Unterreit – Fast drei Stunden dauerte schon der Sitzungsmarathon im öffentlichen Teil der jüngsten Gemeinderatssitzung in Unterreit, in dem bis zur Ermüdung baurechtliches Pflichtprogramm systematisch abgearbeitet wurde – und doch gab es am Ende noch einen Paukenschlag.
Persönliche Erklärung zu
später Stunde
Denn zur fortgeschrittener Stunde folgte noch eine persönliche Erklärung des Bürgermeisters, die allerdings für die wohl schon vorgewarnten Gemeinderäte nicht mehr überraschend kam. Christian Seidl teilte mit, dass er seine Tätigkeit als Bürgermeister im April 2026 beenden, also nicht mehr erneut kandidieren werde. Er begründete seine auch mit der Familie wohlüberlegte Entscheidung mit dem oft kaum noch zu bewältigenden Arbeitspensum und der Komplexität insbesondere der gemeindlichen Bauvorhaben, die ihn zunehmend an seine Grenzen brächten, ein Argument, das man gerade nach dieser Sitzung gut nachvollziehen konnte.
Ausschlaggebender für die Entscheidung war aber wohl das Arbeitsklima im Gemeinderat, das sich in der jüngsten Zeit deutlich verschlechtert habe. Ihm sei aufgefallen, „dass der Ton bei ein paar Räten rauer wird“, dass es „immer wieder Sticheleien gibt, es sind Fehler gesucht worden, die sind auch gefunden worden, das gebe ich zu – ein Bürgermeister ist nicht unfehlbar“.
Kurzum: Bei manchen sei das nötige Vertrauen in seine Person, das er über Jahre verspürt habe, nicht mehr vorhanden, findet Seidl. Er verwies aber auch auf das viele Positive, was man gemeinsam geleistet habe und wünschte Verwaltung und Gemeinderat für die Zukunft wieder ein konstruktives und vertrauensvolles Arbeitsklima.
Im Gremium herrschte nach dieser Erklärung allgemeines Schweigen.
Christian Seidl ist 59 Jahre alt, altersmäßig hätte er gut noch einmal antreten können zur Kommunalwahl. 2020 hatten ihn die Freien Wähler Wang aufgestellt. Zuvor war er bereits jahrelang Gemeinderat gewesen, außerdem Jugendbeauftragter. Im Hauptberuf ist Seidl Schreiner.
Eine schwierige
Amtszeit
Seine erste und damit also einzige Amtszeit war geprägt von schwierigen Thematiken: Streit um Funkantennen mit dem ersten Bürgerentscheid in der Gemeindegeschichte, Ärger um die geplanten Windräder in der Nachbarkommune Taufkirchen, mittlerweile genehmigt, und die schwere finanzielle Bürde im Schulverband rund um die millionenschwere Sanierung der Mittelschule Gars. Christian Seidl hat jedoch auch viel erreicht: neu Baugebiete, Fernwärme, neuer Spielplatz, Rad- und Fußwege, Glasfaserausbau, 1100-Jahr-Feiern.