Wasserburgs Pläne und Proteste

von Redaktion

Vor 25 Jahren Neuer Archivar, Parkplätze und Tankstellengegner

Wasserburg – Eine Menge Arbeit wartete im November 2000 auf den neuen Wasserburger Stadtarchivar Matthias Haupt bei seinem Einstand. Ein Jahr vor der Fertigstellung des neu geplanten Stadtarchivs in der Kellerstraße galt es für ihn unter anderem, die Erschließung des gesamten historischen Bestandes voranzubringen und eine neue Satzung zur künftigen Nutzung des Archivs vorzustellen. Denn dieses sollte unter anderem künftig der Öffentlichkeit kostenpflichtig für private Recherchen zur Verfügung stehen.

Bücherbestand
untergebracht

Der Bücherbestand musste ebenfalls sachgerecht untergebracht werden, das Bildarchiv galt es räumlich einzugliedern, und auch jüngere Unterlagen der Stadtverwaltung sollten einen Platz finden.

Der damals 24-jährige Diplom-Archivar, von Bürgermeister Dr. Martin Geiger auch schon mal mit dem Titel ‚Archivdirektor‘ bedacht, hatte jedenfalls in Wasserburg gefunden, was er suchte: umfangreiche Bestände, den Neuaufbau eines systematischen Archivs und für später die Beratung der Nutzer sowie die Weiterentwicklung der gesamten Einrichtung.

Eine Gefahr, bei der damals nur mit viel Überstunden bewältigbaren Aufgabe, in dunklen Räumen zwischen alten Buchdeckeln zu verstauben, das sah der gebürtige Bremer und Jung-Wasserburger schon damals nicht. Die Liebe zur Musik und die dazugehörige Leidenschaft für Pop und Rock hatte er mitgebracht und pflegt diese auch heute noch.

Aber nicht nur der Neubau des Archivs beschäftigte den Stadtrat im Bereich Kellerstraße. 106 private Stellplätze sollten im Untergeschoss des alten und neuen Parkhauses Kellerstraße vergeben werden.

25000 Mark plus monatliche 20 Mark Nebenkosten sollte eine reservierte Fläche kosten, 5000 Mark mehr als die sonst übliche nur baurechtliche Ablöse für Stellplätze in der Altstadt. Nachdem die Baukosten kalkulierbar erschienen, entschloss sich der Stadtrat zu diesem Schritt in der Hoffnung, dass sich auch noch die in den letzten fünf Jahren in der Altstadt ablösepflichtig Gewordenen noch einkaufen würden. Dafür sollte der untere Teil des Parkhausbereichs mit Schranke von der restlichen öffentlichen Nutzung abgetrennt werden. Nachteil: Das Untergeschoss fiel damit aus der öffentlichen Förderung heraus.

Eine Widerstandsinitiative gegen die geplante Großtankstelle an der B304 bei Rottmoos gründete sich derweil.

Das Gelände sei zu schade für einen Autohof, war im Leserbrief eines unzufriedenen Burgauers zu lesen. 40 Bürger hatten sogar ein Protestschreiben an den Stadtrat gerichtet. Sie forderten darin die Aufhebung der im September 2000 grundsätzlich befürworteten Pläne, unter anderem insgesamt 24 Lkw-Stellplätze zu errichten.

Rangierende Lkws oder nächtlich lautstark brummende Kühlaggregate erschienen den unmittelbaren Nachbarn in Rottmoos, Kobl, Koblberg und der nördlichen Burgau als unzumutbare Lärm- und Abgasbelästigung.

Auch eine Verminderung der Lebensqualität wurde befürchtet, ebenso, dass ein solcher Autohof auch Prostitution oder Drogenhandel nach sich ziehen könnte. Darauf hätten erfahrene Fernfahrer hingewiesen.

Städtebauliche
Argumente

Auch städtebauliche Argumente wurden dagegen vorgebracht. Das Gelände dort sei schließlich eine Visitenkarte für Wasserburg, hieß es. Ganz anders sah es damals Robert Zeislmeier. Er wies die Argumente der Tankstellengegner zurück, das mit der befürchteten Prostitution sei ‚sogar persönlich beleidigend‘, meinte er. Vor allem gab der Wasserburger aber zu bedenken: „Wenn ich es nicht mache, kommt aber garantiert ein Konzern mit seinen Juristen. Und der nimmt keine Rücksicht.“

Artikel 1 von 11