Gegen den lästigen Sound des Herbstes

von Redaktion

Diskussion um Einsatz von Laubbläsern – Bund Naturschutz befürwortet Beschränkung

Wasserburg – Es ist Herbst. Überall fliegen und liegen bunte Blätter herum. Zumindest bis jemand mit dem Laubbläser kommt und sie wegpustet, zusammenkehrt und entsorgt. Dieses Prozedere ist allerdings umstritten. Die Städte Zürich (Schweiz) und Graz (Österreich) haben den Gebrauch deswegen mittlerweile eingeschränkt oder sogar ganz verboten. Der Bund Naturschutz Wasserburg steht hinter dem Vorstoß – und kann sich das auch für die Innstadt vorstellen.

„Gerade Wasserburg ist eine moderne und umweltbewusste Stadt geworden“, sagt Max Finster, Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz in Wasserburg.

Nährstoffe
für Gehölze

Eine Einschränkung der Betriebszeiten oder sogar ein vollständiges Verbot der besonders lauten und leistungsstarken Benzinbläser wäre ihm zufolge gut. „Das hat nichts mit einer Überregulierung zu tun, sondern ist angesichts der aktuellen Umweltsituation mehr als vernünftig und geboten“, betont Finster.

Denn Laub sei für Flora und Fauna von großer Bedeutung. „Es trägt zur natürlichen Humusbildung bei und liefert wertvolle Nährstoffe für die Gehölze“, erklärt der Vorsitzende. Deshalb sollten laut Finster auch nur große und überschüssige Mengen, die nicht mehr unter die Sträucher und Bäume passen, entsorgt werden. „Oftmals ist die Laubdecke auch ein wichtiger Winterschutz für Pflanzen und die bunte Insektenvielfalt, die darunter überwintert“, sagt er. Tiere wie der Igel oder der Siebenschläfer brauchen das Laub nach seinen Angaben außerdem als Winterquartier.

Finster zufolge steht der Bund Naturschutz Wasserburg hinter der Entscheidung der Stadt Zürich, den Gebrauch von Laubbläsern zumindest stark einzuschränken. Möglich machte das Ganze eine Änderung der Lärmschutzverordnung, wie der Wasserburger Vorsitzende erklärt. „Diese Anpassung war aus Umwelt-, aber auch aus gesundheitlichen Gründen richtig“, betont Finster.

Denn nicht nur für Umwelt und Tiere seien die Geräte eine Belastung. „Laubbläser sind extrem laut und nervig, wirbeln Feinstaub und Pilzsporen auf und sind deshalb auch für den Menschen nicht gesund“, sagt Finster.

Der Bauhof Wasserburg nutzt Laubbläser jedoch häufig. „Die Geräte sind das ganze Jahr im Einsatz, vor allem im Herbst und zum Reinigen der Straßen nach größeren Veranstaltungen“, erklärt Andreas Hiebl, Sprecher der Stadt Wasserburg, auf Anfrage der Wasserburger Zeitung. Hauptsächlich verwende der Bauhof den Laubbläser für befestigte Flächen, oft auch gemeinsam mit der Kehrmaschine. „Mit den Laubbläsern wird der Schmutz von den Flächen geblasen, die von der Kehrmaschine nicht direkt erreicht werden“, erklärt Hiebl weiter.

Die Flächen ausreichend zu reinigen, ist wichtig für die Sicherheit in Wasserburg. Denn die Kommune, und in diesem Fall der Bauhof, sind dafür zuständig, die öffentlichen Verkehrswege zu sichern. „Während im Privatbereich oft nur kleinere Flächen gereinigt werden, muss der Bauhof also regelmäßig Tausende von Quadratmetern säubern“, betont der Sprecher. Hiebl weiß auch, dass der Bauhof inzwischen vor allem akkubetriebene Laubbläser verwendet. „Bei Neuanschaffungen wurde und wird zudem auf möglichst geringe Lautstärke geachtet“, sagt er. Gute Alternativen zum klassischen Laubbläser sind Hiebl nicht bekannt.

Statt mit den Laubbläsern könnten die Flächen aufwendig mit dem Besen gekehrt werden. „Das dauert natürlich deutlich länger“, betont Hiebl. Und da Personal nur begrenzt zur Verfügung stehe, würden einige Flächen dann wohl nur noch selten gereinigt.

Für den privaten Gebrauch hat Max Finster vom Bund Naturschutz Wasserburg allerdings Alternativen. So könne man einen Laubrechen oder einen guten Laubbesen verwenden. „Diese Geräte machen keinen Lärm, verschmutzen nicht die Atemluft und tragen sogar zur körperlichen Fitness bei“, sagt er.

Am besten sei es aber natürlich, das Laub – wenn möglich – liegenzulassen. „Die Natur benötigt störungsfreie Laubdecken und Laubhaufen, das war schon immer so“, betont Finster.

Wichtig für
Vögel und Igel

Angesichts der angeschlagenen Biodiversität sei es allerdings nun wichtiger denn je. „Bitte sich einfach bewusst vornehmen, das Laub im Garten bis zum Frühjahr liegen zu lassen. Auch wenn unser Ordnungssinn rebelliert“, sagt er.

Für viele Pflanzen, die Wintervögel, zahlreiche Kleinlebewesen und vor allem für den Igel sei das besonders wichtig.

Verbote und Einschränkungen

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