So will Wasserburg in Zukunft heizen

von Redaktion

Ab 2045 soll in Deutschland nur noch mit erneuerbaren Energien geheizt werden. Auch Wasserburg steht deshalb vor großen Aufgaben. Warum noch viel getan werden muss. Wie die Stadt in Zukunft heizen könnte und warum sich hier sogar Wasserstoff anbieten könnte.

Wasserburg – Ab 2045 soll es in Deutschland nur noch Heizungen geben, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das zumindest ist der Plan der Bundesregierung. Um das zu erreichen, sollen dafür bis 2028 alle Städte und Gemeinden eine kommunale Wärmeplanung erstellen lassen. Diese soll aufzeigen, wo es noch Potenzial beim Weggang von fossilen Brennstoffen gibt, wo sich Wärmenetze anbieten würden und welche erneuerbaren Energien eingesetzt werden könnten.

„Es wird noch viel getan
werden müssen“

In der jüngsten Stadtratssitzung in Wasserburg stellte Simon Markgraf vom Ingenieurbüro Seinbacher Consult dazu die Zwischenergebnisse vor. Schnell war klar: „In Wasserburg wird noch viel getan werden müssen.“ Dreiviertel der Gebäude in der Innstadt heizen nämlich noch mit fossilen Energien. 1223 oder 42 Prozent der Gebäude werden mit Heizöl versorgt, 36 Prozent oder 1057 Gebäude mit Gas. Damit sei in Wasserburg der Anteil an Energieverbrauch durch erneuerbare Energien unterdurchschnittlich, so Markgraf.

Hinzu komme die besondere Situation durch die angesiedelte Milchindustrie, die ebenfalls größtenteils mit Gas versorgt werde. Dadurch erreiche Wasserburg einen Gesamtverbrauch an Gas von 501,43 Gigawattstunden pro Jahr – was einem Anteil von 82 Prozent des Energieverbrauchs der Stadt entspreche, so Markgraf. Es wird also noch einiges tagtäglich an fossilen Energien in Wasserburg genutzt.

Deutlich wurde aber auch: Nicht alle Ortsteile von Wasserburg würden sich für ein Wärmenetz anbieten. Um dieses lukrativ zu gestalten, brauche es nämlich eine gewisse Wärmedichte, so Markgraf. Als potenziell lukrativ seien hier die Altstadt, Reitmehring, insbesondere der Bereich rund um Meggle, und das Burgerfeld, insbesondere das Gewerbegebiet rund um die Privatmolkerei Bauer, zu bewerten. Diese Gebiete sollen im Weiteren noch einmal genauer bezüglich einer zentralen Wärmeversorgung untersucht werden. Alle anderen Bereiche, was vor allem die kleineren Ortschaften wie Reisach, Kornberg oder auch Neudeck betrifft, werden wohl auf eine dezentrale, also individuelle Wärmeversorgung zurückgreifen müssen.

Anbieten, so Markgraf, würde sich in Wasserburg vor allem eine Versorgung mittels Tiefengeothermie. Gemäß der Koordinationsstelle Tiefengeothermie Bayern würde ein hohes technisches Potenzial für Geothermie im Raum Wasserburg bestehen, erklärte Markgraf. Auch eine Flusswasserwärmepumpe sei betrachtet worden. Hier hätte sich zwar grundsätzlich ebenfalls hohes Potenzial ergeben. Allerdings könne ab einer Temperatur von unter drei Grad kein Flusswasser mehr entnommen werden, was beim Inn an circa 36 Tagen insbesondere im Dezember, Januar und Februar der Fall sei. „Also gerade in den Monaten, wo die Wärme benötigt wird“, bedauerte Markgraf. Ein Wärmenetz, das nur mittels einer Flusswasserwärmepumpe gespeist werde, sei damit ausgeschlossen. Eine weitere Möglichkeit sei zudem, Wärme über Solarenergie über Dachflächen und Freiflächen zu gewinnen, so Markgraf.

Insgesamt würden aber die Potenziale aus den erneuerbaren Energien ausreichen, um Wasserburg – ausgenommen der Milchindustrie – zu versorgen. In den weiteren Schritten der kommunalen Wärmeplanung solle dies noch einmal geprüft werden und ein Zielszenario erstellt werden.

Konkrete Handlungsanweisungen für Personen, die in den möglichen Wärmenetzgebieten wohnen und über eine Gas- oder Ölheizung verfügen, konnte Markgraf auch auf Anfrage von Christoph Klobeck (CSU) aber nicht geben. Wer noch sanieren könnte, sollte dies machen. Denn ob ein Wärmenetz komme, könne noch nicht gesagt werden. Gerade in der Wasserburger Altstadt würde sich ein solches Netz anbieten, doch zunächst brauche es auch einen Betreiber.

Auch Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) verwies darauf, dass diese Frage schwierig zu beantworten sei. Einfacher sei es für die Gebiete außerhalb, hier werde es wohl auf eine dezentrale Versorgung mit beispielsweise eigener Wärmepumpe hinauslaufen. Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD) fragte nach, ob es auch Potenzial von Wasserstoff gebe. Schließlich sei das Gasnetz, das auch für den Transport von Wasserstoff geeignet sei, in der Stadt gut ausgebaut. Christian Stadler (Grüne) verwies aber auf die hohen Kosten der Wasserstoffgewinnung. „Das ist für private Haushalte völlig unwirtschaftlich“. Christian Flemisch (ÖDP) setzte außerdem hinzu, dass die Erzeugung einen so hohen Energiebedarf habe, dass hier das Klimaschutzbedürfnis nicht erfüllt werde. Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) verwies allerdings auf eine Tagung, an der er teilgenommen habe. „Wasserburg ist eine von sieben bayerischen Kommunen, wo sich Wasserstoff überhaupt anbieten würde, weil wir uns zwischen zwei Großabnehmern befinden. Das müssen wir prüfen, ob das klappt.“

Die eierlegende
Wollmilchsau gibt es nicht

Stadtrat Markus Bauer (CSU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender bei der Privatmolkerei Bauer tätig ist, verwies aber darauf, dass die Frage der zukünftigen Wärmeversorgung auch in der Industrie unklar sei. „Wir planen an unterschiedlichen Lösungen“, meinte er. Klar sei für ihn aber auch: Auf eine Wärmequelle, die derzeit verteufelt werde, könne in einigen Jahren ganz anders geblickt werden. „Die eierlegende Wollmilchsau werden wir nicht bekommen“, so Bauer. Wichtig sei, dass gemeinsam daran gearbeitet werde und nicht jeder individuell vorpresche.

Der Stadtrat nahm die Zwischenergebnisse zur kommunalen Wärmeplanung einstimmig zur Kenntnis.

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