Wiederentdecktes Gemälde vorgestellt

von Redaktion

Predellenbild war Teil eines Wallfahrtsaltars in St. Leonhard am Buchat

Babensham – St. Leonhard am Buchat hat zwar bereits vor einem Monat sein Patrozinium mit dem Pferdeumritt gefeiert, dennoch sollte zum eigentlichen Festtag des Heiligen ein wieder entdecktes Gemälde vorgestellt werden, das in einem Abstellraum des Pfarrhofes unerkannt lagerte. Das schmal-längliche Brett mit seinen quadratischen Aussparungen an den Ecken ist ein sogenanntes Predellen-Gemälde, das am Übergang zwischen der Altarmensa und dem Retabel angebracht war. Es gehört zu jenem Wallfahrtsaltar, der einst zwischen Hochaltar und der Kommunionbank, vermutlich an der Stelle des heutigen Volksaltares, stand. In der Mitte oder der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte dieser Altar einen spätgotischen Schreinaltar abgelöst, dessen Flügel noch an der Südwand der Kirche hängen. Im Zentrum des neuen Retabels stand jene Leonhardsfigur (Höhe etwa 175 Zentimeter), die heute ihren Platz am Hochaltar hat. 1757 hatte Pfarrer Lasser von Schnaitsee diesen Altar abbrechen lassen, weil er angeblich morsch war und mehr Platz für die Wallfahrer geschaffen werden sollte. Erhalten geblieben ist neben der Hauptfigur und vielleicht einem heiligen Stephanus als Nebenfigur (eine zweite Figur fehlt) nur das Brett der Predella. Es zeigt den Heiligen nicht wie üblich als Viehpatron, sondern als Befreier von unschuldig Gefangenen. Er ist als jugendlicher Mönch vor einem Gefängnis dargestellt, ohne die Attribute wie Brustkreuz und Abtsstab. Seitlich knieen ein jugendlicher und ein älterer Gefangener mit Hand- und Fußfesseln. Leonhard hält zwischen seinen ausgebreiteten Armen eine Fessel, die er offensichtlich gelöst hat. Der Durchblick auf die Landschaft zeigt einen Rundturm, wohl ein weiteres Gefängnis. Der Maler dieses Gemäldes ist unbekannt, doch dürfte er im regionalen Umkreis zu suchen sein. fst

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