Vom Familienanwesen zum Krankenhausbau: Das „Hesseschlössl“ im Fokus

von Redaktion

Der neue Stadtbildkalender ist ab sofort erhältlich – November-Bild für 2026 zeigt Schloss Burgau

Wasserburg – Der neue Wasserburger Stadtbildkalender 2026 ist ab sofort erhältlich – in der Touristinfo Wasserburg, im örtlichen Buchhandel (Wasserburger Bücherstube, Buchhandlung Herzog, Buchhandlung Fabula) sowie in mehreren Geschäften (Gartner Versandprofi, Innkaufhaus, Wasserburger Markthallen). Versand- oder größere Mengenbestellungen nimmt das Stadtarchiv entgegen.

1899 erwarben Gustav (gestorben 1922) und Therese Hesse (gestorben 1919) das 1826 erbaute Gebäude, das später als „Hesseschlössl“ bekannt wurde. Gustav Hesse war Möbelfabrikant in Augsburg. Nach dem Tod des Ehepaares führten die Kinder den Besitz bis 1934 weiter. Eine besondere Verbindung zur abgebildeten Postkarte besteht über den Sohn Wilhelm Hesse (1888 bis 1960), der in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren im Haus lebte. Er nutzte die bereits zuvor entstandene Aufnahme Jahre später zur Korrespondenz mit einem Bekannten. Auf der Karte markierte er die auf dem Foto abgebildeten Personen – seine Familie im Garten sowie zwei Dienstmädchen, die aus einem Fenster im ersten Stock blicken. Den jungen Burschen, der seiner Mutter gerade bis zur Schulter reicht, kennzeichnete er mit einer dünnen Linie und dem Hinweis „meine Wenigkeit“. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Wilhelm etwa zwölf Jahre alt.

An Peter Schussmüller in Schwindkirchen schrieb er später – wohl Ende der 1910er-Jahre – nach einer gemeinsamen Unternehmung: „Bin ohne Unfall um 1 Uhr nach Hause gekommen, um bereits um 3 Uhr wieder im Café zu sein. Dort werde ich auch den größten Teil der Osterfeiertage verbringen.“ Nachdem Wilhelm Hesse nach 1922 seinen Erbteil am Augsburger Möbelhandel verkauft hatte, war er finanziell unabhängig und auf Einkünfte aus seiner ärztlichen Tätigkeit nicht angewiesen. Zeitzeugen beschrieben ihn als freigeistigen Lebemann und Bohemien – eine Einschätzung, die der Postkartentext durchaus unterstreicht. Autor Kai Kobe berichtet zudem, Hesse sei „bei den Bauern recht beliebt“ gewesen, da er Bedürftige kostenlos behandelt habe. Außerdem soll er seinem Freund Oskar Maria Graf den Anstoß zu dessen berühmtem Wasserburg-Roman „Bolwieser“ gegeben haben. Das Hesseschlössl selbst verschwand 1963 aus dem Stadtbild – es musste dem Bau des Kreiskrankenhauses weichen.

Artikel 1 von 11