Rechtmehring/Wasserburg/Soyen/Albaching – 300 Unterschriften von Mitgliedern waren notwendig, um die Tagesordnung der Generalversammlung um einen Punkt zu erweitern: Sogar 700 Unterschriften hat die Vorstandschaft der Interessengemeinschaft (IG) zur „Rettung der RSA-Bank“ gesammelt, um den Antrag des Vorsitzenden Sebastian Linner, Bürgermeister von Rechtmehring, durchzusetzen: Die RSA-Bank soll einem weiteren Prüfungsverband beitreten.
Misstrauen gegenüber
Prüfungsverband
Der Antrag untermauert das Misstrauen der Interessengemeinschaft gegenüber den Prüfern des Genossenschaftsverbands. Dieser hatte 2023 keine finanzielle Schieflage bei der RSA gesehen, 2024 aber wohl. Das bewertet die IG als Versuch, die RSA zum Sanierungsfall abzuwerten und in eine Fusion zu drängen. Die Kooperation mit der „meine Volks- und Raiffeisenbank Rosenheim“ wird als Hinweis gewertet, in welche Richtung es gehen könnte. Tatsache ist: In der Generalversammlung am heutigen Mittwoch, geht es nicht darum, diese Entscheidung wird erst 2026 erwartet.
Seit Frühjahr 2025, als zum ersten Mal von einer finanziellen Schieflage die Rede war, befindet sich das Geldinstitut in einer Krise. Der Vorstand wurde abgesetzt, eine neue Leitung mit externen Kräften beauftragt.
Als Grund für die Probleme nannte die Geschäftsführung der RSA-Bank die Tatsache, dass sich die Rahmenbedingungen verändert hätten, auch als Folge gestiegener Zinsen, sinkender Immobilienwerte und strengerer aufsichtsrechtlicher Anforderungen. Kredite müssten in puncto Sicherheit neu bewertet werden. Die Bank sei außerdem in den vergangenen Jahren zu schnell gewachsen.
Sanierungsfall trotz
Best-Ergebnis?
IG-Schriftführer Karl Fischberger weist auf Anfrage auf ein weiteres Thema hin: Die Gewinn- und Verlustrechnung 2024 weise ein vor Steuern ein Betriebsergebnis von 15 Millionen Euro auf, eine Steigerung gegenüber 2023 von zwei Millionen Euro, aber einen Jahresgewinn von null Euro. Gleichzeitig zahle die RSA-Bank vier Millionen Euro Steuern. Das passt auch nach Meinung von Linner nicht zusammen.
Grund für die als problematisch bewertete Lage seien anscheinend laut Prüfbericht Wertberichtigungen durch ausfallgefährdete Kredite, die als Verlust abgeschrieben würden, bisher nach Überzeugung der IG jedoch noch nicht ausgefallen seien. „Der ehrbare Kaufmann darf sich bei der Erstellung der Bilanz nicht reicher, aber auch nicht ärmer rechnen“, so Fischberger.
IG-Vorsitzender Linner unterstreicht ebenfalls, dass die Interessengemeinschaft die Frage umtreibe, warum die RSA-Bank trotz des besten Ergebnisses in 125 Jahren mit einem „Real-Gewinn“ von 15 Millionen Euro als „Sanierungsfall“ eingestuft werde.
Linner kündigt darüber hinaus an, dass die IG sich intensiv in der Generalversammlung einbringen will: Fragen stellen und auf Antworten pochen. „Wir wollen Erklärungen und Ehrlichkeit.“
Linner geht es als Bürgermeister von Rechtmehring – der Ort, an dem der Hauptsitz der RSA-Bank beheimatet ist – nach eigenen Angaben um mehr als nur um Zahlen. Die Bank sei nicht nur immer ein guter Gewerbesteuerzahler gewesen, sie habe auch mit ihrer Verankerung in der Region eine große Bedeutung für den ländlichen Raum. Linner befürchtet, dass als Folge einer möglichen Fusion mit einer großen Genossenschaftsbank Geschäftsstellen wegbrechen und die Versorgung vor Ort leiden könnten.
Die RSA hat auch Standorte in Albaching, Soyen, Wasserburg und München. Letzterer gilt als ungewöhnlich für eine kleine, ortsgebundene Genossenschaftsbank.
Externe Wirtschaftsprüfer
gewünscht
Die IG möchte außerdem, den Aufsichtsrat dazu beauftragen, den Jahresabschluss 2024 und die darin enthaltenen Wertberichtigungen durch ein externes Wirtschaftsprüfungsinstitut prüfen zu lassen. Linner sagt, das Vertrauen in die Prüfer des Genossenschaftsverbands sei „nachhaltig gestört“.
Der Verlauf der Versammlung wird also spannend, erwartet werden so viele anwesende Mitglieder wie nie zuvor in der Geschichte der Bank. Damit wirklich alle Platz haben, die sich für die Jahresbilanz 2024 interessieren, hat das Geldinstitut die Wasserburger Badria-Halle angemietet.