Wasserburg – Für gewöhnlich enden die Berichte über die Schlacht der aufständischen Bauern mit der österreichischen Besatzungsmacht am Mittag des 23. November 1705 am Magdalenenberg mit dem Hinweis, dass sich die Bauern am Vorabend vor Weihnachten – parallel zum Aufstand von Sendling – nochmals auf diesem Platz versammelt und die kaiserliche Garnison in Wasserburg zur Übergabe aufgefordert hätten. Der Chronist Veichtmayr berichtet dazu aus den Aufzeichnungen der Pfarrei Schnaitsee, dass die Bauern jetzt sieben Kanonen und Mörser mitgeführt hätten.
Weiter kleine
Scharmützel
Wie sie in den Besitz dieser Geschütze gekommen waren, bleibt ein Rätsel. Zwar hätten die Bauern auf die Nachricht hin, dass auch der letzte noch gesicherte Platz Burghausen in die Hände der Kaiserlichen gefallen sei, von ihrem Vorhaben abgelassen, aber offensichtlich gab es trotz einer Abmahnung durch das Hochfürstliche Salzburgische Consistorium vom 5. Januar 1706 weiterhin kleine Scharmützel. Die Geistlichkeit sollte „das gemaine Volckh von disen gefährlichen und hechst schödtlichen unnd bluetigen Unndernembungen in- und ausser des Beichtstuehls vätterlich, unnd nachtrucklich dehortiren“ (abmahnen). So habe ein gewisser Meindl (Johann Georg Meindl, geboren 1682 in Weng im Innviertel, gestorben 1767 in Salzburg, als Karabinerkorporal in der Garde des Fürsterzbischofs) mit einem Trupp Bauern gegen Ende Januar die Österreicher in der Gegend von Wasserburg erneut angegriffen und ihnen drei Gefechte geliefert: Am 22. Januar siegte Meindl bei Kling, am 29. Januar bei Wasserburg, aber in der dritten Auseinandersetzung am 31. Januar, wiederum bei Wasserburg, wurde Meindl mit seiner Gefolgschaft geschlagen. Meindl war übrigens mit Georg Sebastian Plinganser, dem Anführer des Oberländer- und Unterländer Volksaufstandes, befreundet, den er am Jesuitengymnasium in Burghausen kennengelernt hatte. Als Strafe für den Bauernaufstand musste die Bevölkerung 1706 sechs Untertanen-Steuern zahlen.
Die Bedrängnisse während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701 bis 1714) haben ihren Niederschlag einerseits in den Eintragungen der Mirakelbücher verschiedener Wallfahrtsorte gefunden, aber auch in einigen wenigen Gelöbnistafeln. So hatte sich die Stadt Wasserburg schon 1704 zur „Maria am Moos“ in Halfing verlobt: „Es Hat sich ein Andechtige Gemeindt Und Burgershafft der Loblichen Statt Wasserburg zu der Wunderthättigen Bildnuß der Allerseligisten Jungfrau, und Him(m)els Königin Muetter Gottes Maria alhier hero nacher Halfing mit einen Zeitlichen gelübt eines jährl(ichen) kreuzgangs, dan aufopferung einer grossen Waxkerzen im Jahr 1704. Verlobet und um bis heint hero trostreicher Hülff bei sonderbar gefährlichen kriegsleuffen, sich in Maria Jungfreiiliche gnad: Und Schuzmantl sambt der ganzen Statt Wasserburg fernershin underthenig vertrautist anbetensehen und auf einer aigenen Votivtaffl danckh schuldigist ihr Marianish(e) (…) treue bezeigen wollen. 1782“
Das großformatige Votivgemälde zeigt betende Frauen und Männer in barocker Tracht, Englein, die ein Tuch mit der Ansicht Wasserburg ausbreiten, darüber schweben das Gnadenbild und die Dreifaltigkeit. Bomhard gibt 1964 als Entstehungszeit das Jahr 1708 an, heute steht 1782 auf dem Gemälde, wobei sich dieses Datum vielleicht auf eine Renovierung bezieht. Ein zweites Zeugnis dieser Kriegsnöte steht heute als Seitenaltar in der kleinen Kirche von Meilham. Es soll sich um einen ehemaligen Hausaltar aus einer der Wasserburger Privatkapellen handeln, wobei die Quelle für diese Angabe unbekannt ist. Das Hauptbild zeigt das Gnadenbild von Kirchreit, wohin sich die Wasserburger ebenfalls verlobt hatten, wie eine Inschrift auf einem Votivbild von 1734 besagt, dass es „zum Dank für seit 100 Jahren erhaltene Gnaden und Schutz vor ansteckende Krankheiten, Feuer u. Wassergefahr, so wie vielen andern Uebeln des Leibes u. der Seele“ gestiftet worden sei. Das Oberbild mit den Sieben Zufluchten verweist auf Eiselfing, wo eine entsprechende Bruderschaft 1696 gegründet worden war. Beide Darstellungen lassen also die Herkunft des Altares aus Wasserburg plausibel erscheinen.
Dank für glückliche
Heimkehr des Kurfürsten
Der Text unter dem Gnadenbild lautet: „O Muetter eill und hilff behendt / Pest Krieg deirüng von unß wendt, vom Feindt beschiz daß vatter lantt / Reich ünß dein dreie handt.“ (1710)
Letztlich ist auch die Max-Emanuel-Kapelle am Gries, die zum Dank für die glückliche Heimkehr des Kurfürsten aus dem Exil im Jahre 1715 errichtet wurde, ein sekundäres Erinnerungsmal an den Spanischen Erbfolgekrieg.