Berufsorientierung auf Schienen

von Redaktion

Im Zug zum Traumjob: Beim IHK-Bildungsexpress haben Schüler die Möglichkeit, Berufe kennenzulernen

Mühldorf – Der Bildungsexpress der IHK München und Oberbayern rollte erneut von Gleis 1 des Mühldorfer Bahnhofs los. Erstmals mit dem Ziel Regensburg. Der Geschäftsführer der Mühldorfer IHK-Geschäftsstelle, Herbert Prost, freute sich über rund 500 Mitreisende.

Während der Fahrt hatten die Schüler viel Zeit, um mit Auszubildenden und Ausbildern zu sprechen und sich über Berufe zu informieren. Diese Zeit war auch nötig, dann drei Firmen stellten rund 100 Berufe vor.

Am Ende der Fahrt konnten die jungen Menschen bei einem Gewinnspiel unter anderem ein iPad sowie zwei Eintrittskarten für ein Heimspiel des FC Bayern München gewinnen.

Moderne Ausbildung
im öffentlichen Dienst

Bei der Vertretung des Landratsamtes war unter anderem die Auszubildende Anna-Lena Gaudig im Einsatz, die im dritten Lehrjahr zur Verwaltungsfachangestellten ist.

Anna-Lena erzählte von Projekten für Auszubildende: „Wir haben schon Bäume gepflanzt, besuchten den Wildpark Oberreith und einen Escaperoom. Ebenso waren wir in Berlin und dort mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer unterwegs. Er hat uns zum Beispiel den Bundestag gezeigt.“

„Bei uns ist die Ausbildung nicht ‚verstaubt‘, sondern sehr modern, wir setzen auf Teambildung, bieten flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten – außer bei Straßenwärtern“, ergänzte Landrat Heimerl. „Unsere Arbeitsplätze sind krisensicher, daher haben wir in schwierigen Zeiten wie diesen auch mehr Bewerbungen.“ Auf Anregung der Auszubildenden habe das Landratsamt auf umweltfreundliches Papier umgestellt.

„Sie sind uns sehr wichtig, unsere Azubis“, betonte Heimerl. „Unser Landkreis ist wirtschaftlich sehr stabil.“ Das Wachstum liege im Landkreis bei rund fünf Prozent, in Oberbayern im Schnitt bei zwei Prozent. Auch die Bevölkerung wachse enorm, habe in den vergangenen zehn Jahren bereits um zehn Prozent zugenommen und werde laut Prognosen in den nächsten zehn Jahren um weitere zehn Prozent wachsen. Heimerl schilderte Emma Kozel (15) aus Aschau, die die Mittelschule in Ampfing besucht, die Möglichkeiten im Landratsamt: „Verwaltungsfachangestellte ist einer von drei Ausbildungsberufen bei uns, daneben werden noch Straßenwärter und IT-Fachleute ausgebildet. Das Landratsamt ist vielseitig“, umfasse Medizin im Gesundheitsamt, Tiere im Veterinäramt, Soziales im Jugend- und Sozialamt, Bauamt, Presse und Social Media. Sandra Klozik präsentierte im Zug die Nitrochemie Aschau: „Wir suchen Elektroniker für Automatisierungstechnik und Chemikanten für das Lehrjahr 2026/27 und hoffen auf technik- und chemieorientierte Bewerber.“

Das Unternehmen brauche auch Chemielaboranten, Industriemechaniker und Industriekaufleute, stelle pro Jahr und Beruf zwei bis drei Auszubildende ein. Martina Moser, Birgit Lanzinger und Martina Buchner vom Berufsschulzentrum (BSZ) Mühldorf warben für die Berufe Bäcker, Bäckereiverkäufer und Konditor. Hier gebe es auch bei den Lehrlingen eine gute Bezahlung sowie bei entsprechendem Fleiß ein „Berufsabitur“, das man ebenso erwerben kann wie den Meistertitel.

Martha Heistinger, ebenfalls vom BSZ, warb für den Beruf „Hauswirtschafter“, der zum Beispiel in Seniorenheimen oder Krankenhäusern gesucht werde. „Der Bedarf wird größer und der Beruf ist sehr abwechslungsreich.“ Gegen 17 Uhr rollte der Zug wieder in den Mühldorfer Bahnhof. Zeit für ein Fazit von den 15-jährigen Mühldorferinnen Sophia Thumm und Carolin Nicklbauer, die die Maria-Ward-Realschule in Altötting besuchen: „Wir wollten mehr über den Beruf erfahren, den wir schon kennen und herausfinden, ob er uns gefällt. Man bekommt hier sehr viele neue Informationen.“

Sophia hat jetzt ein Praktikum als Bürokauffrau in Aussicht, Carolin eines als Bäckerin beziehungsweise Konditorin. Auch Emma Kozel war mehr als zufrieden: „Ich habe drei Praktika vereinbart – im Metallbereich, als Schreinerin und im sozialen Bereich.“

„Der IHK-Bildungsexpress ist mir sehr wichtig“, bilanzierte Landrat Heimerl. „Er ist eine ‚geballte Konstellation‘, um Firmen und Azubis zusammenzubringen. Die Zugfahrt ist etwas Besonderes und bietet Zeit zum intensiven Austausch.“

Einmaliges Projekt
in ganz Deutschland

SOB-Chefin Obermayer ergänzte: „Ich freue mich wie jedes Jahr wieder und bin stolz, dass die Südostbayernbahn den IHK-Bildungsexpress fahren darf. Wir sind ebenfalls ein großer Ausbildungsbetrieb und stellen 15 bis 17 Azubis pro Jahr ein. Ich sehe im Zug, ob die hier eingesetzten Azubis für die SOB ‚brennen‘.“

Auch IHK-Geschäftsstellenleiter Prost freute sich über eine erfolgreiche Fahrt: „Der Zug war brechend voll, die Unternehmen begeistert. Es war eine Win-win-Situation: Die Firmen wollen gute Nachwuchskräfte generieren, die Schüler suchen in vertrauter Umgebung einen Beruf, der für sie passt. Der Bildungsexpress ist ein einmaliges Projekt in ganz Deutschland.“ Auch nächstes Jahr gehe es wieder nach Regensburg – am Samstag, 7. November 2026.

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