Griesstätt – Den letzten Tag seines Lebens verbrachte Bernhard Wiecha aus Griesstätt auf der Palliativstation in Ebersberg. Er wollte nicht, dass seine Familienangehörigen nicht bei ihm sind, wenn er stirbt. Diesen Wunsch erfüllten sie ihm.
Bei der Wortgottesfeier in der Griesstätter Pfarrkirche schaute Pfarrer Andreas Kolb auf das Leben des Verstorbenen und auf das, was ihn ausgemacht hat, voller Trauer, aber auch voller Dankbarkeit zurück.
In Großstrehlitz in Oberschlesien wurde der Verstorbene im Oktober 1963 geboren. Dort wuchs er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Siegmund bei den Eltern Therese und Georg auf. Als 15-Jähriger kam er nach Deutschland, zunächst nach Bad Neustadt, bald aber schon nach Wasserburg. Dort besuchte er die Realschule und die Fachoberschule.
Nach dem Wehrdienst, den Wiecha in Bad Reichenhall absolvierte, studierte er Feinwerkmechanik in München. Eigentlich hätte es ihn nach dem Studium eher wieder Richtung Berge gezogen, allein: Es kam seine große Liebe, Roswitha, dazwischen. Sie und Bernhard Wiecha lernten sich kennen. Da führte kein Weg mehr an der Liebe vorbei, Berni, wie er liebevoll genannt wurde, zog wieder nach Wasserburg.
Bis zu seinem Lebensende arbeitete er fortan bei der Firma Bauer in Wasserburg. Als sich die beiden kennenlernten, waren sie zunächst zu schüchtern füreinander. Jeder von ihnen beiden dachte: „Der ist doch über meinem Kaliber“. So kam es, dass wohl alle um sie herum schon früher wussten, dass die beiden zusammen waren, bevor sie selbst das wussten. Aber schließlich hat es doch gepasst. Sie zogen in Wasserburg zusammen. Stefanie, die Tochter von Roswitha, war dem Bernhard wie die eigene Tochter. Immer war er für sie da, bis zuletzt.
Vier Anträge brauchte es, bis sich Berni und Roswitha einig waren für die Hochzeit. Nicht, weil die Liebe nicht da gewesen wäre, im Gegenteil. Aber gut Ding will einfach Weile haben. Schließlich heirateten sie 2001.
Ein besonderer Moment für den Verstorbenen war, als er 2015 zum ersten Mal Opa werden durfte. Zwei weitere Enkel folgten und jeder war für den Opa etwas ganz besonderes. Leon war mit seinen guten Noten in Mathe dem Opa schon ziemlich ähnlich. Florian, mit dem der Opa besonders gut basteln konnte. Laura wollte gerne schon zum Opa, als sie noch ein Baby war. Er hatte wirklich alle drei gerne gehabt, so Pfarrer Kolb.
Seit Juli dieses Jahres wurde alles anders. Der Krebs veränderte den Körper von Bernhard. Dadurch konnte er auch seine geliebte Gartenarbeit nicht mehr erledigen. Dies übernahm für ihn sein Schwiegersohn Rafael. Zuletzt ging alles ganz schnell. Zwei Wochen musste er im Krankenhaus Großhadern verbringen, wenige Tage nur waren ihm anschließend zu Hause vergönnt. Den letzten Tag verbrachte er auf der Palliativstation in Ebersberg. Die Angehörigen müssen mit dem Verstorbenen einen Menschen gehen lassen, der immer ein offenes Ohr für alle hatte. Er wollte es gern jedem recht machen und kümmerte sich viel um andere. Und für seine Frau Roswitha war er der liebste Ehemann, der immer sah, wenn es ihr schlecht ging, der einfach für sie da war. Gerne sammelte er Münzen, spielte Dart, stickte und puzzelte. Seine Titanic, die er noch fertig machen wollte, bleibt der Familie als Andenken. Die muss jetzt Enkel Florian weiterbauen.
Gerne las er auch. „Jeder von uns hat ein Lebensbuch“, so Pfarrer Andreas Kolb. „In das Lebensbuch von Bernhard Wiecha durften wir einen kleinen Blick werfen. Mit seinem Tod wurde dieses Buch zugeschlagen. Aber als Christen dürfen wir überzeugt sein, dass das nur der erste Teil ist. Das Lebensbuch des Verstorbenen wird weitergeschrieben, in einem zweiten Band. Dieser zweite Band spielt nicht mehr hier auf Erden. Der zweite Band des Lebensbuches von Bernhard spielt im Himmel, in der Nähe Gottes, im Paradies.“ala