Innovative Aktion oder Störfaktor?

von Redaktion

Stadtrat diskutiert über Betonklotz-Projekt der Künstlergemeinschaft AK68

Wasserburg – Die Heimat der Künstlergemeinschaft AK68, das historische Ganserhaus, muss saniert werden. Ein finanzieller Kraftakt. Und wie oft bei uralten Gebäuden mit Überraschungen verbunden. Die Baumaßnahme wird teurer und teurer, etwa weil das Dach undicht ist, das Tragwerk in einigen Bereichen ertüchtigt werden muss. Mittlerweile liegen die Kosten bei etwa 598.000 Euro. Die Stadt gibt einen Zuschuss, der aufgrund ausfallender Förderungen auf 183.000 Euro erhöht worden ist. Die Künstlergemeinschaft, die ausschließlich im Ehrenamt aktiv ist, muss immer noch 68.000 Euro selbst aufbringen. Eine große Herausforderung.

Verein sucht
Sponsoren

Der AK68 und seine umtriebige Vorsitzende Katrin Meindl sind bekannt für innovative Konzepte und Wege, die Aufmerksamkeit auf die Kunst ziehen, etwa bei Events, Aktionen oder spektakulären Installationen. Der Verein macht aus der Not so manches Mal eine Tugend: Auch der Umzug der Galerie von der Baustelle Ganserhaus in die ehemalige Polizeiinspektion wird einfach künstlerisch aufgearbeitet. Bei der Finanzierung der Generalsanierung ist dem Verein jetzt eine Idee gekommen: Sponsoring über überdimensionale Lego-Steine, die in der Stadt verteilt werden. Sie können Förderer erwerben und sich auf ihnen präsentieren: mit ihrem Firmenlogo.

Es handelt sich laut AK68 um Betonsteine, die während der großen Kunstausstellung und bei drei weiteren Veranstaltungen in der Stadt, wie etwa dem Nationen- oder Weinfest, platziert werden sollen. Auf öffentlichen Plätzen der Stadt.

Innovative Aktion oder Störfaktor im Stadtbild? Ein Spagat, das zeigte die Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss. Denn die Stadt geht in der Regel vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Fassaden restriktiv mit Werbemaßnahmen um. Große Banner beispielsweise und überdimensionale Lichtreklamen sind nicht erlaubt.

Die Betonklötze könnten als Fremdkörper empfunden werden, warnte Wolfgang Janeczka (SPD). Er ist bekanntlich ein großer Kunstfreund und engagierter Unterstützer des AK68. Doch selbst er warnte: Nicht zu viele Steine, nur dort, wo es wirklich passt. Ansonsten fand er: „Die Idee ist gut.“

Heike Maas (CSU) fand sie sogar pfiffig. Aber auch sie forderte Mitbestimmung bei den Standorten, der AK 68 müsse außerdem Hin- und Abtransport selber organisieren und finanzieren. Armin Sinzinger (Wasserburger Block) hat in seiner Kindheit wohl viel Lego gebaut: Er befürchtet, dass die Steine gestapelt werden und eine Wand entsteht. Das müsse verhindert werden.

Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) war mit ihm einig: kein Wildwuchs. Elisabeth Fischer (CSU) fand, es gebe Flächen, da würden die Betonklötze mit Werbung nicht stören, aber vielen ins Auge fallen: etwa vor dem Badria. Oder auf dem Grünstreifen am Rampenparkplatz, so Steffi König (Grüne). Vor dem Bürgerbahnhof schlug Rathaus-Geschäftsleiter Konrad Doser vor.

Keine
anzügliche Werbung

Lego inspiriert, zeigte die Debatte. König fand, es müsse außerdem festgelegt werden, welche Werbung die Stadt nicht sehen wolle: etwa für Sexshops wie Beate Uhse, nannte sie schmunzelnd als Beispiel. Und auch auf dem Christkindlmarkt mag sie die Lego-Welt nicht haben. Werben können auf den Steinen die Firmen für 3.000 bis 5.000 Euro, teilt der AK68 mit. Die Blöcke haben laut Doser noch einen praktischen Nebeneffekt: Sie könnten als Überfahrsperren genutzt werden. Stehen bleiben sollen sie laut Ausschuss jeweils höchstens für sechs Wochen.

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