Wasserburg will Inklusion leben

von Redaktion

Tourismusgespräch Angebote sollen sichtbar und auffindbar sein

Wasserburg – Beim dritten Wasserburger Tourismusgespräch im Pfarrsaal der evangelisch-lutherischen Kirche stand das Thema „Barrierefreiheit im Tourismus“ im Mittelpunkt. Veranstalter war der Tourismusverein Wasserburg e.V. Eingeladen waren Vertreter aus Tourismus, Stadtverwaltung, Politik, sozialen Einrichtungen und Kultur – ebenso interessierte Bürger, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollten.

Claudia Rahlf, Vorsitzende des Tourismusvereins, und Leon Sturm, Masterstudent der Geografie, eröffneten den Abend mit der Frage an alle Teilnehmer: „Was fällt Ihnen spontan zum Begriff Barrierefreiheit ein?“ Die Antworten zeigten schnell, dass Barrierefreiheit weit mehr bedeutet als Rampen und Aufzüge.

Sie umfasst bauliche Zugänglichkeit, Orientierung und Mobilität, digitale und sprachliche Verständlichkeit sowie soziale Teilhabe und eine offene Haltung im Umgang miteinander – kurz: Barrierefreiheit betrifft alle Lebensbereiche und weit mehr Menschen als man denkt.

Isabella Hren, Geschäftsführerin der Bayern Tourist GmbH, stellte in ihrem Impulsvortrag das bundesweite Projekt „Reisen für Alle“ vor. Das Kennzeichnungssystem bietet geprüfte und verlässliche Informationen zur Zugänglichkeit touristischer Angebote und schafft damit schon vorab Transparenz für alle Gäste. Hren betonte: „Barrierefreiheit ist für etwa zehn Prozent der Bevölkerung unentbehrlich, für 40 Prozent hilfreich – und für 100 Prozent komfortabel.“

Sie machte deutlich, dass barrierefreier Tourismus ein wachsendes Marktsegment mit großem gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Potenzial ist. Ihr Rat an Gastgeber: „Einfach mal anfangen.“ Städte wie Regensburg oder Nürnberg zeigen, dass das Projekt „Reisen für Alle“ auch für historische Orte geeignet ist.

Auch in Wasserburg gibt es bereits einige inklusive Angebote – etwa barrierefreie Hotelzimmer, Stadtführungen in einfacher Sprache und Freizeitangebote der Stiftung Attl. Auf der Landkarte des Projekts „Reisen für Alle“ ist bisher jedoch nur eine Stecknadel in Wasserburg zu finden – sie steht für die von der Gäste-Info angebotene und zertifizierte klassische Stadtführung.

Der Tourismusverein wollte mit dem Abend dazu anregen, dass mehr Betriebe und Einrichtungen bei „Reisen für Alle“ mitmachen – damit die vielen guten Angebote in Wasserburg auch gefunden werden und vielleicht weitere hinzukommen. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie Inklusion im Alltag gelebt werden kann, brachte der Verein Movinn Forward e.V. ein. Der junge, gemeinnützige Kulturverein engagiert sich seit seiner Gründung 2020 für die Verbindung von Sport, Musik und Gemeinschaft.

Neben der Pflege des neuen Skateparks am Badria organisiert Movinn Forward das inklusive Musik- und Skatefestival „Bums on Wheels“, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam feiern, auftreten und organisieren. Die barrierefreien Toiletten, die Rampe für Rollstuhlfahrer zur besseren Sicht auf die Bühne sowie das geschulte Awareness-Team stießen beim Festival auf große Resonanz.

Wasserburg verfügt bereits über viel Kompetenz – durch stärkere Vernetzung kann die Stadt noch mehr erreichen. Der Tourismusverein will künftig die verschiedenen Akteure aus Stadt, Wirtschaft, Vereinen und sozialen Einrichtungen enger zusammenbringen, um Barrieren gemeinsam weiter abzubauen. Ziel ist es, dass Wasserburg langfristig als Beispiel für gelebte Inklusion wahrgenommen wird – mit Angeboten, die nicht nur bestehen, sondern auch sichtbar und auffindbar sind.

Artikel 1 von 11