nachruf

von Redaktion

Obing – „Erinnert euch und lächelt über so manch gewesenen schönen Augenblick“, ist auf dem Sterbebild von Katharina Thusbaß geschrieben. Schöne Augenblicke gab es bestimmt viele in dem langen Leben der Brandhuber Kathi, wie sie überall genannt wurde.

Als eine liebevolle, gesellige und humorvolle Frau war sie immer gerne gesehen. Viel Freude hatte die Kathi an den wöchentlichen Treffen mit ihren Nachbarinnen, wo dann mit Leidenschaft „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt wurde. Das Ratschen und sich Unterhalten war für sie aber noch viel wichtiger als das Spielen. Leider wurden diese geselligen Treffen wegen der Corona-Bestimmungen eingestellt. Für die gesellige Brandhuberin waren die Corona-Einschränkungen eine sehr einschneidende Auflage. Nach sechs Wochen reichte es ihr und ihre Worte waren: „Lieber bekomm ich Corona, als dass ich einsam zu Hause bleibe.“ Das Risiko zu erkranken nahm sie in Kauf und war wieder zum Einkaufen unterwegs.

Nicht fehlen durften in ihrem Alltag der Besuch des Obinger Marktes und des Bauernhiagstes in Kleinbergham. Regelmäßig ging sie zu den Altennachmittagen und war auch dabei, als in Obing die Tagespflege Weber im ehemaligen Kufnerhaus eröffnet wurde. Ein richtiger Segen war diese Einrichtung für sie. Kathi Thusbaß freute sich immer auf die Abwechslung, wenn es montags, mittwochs und freitags nach Obing ging.

So auch am 7. November: Der Tag begann wie immer und Kathi Thusbaß machte sich für die Tagespflege zurecht, konnte es kaum erwarten, bis sie abgeholt wurde. Ihr war es immer wichtig, dass sie schön gekleidet war und die Frisur passte. Auf ihr Äußeres legte sie immer sehr großen Wert.

Keiner ahnte, dass dieser Tag, der so schön begonnen hatte, ihr Sterbetag werden sollte. Den Vormittag über verbrachte sie eine lustige Zeit, ratschte mit den Anwesenden und freute sich darüber. Gegen Mittag wollte sie nach Hause, weil es ihr nicht so gut ging und am frühen Nachmittag ging für Kathi auf ihrem geliebten Sofa das Leben zu Ende.

Als Katharina Thurner kam sie am 3. Februar 1937 auf dem Bauernhof in Herzog im Feld zur Welt. Sie war das jüngste Kind von Katharina und Sebastian Thurner. Zusammen mit ihren Schwestern Vera und Erna und dem Bruder Adolph wuchs sie am elterlichen Hof auf und besuchte die Schule in Obing.

Gerne hätte sie einen Beruf erlernt, Verkäuferin oder Kassiererin wäre ihr Wunsch gewesen, denn Mathe lag ihr besonders, aber das war zur damaligen Zeit nicht üblich, sie musste auf dem elterlichen Hof mitarbeiten.

Bei einer Tanzveranstaltung in Kienberg lernte das lebensfrohe Mädel vom Hiaze (Herzog im Feld) ihren späteren Mann Oskar Thusbaß aus Ilzham kennen. Am 23. November 1959 heirateten die beiden in Obing und bewirtschafteten gemeinsam die Landwirtschaft in Ilzham, bauten sie aus und vergrößerten sie.

Fast 66 Jahre lebte sie in Ilzham. Vier Kindern, Oskar 1960, Otto 1961, Robert 1963 und Karin 1972, schenkte sie das Leben. Mit der Zeit kamen die Schwiegerkinder, elf Enkelkinder und sechs Urenkel dazu. Im Jahr 2000 wurde die Landwirtschaft an Sohn Robert übergeben, was aber keineswegs ein Sich-zur-Ruhe-Setzen bedeutete. Oskar und Kathi arbeiteten weiter in der Landwirtschaft mit.

Am 13. April 2010 verstarb ihr Mann Oskar und vier Wochen später musste sie von ihrer Schwiegertochter Christa für immer Abschied nehmen.

Trotz aller Trauer und neuen Herausforderungen verlor die Kathi Thusbaß nie ihre Warmherzigkeit, ihren Humor und das Interesse an ihrem Umfeld. Die vier Enkelkinder, die am Hof aufgewachsen sind, waren ihr besonders ans Herz gewachsen. Oft war die Oma als Enkeltaxi unterwegs und für die Enkel war es dann eine Selbstverständlichkeit, dass auch die Oma als Begleitperson beim Führerschein mit 17 eingetragen wurde. Die Oma gehörte immer dazu und war immer dabei, egal was bei den Enkeln angesagt war. Eine besonders innige Beziehung hatte die Enkelin Karina zur Oma. Jeden freien Tag stand sie ihrer Oma zur Seite, half ihr im Bad, begleitete sie ins Bett, brachte ihr Essen und kümmerte sich um die Medikamente. Trotz der zunehmenden gesundheitlichen Einschränkungen verlor Katharina Thusbaß nie ihren Humor, ihre Lebensfreude und das Interesse an ihrem Umfeld und an den Sendungen im Fernsehen. Gerne schaute sie sich die Gottesdienste an, freute sich über Theaterstücke und Volksmusiksendungen. In früheren Zeiten fand sie einen Ausgleich zu ihrem Alltag bei den verschiedenen Ausflügen, die mit den Bäuerinnen und mit dem Frauenbund oder den Senioren unternommen wurden. Jahrelang, von 1999 bis 2012, trug sie die Fahne der Frauengemeinschaft. Diese Fahne begleitete auch ihren letzten Erdenweg.

Ihr Glaube und gerade das Gebet waren für Kathi Thusbaß immer ein wichtiger Bestandteil im Leben. Gerade der Rosenkranz gab ihr Kraft und Zuversicht. Sie war immer dabei, wenn in der Ilzhamer Kapelle die Maiandachten stattfanden und auch am 8. Dezember, als der Rosenkranz gebetet wurde.

Die Kaffeekränzchen wären ohne die lustige Kathi nur halb so schön gewesen. Wenn sie auch immer geradeheraus war, war es ihr sehr wichtig, niemanden zu verletzen.

Eine große Trauergemeinde erwies ihr beim Gottesdienst in der Obinger Pfarrkirche die letzte Ehre. Pfarrer David Mehlich und Gemeindereferentin Jaqueline Egold holten im Requiem das Leben der so plötzlich verstorbenen Katharina Thusbaß in Erinnerung und der Obinger Kirchenchor untermalte den Gottesdienst. Das Familiengrab am Obinger Kirchenfriedhof ist nun ihre Ruhestätte.emk

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