St. Wolfgang – Zweieinhalb Stunden hat St. Wolfgangs Gemeindeoberhaupt Ullrich Gaigl auf der Bürgerversammlung Rechenschaft zum vergangenen Jahr abgelegt. Gleich zu Beginn motivierte er die rund 140 Besucher, ihn bei Problemen direkt anzusprechen, nachzufragen, vorbeizukommen, und: „Ich steh’ auch im Telefonbuch”. In Überlegung sei eine App für das Mobiltelefon, mit deren Hilfe die Bürger Informationen zu Beeinträchtigungen erhalten sollen. Dabei gab es auch einige Fehler einzugestehen.
Unmut über Umleitungen
und Sperrungen
In den Wortmeldungen der Besucher ging es vor allem um die Sanierung der Goldachbrücken auf der B15 zwischen Groß- und Kleinschwindau und der damit verbundenen Umleitung und Sperrung. Dabei ging es um die Erreichbarkeit von Anwesen und Geschäften während der Sperrungen. Der Bürgermeister beteuerte, jede Information dazu sofort auf der Internetseite veröffentlicht zu haben. Hätte er das Interesse geahnt, wäre eine Informationsveranstaltung mit dem Bauherrn, dem Straßenbauamt Freising, anberaumt worden. Nun musste er sich anhören: „Ich hab’ nicht die Zeit, jede Woche auf die Internetseite zu schauen.” Bürger erwarten, dass ihnen solche Informationen gebracht werden. „Ich komm’ doch mehrmals in der Woche zu euch zum Einkaufen, warum sagt keiner was?”, antwortete Gaigl. Aber auch die Baufirmen haben es nicht leicht. So sei am Lappacher Berg ein Autofahrer in den frischen Teer gefahren; an der B15 wünschte jemand Schadenersatz, weil er trotz Absperrung in die Baustelle gefahren sei und sein Auto beschädigt habe. Das Thema bleibt aktuell, weil für 2028 die Bundesstraße im Ort zu sanieren ist. Auch das wird nicht ohne Umleitung und Beeinträchtigungen ablaufen. Simon Sengotta wünschte sich für sein Hotel eine Absprache mit den Terminen.
Kritik an Stillstand
und Versäumnissen
Ein anderes Ärgernis ist für einige die frühere Brauerei, bei der sich nach außen sichtbar nichts tut und kein Investor anpackt. „Dann muss man sich halt was anderes überlegen“, warf ihm ein Bürger vor, „es gibt keine Entwicklung im Ortsbereich” „Wenn du es so siehst“, bedauerte der Bürgermeister, während aus dem Publikum der Rat kam: „Kauf‘s doch selber.“
Anton Daumoser störte sich als Fragesteller an leeren Gebäuden im Ortskern, „wenn Wohnraum fehlt”. Er warb außerdem dafür, mehr Wasser aus der Leitung zu trinken, statt fremdes teuer einzukaufen. Dafür sollte man etwa an Schulen Trinkwasserbrunnen installieren. „Das ist eine sehr, sehr gute Idee”, pflichtete der Bürgermeister ihm bei.
Toni Schneider vermisste an der neu asphaltierten Bundesstraße bei Großschwindau eine Bucht für den Bus. „Tut mir leid”, so Gaigl, das sei tatsächlich übersehen worden. Ein anderer störte sich an einem Obdachlosen, der morgens schon betrunken sei und sein Geschäft in der Öffentlichkeit verrichte. Trotz der Kritik gab es immer wieder Beifall, auch Lacher und am Ende noch längeren Beifall für den Vortrag.
Leider, bedauerte Ullrich Gaigl, kommen auf die Kommunen laufend neue Aufgaben zu, ohne jedoch über einen entsprechenden Anteil an den Steuereinnahmen zu verfügen. So auch bei der künftigen Ganztagsbetreuung für Schulkinder.
Zusammenschluss
mit anderen Gemeinden
Weil eine Gemeinde das alleine bei unsicherem Bedarf und schwer zu rekrutierenden Betreuungskräften kaum vorhalten kann, habe man sich mit Bockhorn, Lengdorf und Isen zusammengeschlossen. Jede Schule übernimmt eine Zeit in den Ferien; dazu müssen Eltern ihren Bedarf anmelden. Fünf Tage Betreuung kosten 170 Euro, doch erst bei 20 Kindern „rechnet sich das”, beschied der Bürgermeister. Zehn Kinder seien die Mindestzahl.
Aktuell betreue man in der Gemeinde 60 Asylsuchende, die Zahlen seien rückläufig. Immer wieder frage man sich, warum die Menschen nicht sofort arbeiten dürfen, doch dann sei es ein Streitpunkt, wenn der Grund für Asyl doch nicht gegeben sei. Andererseits mussten weitgehend integrierte Menschen wieder in ihre Heimat, um später mit einem passenderen Grund wieder einzureisen: „Das kann man verstehen, muss man aber nicht.” Ein Missgeschick sei beim Bau des Feuerwehrhauses geschehen, denn dabei habe man leider den Denkmalschutz übersehen. Die Behörde sei durch zwei anonyme Anzeigen darauf gekommen. Glücklicherweise habe man das bei minimalen Verzögerungen ausbügeln können, doch über die zwei Anzeigen wundere man sich schon. Die sechs Feuerwehren, das hielt der Bürgermeister fest, verdienten mit ihren 156 Einsätzen Unterstützung, denn es sei sehr viel wert, wenn Freiwillige bei einem Alarm „alles liegen und stehen lassen”, um zu helfen. Nach Jessling erhält bald Lappach ein neues Fahrzeug.
Und leider gebe es noch weitere Fehler zu beheben, von denen allerdings andere Gemeinden ebenfalls betroffen seien. Dabei gehe es um die jeweilige „Wasserrechtliche Erlaubnis” in Baugebieten.
Erlaubnis gilt in der
Regel für 20 Jahre
Diese gelte in der Regel 20 Jahre lang und behandle Regenwasser, das nicht versickert, sondern abzuleiten sei. Lediglich ein Baugebiet in der Gemeinde verfüge über eine gültige Erlaubnis, für alle anderen sei diese Aufgabe zu bewältigen. Das sei eine Herausforderung, weil die Heftigkeit der Regenfälle zugenommen habe, so gehe man in Litern je Minute von einer Verdoppelung aus. Rückhaltebecken können so etwas mildern, bevor das Wasser in die Goldach abfließt. Hinzu komme auch noch eine Vorreinigung. Unternähme die Gemeinde nichts, bliebe absehbar künftigen Baugebieten die Genehmigung versagt.
Erfreulich sei die neue Fotovoltaikanlage für die Kläranlage, die spare 1.500 Euro Stromkosten im Jahr. Und in Sicht sei der Brückenbau in Öd und Krähmühle. Zusammen mit den Stadtwerken Dorfen baue man die Breitbandversorgung aus. Dafür seien bereits mehrere Programme mit Namen wie „Graue” und „Weiße Flecken” und „Lückenschluss” in Anspruch genommen worden. Ab Mitte kommenden Jahres würden bis Ende 2027 durch 22 Kilometer Tiefbauarbeiten 460 Hausanschlüsse montiert.
Und weiterhin habe man mehrere Satzungen geändert und aufgestellt, um Bauwünsche zu ermöglichen. Einen Plan von „West III” sahen die Besucher ebenso wie bereits fertiggestellte Häuser in Schönbrunn-Notzing und einen neuen Spielplatz. Einen Hinweis gab es zum öffentlichen Nahverkehr, hier seien Änderungen zu erwarten, so Gaigl, jedoch „nicht zum Nachteil” der Fahrgäste. Eine Übersicht gab es zur Verkehrsüberwachung. In diesem Jahr mündete das bereits in 56 Bußgelder.
Gemeinschaftsleben
und Ausblick
Denn recht unterhaltsam trug der Bürgermeister „auffallend niedrige Geburtenzahlen” vor. Es seien bisher 18 und damit weniger als die Hälfte der vergangenen Jahre, „das holen wir in dem Jahr nicht mehr auf”. Künftig werde er Trauungen vermehrt im Pfarrsaal durchführen. Ziemlich gleich geblieben ist die Zahl der Einwohner mit 4.837.
Einen großen Dank richtete er an alle Helfer zur 1050-Jahr-Feier und die „Kircherlbau-Teams”. Das sei ein „sehr, sehr fröhliches Ereignis”. Besonders zum Familientag sei er gefragt worden, ob das nicht zu wiederholen sei. Doch alleine dieser Samstag habe rund 33.000 Euro gekostet, nicht hinzugerechnet die ehrenamtliche Arbeit der Vereine.
Zwei große Ereignisse stehen noch bevor: Der Christkindlmarkt am 13. und 14. Dezember mit einigen Besonderheiten und der Auftritt der Regensburger Domspatzen am 19. Dezember. Dafür gebe es nur noch Restkarten. Ein Programmpunkt ist entfallen, es war aber auch so schon spät genug: Landrat Martin Bayerstorfer hatte es nicht mehr rechtzeitig von einer anderen Veranstaltung in die Goldachhalle geschafft. Etwa um 22.15 Uhr machten sich die Menschen auf den Weg nach Hause.
Die Zahlen des vergangenen Jahres zeigten, dass 18 Geburten 44 Sterbefällen gegenüberstanden; es gab 17 Eheschließungen. Der elf Millionen Euro große Verwaltungshaushalt setzte sich unter anderem aus 3,6 Millionen Euro Einkommensteueranteil und drei Millionen Euro Gewerbesteuer zusammen. Die Schlüsselzuweisung betrug 426.000 Euro.
Kreisumlage
3,4 Millionen Euro
Die neue Grundsteuer hatte die Verwaltung im Bereich ihrer Einnahmen versucht, unterm Strich gleich zu lassen. Daraus ergab sich die Anhebung der Grundsteuer A von 380 auf 450 Prozent und die Reduzierung der Grundsteuer B von 340 auf 300 Prozent. Die Kreisumlage verlangte 3,4 Millionen Euro, die Personalkosten erreichten 2,2 Millionen Euro. Unterm Strich blieben 801.000 Euro für den Vermögenshaushalt übrig.
Der Vermögenshaushalt belief sich im vergangenen Jahr auf 4,6 Millionen Euro; die Schulden sanken leicht auf rund vier Millionen Euro. Den Waldkindergarten besuchten 15 Kinder, in Armstorf waren es 25 Kinder und im Hauptort 106 Kinder, davon 18 in der Krippe. Die Grundschule besuchten 196 Kinder, davon kamen 122 mit dem Bus. 76 größere Schüler fuhren in die Mittelschule nach Isen. 57 Kinder nutzten die Mittagsbetreuung.