„Ein prägendes Gebäude verschwindet“

von Redaktion

Verliert Ramerberg ein ortsprägendes Gebäude? Wird das Gasthaus Bichler abgerissen? Darüber diskutierte jüngst der Bauausschuss. Was dabei herausgekommen ist und welcher Punkt Kritik erntete.

Ramerberg – Das Gasthaus Bichler von Ramerberg: Schon die Schließung im Mai vergangenen Jahres tat nicht nur den Ramerbergern in der Seele weh. So ganz verabschieden mussten sich die Ortsansässigen aber noch nicht. Ab und an öffnete das Wirtshaus im vergangenen Jahr noch für größere Veranstaltungen.

Damit wird aber demnächst wohl auch Schluss sein, denn das Gebäude soll abgerissen werden. Ein entsprechender Antrag lag dem Ramerberger Bauausschuss in der jüngsten Sitzung vor.

Brandschutzmängel und ein maroder Dachstuhl

Zu Beginn unterstrich Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) sein Bedauern über die Schließung und den beantragten Abriss. „Für unseren Ort ist die Wirtschaft von großer Bedeutung“, meinte er. Entsprechend viele Gespräche seien mit den Eigentümern geführt worden, doch es habe sich herausgestellt, dass sie gute Gründe für den Abriss hätten. Denn zum einen weise das Gebäude Brandschutzmängel auf, zum anderen sei der Dachstuhl kaputt.

Sieben Doppelhäuser will die Eigentümer-Familie nun anstatt des Wirtshauses an dieser Stelle bauen. Fünf Häuser, erklärte Peter Pertl vom Bauamt, würden sich im Innenbereich befinden, wie sich nach Rücksprache mit dem Landratsamt Rosenheim herausgestellt habe. Zwei Bauparzellen seien im Außenbereich.

Um hier entwickeln zu können, müsste also ein eigener Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Erschließung der Häuser könne über eine eingeplante Ringstraße sichergestellt werden. Auch die Wasserversorgung sei vorhanden. Lediglich der Regenwasserkanal müsste wahrscheinlich verlegt werden, da dieser ansonsten unter einem der eingeplanten Häuser hindurch verlaufen würde. Wie hier weiter verfahren werde, könne aber erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Konrad Fuchs fordert
Grundstückstausch

Nicht alle Gemeinderäte zeigten sich jedoch begeistert von den Plänen. Konrad Fuchs (NRL/FWG) betonte, dass auch er es grundsätzlich schade finde, dass dieses ortsprägende Gebäude verschwinden werde. Er forderte aber, den gesamten Bereich zu überplanen.

Außerdem verlangte er, den Eigentümern ein Tauschangebot mit dem jetzigen Kindergartengrundstück und Gebäude zu unterbreiten. Schließlich sei weiterhin unklar, wie es mit dem sanierungsbedürftigen Kindergarten weitergehen soll. „Dort beim Wirt könnte ich mir den wunderbar vorstellen“, meinte Fuchs. Außerdem, so betonte er, gehöre hier 50 Prozent des Grundstücks abgeschöpft, um ein Ansiedlungsmodell für Einheimische zu ermöglichen.

„Kann Thema Abschöpfen nicht mehr hören“

Dritter Bürgermeister Jürgen Zott (UWR) lehnte dies jedoch ab. „Ich kann das Thema Abschöpfen nicht mehr hören“, sagte er. Auch das Thema Kindergarten sei schon einmal diskutiert worden, ein entsprechendes Grundstück hätten sogar dieselben Eigentümer zur Verfügung gestellt. „Aber das wurde ja abgelehnt.“ Tatsächlich hatte es im Zuge der Diskussion rund um den Sportplatz eine solche Diskussion einmal gegeben. Damals war die Idee, neben dem derzeitigen Sportplatz einen neuen zu errichten, gemeinsam mit einem neuen Kindergarten. Dies war von den Gemeinderäten der NRL/FWG – die aufgrund von Befangenheit zweier UWR-Räte die Mehrheit hatten – aus finanziellen Gründen abgelehnt worden.

Entsprechend erbost zeigte sich auch Fuchs wegen dieses Vorwurfs. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Auch Florian Baumann (NRL/FWG) verwies darauf, dass es sich bei dem jetzigen Vorschlag von Fuchs um ein Tauschgeschäft und nicht um einen Grundstückskauf handle, dies sei ein großer Unterschied.

Wohnraum für
die Gemeinde

Zweiter Bürgermeister Magnus Steinmüller (UWR) konnte der Diskussion dennoch nichts abgewinnen. „Ich weiß nicht, was an diesem Bauantrag jetzt negativ zu bewerten ist und warum hier über Abschöpfung diskutiert wird“, meinte er. Für die Gemeinde entstehe hier Wohnraum. „Und wir wissen gar nicht, was die Eigentümer mit den Häusern vorhaben, vielleicht werden diese an Gemeindebürger verkauft oder vermietet.“

Schlussendlich gab der Bauausschuss mit einer Gegenstimme von Konrad Fuchs sein Einvernehmen für den Abriss und den Bau der fünf Häuser, die im Innenbereich liegen. Der Bau auf den beiden anderen Parzellen wurde abgelehnt.

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