Schnaitsee beteiligt sich vorerst nicht an Ökomodellregion

von Redaktion

Intensive Diskussion im Gemeinderat – Vorteile des Projekts sollen zunächst konkreter ausgearbeitet werden

Schnaitsee – Die geplante Ökomodellregion Chiemgau hat im Schnaitseer Gemeinderat für intensive Diskussionen gesorgt. In der jüngsten Sitzung entschied das Gremium, sich vorerst nicht an dem Projekt zu beteiligen.

Bereits im Januar 2025 hatten die Initiatoren der geplanten Ökomodellregion Chiemgau rund um Alois Dirnaichner die Idee und die Hintergründe dieser Projektgemeinschaft dem Schnaitseer Gemeinderat vorgestellt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sollte das Thema nun beschieden werden.

Daniel Heller von der Gemeindeverwaltung brachte dazu viele Informationen mit. Ziel der Bayerischen Staatsregierung ist es seit 2014, den ökologischen Landbau zu fördern und dessen Anteil bis 2030 auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche zu erhöhen. Davon ist man allerdings noch deutlich entfernt. Mittlerweile gibt es 35 Ökomodellregionen in Bayern, die dank staatlicher Unterstützung in vielen Aufgabenfeldern aktiv sind. Konkret gefördert wird die Stelle eines Projektmanagers, der als „Kümmerer“ Projekte in der jeweiligen Modellregion begleitet und als Netzwerker die beteiligten Akteure mit Entscheidern der Wirtschaft und Politik zusammenbringt.

Zudem gibt es in jeder Ökomodellregion einen Verfügungsrahmen von jährlich 50.000 Euro, mit dem verschiedenste Projekte gefördert werden können.

Mit dem Ausbau der ökologischen Landwirtschaft gehen aber noch weitergehende Ziele einher. Er wirkt sich auch positiv auf die Trinkwasserqualität und Biodiversität aus. Im Rahmen von Aktionen soll das heimische Angebot bei den Verbrauchern bekannt gemacht werden. Über Einkaufsfibeln oder Genuss-Radltouren können Erzeuger und Verbraucher zusammengebracht werden. Auch die Außer-Haus-Verpflegung in Behörden, Firmen, Schulen und Kitas kann mit heimischen Lebensmitteln eine lokale Wertschöpfungskette anstoßen.

Für die Gründung einer Ökomodellregion bedarf es mindestens vier Gemeinden, die flächenmäßig zusammenhängen müssen. Bei angenommenen sechs Teilnehmergemeinden würden sich die jährlichen Kosten für Schnaitsee auf maximal 4.600 Euro im Jahr beziffern. Nach fünf Jahren sinken allerdings die Fördersätze.

Zum Start der Diskussionsrunde signalisierte Bürgermeister Thomas Schmidinger die grundsätzliche Unterstützung, bemängelte aber die wenig realistische Zeitplanung. Bis Ende November hätten Konzept und Antrag eingereicht werden müssen. Noch gäbe es aber keine Nachbarkommune, die ihre Zusage fix gegeben habe. Beim Planungstreffen Mitte Oktober waren nur die Gemeinden Pittenhart und Schnaitsee mit den Bürgermeistern vertreten.

Markus Scherr und Günther Edlmann äußerten, dass für sie eine Zustimmung einfacher wäre, wenn dieses Modell nicht nur die Bio-Landwirtschaft fördern würde. Toni Lamprecht sprach sich für ein gemeindliches Engagement aus, er sehe das ähnlich wie das für Schnaitsee sehr erfolgreiche „Leader“-Konzept. Maria Dirnaichner berichtete von der erfolgreichen Arbeit der „Ökomodellregion Waginger See“ – diese habe auch klein angefangen.

„Wir sollten vorangehen“, meinte Angelika Sewald-Löffelmann, „einer muss den ersten Schritt machen.“ Anita Meisl, die Zweite Bürgermeisterin, sah hingegen keinen Zeitdruck und wies darauf hin, dass eine Bewerbung auch im November 2026 möglich sei.

Mit zwölf zu fünf Stimmen beschloss der Gemeinderat schließlich, sich vorerst nicht an der geplanten Ökomodellregion zu beteiligen. Bis zu einer möglichen späteren Bewerbung sollen die Organisatoren die Vorteile des Projekts noch konkreter ausarbeiten und das Gremium hofft auf mehr positive Rückmeldungen von potenziellen Profiteuren der Förderung. mhe

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