Amerang – Wenig Kritik und viel Zustimmung: Bei den Bürgerteilversammlungen in Amerang, Evenhausen und Kirchensur wurde Bilanz gezogen.
Zufriedene Bürger, wachsende Gemeinde und solide Finanzen – so lautet die Kurzfassung der Stimmungslage bei den Ameranger Bürgerversammlungen.
Quasi vor Ort informierte Bürgermeister Konrad Linner die Ameranger, Evenhausener und Kirchensurer über die allgemeine Gemeindeentwicklung, soziale Themen und die Gemeindefinanzen. Und tatsächlich hatte der Rathauschef viel Positives zu berichten. Dementsprechend gab es im Anschluss auch nur wenige Wortmeldungen und kaum Kritik.
Wahrgenommen als
attraktiver Lebensort
Ein Blick auf die aktuellen Gemeindedaten zeigt, dass Amerang als attraktiver Lebensort wahrgenommen wird. Die Einwohnerzahl stieg von 3.739 im Jahr 2024 auf 3.840 zum 1. November.
Dieses kontinuierliche Wachstum spiegelt sich auch in der Bildungslandschaft wider. Mit der Neueröffnung des Hauses für Kinder wurden zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen. Allerdings musste laut Bürgermeister Linner aufgrund der angespannten Personalsituation die Hortbetreuung eingestellt werden, was den Wegfall der langen Buchungszeiten bis 17 Uhr und der Ferienbetreuung zur Folge hatte.
Dennoch bleibt das Betreuungsangebot breit: In den drei Einrichtungen – dem Haus für Kinder in Amerang, der Kita St. Peter und Paul in Evenhausen sowie dem Kinderhaus Sonnenblume – werden derzeit insgesamt 142 Kindergartenkinder und 40 Krippenkinder betreut.
Die Grundschule Amerang besuchen im Schuljahr 2025/26 insgesamt 214 Schüler, davon 149 aus Amerang und 65 aus Schonstett. Die Schulsozialarbeit wurde angesichts steigender Anforderungen auf 15 Stunden pro Woche ausgeweitet. Zudem wurde Susanne Landinger zur neuen Konrektorin ernannt. Immer größer werde die Nachfrage nach Mittagsbetreuung, so Linner. In Amerang nutzen derzeit 37 Kinder die Langgruppe bis 15.30 Uhr und 73 Kinder die Kurzgruppe bis 14 Uhr. Auch das Angebot der Mittagsverpflegung wurde ausgebaut: Wöchentlich werden 126 Essen in Amerang und 47 Essen in Schonstett ausgegeben. Insgesamt gesehen laufe die Kinderbetreuung und auch die Übernahme der Trägerschaft durch den Awo-Kreisverband Rosenheim reibungslos, betonte Linner.
Nach dem Neubau des Hauses für Kinder und Vereine wartet nun bereits die nächste Aufgabe: Mit Blick auf die ab 2026 verpflichtend werdende Ganztagsbetreuung laufen die Planungen bereits auf Hochtouren. Im Ameranger Schulhaus sollen dafür die früheren Vereinsräume zu Betreuungsbereichen umgestaltet werden. Außerdem ist der Einbau einer Ausgabeküche vorgesehen, ebenso wie die Mitnutzung der Aula.
Da das bestehende Glasdach weder wärmetechnisch noch akustisch den Anforderungen genügt, soll es ersetzt werden. Zusätzlich ist eine neue Möblierung notwendig. Die Kosten der Gesamtmaßnahme werden auf rund 560.000 Euro geschätzt; in welcher Höhe Fördermittel fließen, ist derzeit noch offen.
Auch der Blick über den Tellerrand auf den Mittelschulverband Eiselfing zeigt stabile Verhältnisse: 55 Ameranger Schüler besuchen derzeit die Mittelschule Eiselfing, die mit insgesamt 131 Kindern laut Linner stabile Klassenstärken aufweist.
Erfreulich positiv stellt sich weiterhin die finanzielle Lage der Gemeinde dar. Trotz unsicherer gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen sprudeln die Steuereinnahmen in Amerang weiterhin kräftig. Besonders auffällig ist die Entwicklung der Gewerbesteuer: Mit prognostizierten neun Millionen Euro liegt sie deutlich über dem Haushaltsansatz von fünf Millionen Euro.
Einkommen- und
Grundsteuer
Eine zweite tragende Säule der Gemeindefinanzen ist die Einkommensteuerbeteiligung, die sich bei rund drei Millionen Euro stabilisiert hat. Weitere bedeutende Einnahmequellen sind die Grundsteuer B mit etwa 620.000 Euro, die Umsatzsteuer mit rund 329.000 Euro sowie Zuschüsse zur Kinderbetreuung mit etwa 1.128.700 Euro.
Auf der Ausgabenseite fallen besonders ins Gewicht: die Gewerbesteuerumlage mit rund 1,6 Millionen Euro, die Kreisumlage mit etwa 4.516.900 Euro, die Schulverbandsumlagen mit rund 248.000 Euro, Kinderbetreuungskosten mit knapp zwei Millionen Euro – die Gemeinde muss damit rund 850.000 Euro aus Eigenmitteln finanzieren – und Personalkosten mit etwa 1,4 Millionen Euro.
Einnahmen aus
Verkäufen und Beiträgen
Im Vermögenshaushalt erwartet die Gemeinde circa 500.000 Euro aus Grundstücksverkäufen und Erschließungs- und Kanalbeiträgen in Höhe von etwa 800.000 Euro sowie eine erhöhte Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt.
Dies ermöglicht Investitionen, beispielsweise in diverse Tiefbaumaßnahmen. „Die finanzielle Gesamtsituation kann also durchaus als komfortabel bezeichnet werden“, freute sich Linner.
Die allgemeine Rücklage dürfte zum Jahresende bei rund zehn Millionen Euro liegen, die Kanalrücklage bei 63.000 Euro. Demgegenüber stehen Schulden in Höhe von etwa 4,43 Millionen Euro.