Landkreis Mühldorf/Ampfing/Mettenheim – Stromausfälle, Cyber-Angriffe, überlastete Netze – das Szenario eines flächendeckenden Stromausfalls ist keine ferne Fiktion mehr, wie man unlängst in Portugal und Spanien sehen konnte. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beobachtet seit Monaten einen deutlichen Anstieg gezielter Cyber-Attacken auf Energieversorger und kritische Infrastrukturen.
Um für solche Situationen gewappnet zu sein, probten auch die Gemeinden im Landkreis Mühldorf erstmalig so einen Ernstfall. Bei einer groß angelegten Brownout-Übung – also einer geplanten, zeitweisen Stromabschaltung, die helfen soll, einen unkontrollierten Blackout zu verhindern – testeten Ampfing und Mettenheim am Freitag, wie gut ihre SOS-Punkte funktionieren und wie stabil die Kommunikation im Krisenfall bleibt.
Fiktiver Angriff auf die Bayernwerk AG
Ausgangspunkt war ein fiktiver Cyber-Angriff auf die IT-Systeme der Bayernwerk AG. Der Krisenstab im Landratsamt Mühldorf nahm am Vormittag die Arbeit auf. Von dort aus wurden Lagebilder gesammelt, Entscheidungen getroffen und die Gemeinden koordiniert.
Schnell wurde deutlich, was ein Stromausfall bedeuten kann. Florian Seemann, Technischer Leiter des Katastrophenschutzes und erfahren in der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal, betonte einen kritischen Schwachpunkt: „In einem solchen Fall kann gerade die Abwassersituation schnell zum Problem werden, besonders wenn es zusätzlich noch regnet, da die Pumpen auf Strom angewiesen sind.“
Zu diesem Zweck haben die Gemeinden mobile Notstromaggregate angeschafft. Doch auch diese haben Grenzen, wie Dr. Benedikt Burkardt, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, ergänzte: „Ohne Strom geben Tankstellen keinen Diesel für die Aggregate aus. Das wird im Ernstfall zu einer logistischen Herausforderung.“
Jeder Bürger bleibt
für sich verantwortlich
Im Kulturhof Mettenheim wurde in der Zwischenzeit einer der SOS-Punkte aufgebaut – eine zentrale Anlaufstelle, die der Bevölkerung im Notfall Informationen, Unterstützung und die Möglichkeit bietet, Notrufe abzusetzen. Ein Transparent mit Piktogrammen weist auf die wichtigsten Angebote hin.
Kreisbrandinspektor Werner Hummel betonte: „Der SOS-Punkt ist eine schnelle Hilfe für die Menschen, aber jeder Bürger bleibt für sich selbst verantwortlich.“ Insbesondere die Ausstattung dürfe nicht überbewertet werden: „Mit zehn Feldbetten können wir keine umfassende Versorgung sicherstellen. Das ist kein Hotelbetrieb – hier geht es ums kurze Ausruhen oder um Erste Hilfe.“
Mettenheims Bürgermeister Josef Eisner lobte das Engagement der Einsatzkräfte und wies auf die Investitionen hin, die die Gemeinde bereits getätigt habe: „Wir haben viel Geld in Notstromaggregate und Ausrüstung gesteckt. Um die Infrastruktur weiter zu verbessern, brauchen wir aber langfristig Unterstützung vom Freistaat.“
Währenddessen arbeitete der Ampfinger Krisenstab im Rathaus unter der Leitung von Dr. Marcel Huber an vier zentralen Bereichen: dem Betrieb des SOS-Punkts am Schulzentrum, der Sicherung kritischer Infrastruktur, der Kommunikation und der Funktionsfähigkeit des Stabs. Eine Besonderheit war die simulierte Schließung des Ampfinger Tunnels (Einhausung Wimpasing). Bei einem Stromausfall würde dieser automatisch schließen – ein Szenario, das für zusätzlichen Verkehrsdruck sorgt.
Die Kommunikation über Satellitentelefone und BOS-Funk funktionierte zuverlässig, ebenso die Notstromversorgung. Bürgermeister Josef Grundner hob hervor, wie wichtig Transparenz bei solchen Übungen sei: „Wir haben im Vorfeld überall angekündigt, was wir heute tun. Die Menschen sollen wissen, dass wir offen arbeiten und uns gut vorbereiten.“
Blackout erfolgreich abgewehrt
Am Ende des Übungstages zeigte sich auch Landrat Max Heimerl zufrieden: „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Aber wir haben heute gesehen, dass die Gemeinden im Landkreis gut aufgestellt sind.“ Trotzdem sei die Bevölkerung selbst ein wichtiger Teil des Ganzen: „Es geht nicht ums Preppen, sondern um vernünftige Vorbereitung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt Vorräte für etwa zehn Tage und eine einfache, stromunabhängige Grundausstattung. Schauen Sie auch nach älteren Nachbarn, bieten Sie Unterstützung an, wenn jemand Hilfe braucht, und halten Sie miteinander Kontakt.“ Als um 19 Uhr der letzte Punkt der Übung abgehakt wurde, kam aus dem Funkgerät die Ansage, die alle Beteiligten aufatmen ließ: „Der Blackout konnte erfolgreich abgewehrt werden.“ Dieser fiktive Funkspruch steht sinnbildlich dafür, dass die Abläufe grundsätzlich gut funktionieren. Doch wichtig ist eben auch: Eine gute Vorbereitung lebt nicht nur von Behörden und Einsatzkräften – sondern muss durch die persönliche Eigenvorsorge der Bürger ergänzt werden.