Haag/Pfaffing/Forsting – Sie starten weiter durch: Nachdem Simon Felber (30) und Dominic Wright (31) erst vor wenigen Jahren das Unertl Bräustüberl in Haag übernommen hatten, kam heuer noch das Bräustüberl-Zelt beim Haager Herbstfest dazu. Nun geht es für die beiden gemeinsam mit Marcel Kowalski (30) nach Pfaffing.
Hier übernahmen Felber und Wright als Pächter am Montag, 10. November, den Brauerei-Gasthof Gut Forsting. Es ist der zweite Neubeginn in kurzer Zeit. Erst zum Jahreswechsel hatte sich die Pächterfamilie Luger nach 51 Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen.
Privatkoch der Fußballstars hat aufgehört
Zum Jahreswechsel hatte dann Franz Fiedler, ehemaliger Privatkoch einiger Bundesliga-Fußballstars, übernommen. Aus unterschiedlichen Gründen, erzählt Brauereichef Georg Lettl, habe sich der Pächter aber gezwungen gesehen, zum 13. Oktober die Gaststätte aufzugeben. „Wenn es nicht passt, dann passt es halt nicht“, so Lettl.
Nun dürfen also die Jungs des Bräustüberls in Haag ran. Brauereichef Lettl zeigt sich auf Anfrage hocherfreut über die Entwicklung. „Sie haben bereits Erfahrung. Sie wissen also, wie es läuft“, sagt Lettl. Auch beim Haager Herbstfest hätten die beiden ihn beeindruckt. Zum ersten Mal habe dort die Privatbrauerei Gut Forsting mit Felber und Wright zusammengearbeitet. „Und sie haben das Zelt perfekt geführt.“
Bei dieser Gelegenheit seien auch schon die ersten Gespräche über einen möglichen Einstieg in den Brauereigasthof in Forsting geführt worden. Entsprechend froh sei er, dass die Übernahme so schnell geklappt habe. „Das ist wirklich ein Glücksfall“, so Lettl.
Neu-Pächter Felber bestätigt, dass er und Wright den Traditionsgasthof an der B304 schon auf dem Schirm gehabt hätten. Als das Haus frei wurde, „haben wir beschlossen: Wir machen das“. Denn das Wirtshaus biete vielfältige Chancen: für größere Veranstaltungen und für das Catering. Reizvoll sei auch die Tatsache, dass ein Hotel dazu gehöre. Felber und Wright sind jetzt also auch Hoteliers.
Das erfahrene Personal werde komplett übernommen. Und es gehe zurück zu den Wurzeln des Gastronomiebetriebes in Forsting: zu bodenständiger bayerischer Küche. „Zurück zu den Basics“, charakterisiert Felber den Weg, den er gemeinsam mit Wright bestreiten will. Im Brauereigasthof soll es beispielsweise auch wieder die bekannte Schlachtschüssel geben.
Denn es gelte in puncto Nachhaltigkeit, ein geschlachtetes Tier möglichst komplett zu verwerten. Nicht auszuschließen sei, dass sogar die hauseigene Metzgerei für den Eigenbedarf wieder eröffnet werde. Doch zum Start gehen es die beiden Pächter erst einmal langsam an: mit einem „soft opening“. „Wir haben großen Respekt vor der neuen Aufgabe“, sagt Felber.
Die neuen Pächter bekommen Unterstützung von Geschäftsführer Marcel Kowalski. Er ist bereits seit Februar vor Ort, war beim Vorgänger-Pächter für das Hotel-, Personal- und Veranstaltungsmanagement zuständig. Jetzt ist ihm die gesamte Geschäftsführung übertragen worden. Außerdem ist Kowalski der Wirt des neuen, alten Gasthofes Gut Forsting. Diese Rolle will er nach eigenen Angaben intensiv ausfüllen, das heißt für ihn: also präsent sein im Gastraum, „unter die Leute gehen“.
„Das hier ist meine Welt“, sagt der 30-Jährige, der sich nach eigenen Angaben gerne zum Stammtisch dazusetzt und mit den Gästen ratscht. Der Hotelfachmann hat vorher im Kempinski-Hotel am Flughafen München gearbeitet und hier wertvolle Erfahrungen für die Karriere gesammelt. Er sagt aber: „Das bin ich eigentlich nicht.“ Im Forstinger Gasthof blühe er auf, hier könne er persönliche Kontakte mit den Gästen aufbauen. Deshalb hat es ihn auch sehr gefreut, „dass die Jungs vom Haager Bräustüberl mich gefragt haben, ob ich nicht die Geschäftsführung und die Rolle des Wirts übernehmen mag“.
Ratschen statt
aufs Handy starren
Kowalski wird ein musikalischer Wirt sein, denn er spielt in der bekannten Party-Band „Bayern-Rocker“, tritt auch als Einzelkünstler auf, hat schon drei CDs herausgebracht. Sein Metier: moderne Schlager. Im vergangenen Sommer hat er bereits mit seiner Harmonika im Biergarten unterhalten.
Das kommt an bei den Gästen, weiß er. Die Sehnsucht nach einem Gasthof, in dem die Wirtstradition noch hochgehalten werde, sei groß bei den Menschen, hat er in den vergangenen Monaten festgestellt. „Wir haben derzeit wilde, turbulente Zeiten. Ich stelle fest, dass sich viele nach einem gastfreundlichen Ort für wirkliche persönliche Kontakte sehnen. Und es ist schön, zu sehen, dass hier die Gäste noch am Tisch beisammensitzen und sich unterhalten, statt nur noch ins Handy zu starren.“
Gut Forsting sei unter Lore Luger für viele eine Art zweites Wohnzimmer gewesen. So solle es weiter sein. Wichtig seien deshalb auch die Stammtische. Und dass sich Gäste, die täglich oder wöchentlich auf ein Bier vorbeikämen, wohlfühlen würden.