenz, das Bayerische „einzudeutschen“. Man dürfe nur hoffen, dass diese Erneuerung „auf boarisch“ viel Erfolg habe. Abschließend lud Thomas Sax zum Signieren der Bücher aus der „schon fast vergriffenen ersten Auflage“. Die nächste Lesung findet am Freitag, 14. November, im Gasthaus Sanftl in Eiselfing ab 19.30 Uhr statt.xy