„Das ist hart“

von Redaktion

Wie die Streichung des Kinderstartgelds junge Mütter aus dem Landkreis trifft

Mühldorf/Jettenbach – Die bayerische Regierung streicht das versprochene Kinderstartgeld. Für die frischgebackene Mutter und Redakteurin Helena Gennutt ist das ein Schock. Die Entscheidung setzt viele junge Familien finanziell unter Druck. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen schildert Helena Genutt ihre Situation: „Ich bin vor Kurzem Mutter geworden. In der Schwangerschaft stellte sich mir oft die Frage, wie sich mein Leben mit Baby verändern wird: Werde ich allem gerecht werden – dem kleinen Menschen, meinem Beruf, Freunden und Familie? Und nicht zuletzt: Welche Kosten kommen auf mich zu? Das lässt sich zumindest recherchieren und ein wenig beantworten. Rund 165.000 Euro kostet ein Kind bis zum 18. Lebensjahr – abhängig von Lebensstil und Freizeitgestaltung –, rechnet das Statistische Bundesamt vor. Für mich mit meinen 29 Jahren ist dies die bisher teuerste Investition meines Lebens.

Erleichterung weicht
Ärger und Sorge

Ich war erleichtert, dass der Staat einen Teil der Kosten auffängt und junge Familien nicht alleine dastehen lässt, etwa durch Kindergeld, Elterngeld und in Bayern zusätzlich das Kinderstartgeld.“

3.000 Euro zum ersten Geburtstag für jedes Kind, das ab dem 1. Januar 2025 geboren ist, hatte die Regierung unter Ministerpräsident Markus Söder versprochen. Das Kinderstartgeld sollte ab 2026 das doppelt so hohe Familien- und Krippengeld ablösen.

Doch es wird nicht kommen. Das hat die bayerische Staatsregierung auf einer Klausur für den Doppelhaushalt 2026/2029 beschlossen. Damit wären beide bayerischen Sonderleistungen für alle ab diesem Jahr geborenen Kinder Geschichte. Das Geld soll stattdessen direkt in den Unterhalt von Kita-Plätzen fließen. „Der Mutter-Kind-Kurs, der damit bezahlt wurde, der Baby-Schwimmkurs, das Mama-Baby-Yoga, all das wird nicht mehr umsetzbar sein“, ärgert sich Mutter Tanja Schiller aus Jettenbach über diesen Beschluss. Auch Ausflüge oder ein Familienurlaub waren so in ihrem Familienbudget. „Das war alles etwas, das mit dem Zuckerl möglich gemacht wurde.“

Dieses Geld habe es ihr erleichtert, knapp zwei Jahre komplett für ihr heute vierjähriges Kind da zu sein, sagt Schiller. Geld, das ihr achtmonatiges Baby dagegen nie sehen wird. „Jetzt zu wissen, dass gar nichts mehr kommt, ist einfach hart. Was kann ich den Kindern dann eigentlich noch bieten?“, fragt Schiller. Denn vom Elterngeld – 65 Prozent des vorherigen Verdienstes und maximal 1.800 Euro – bleibt am Ende des Monats kaum etwas übrig. Miete, Auto und Lebensmittel wollen schließlich weiterhin bezahlt werden.

Schiller weiter: „Großer finanzieller Spielraum bleibt da in meinem Fall nicht, eher gilt es, auf Rücklagen zurückzugreifen. Diese kann wohlgemerkt nicht jede Familie vorweisen. Mein Kind über die bezahlte Elternzeit von einem Jahr hinaus vollständig selbst zu betreuen, kann ich mir beispielsweise nicht leisten. Ohne das Kinderstartgeld erst recht nicht. Also muss ich wieder arbeiten und meine Tochter in die Kinderkrippe geben. Doch auch die kostet. Einrichtung und Fachkräfte wollen anständig bezahlt werden, und als Elternteil wünsche ich mir natürlich die bestmögliche Betreuung. Für acht bis neun Stunden betragen die Kosten in Mühldorf 285 Euro im Monat, hinzu kommen Mittagessen und Brotzeit sowie je nach Lage die Anfahrt mit dem Auto. Ob reduzierte Arbeitszeit oder längere Betreuung: Finanzielle Einbußen lassen sich mit Baby oder Kleinkind nicht umgehen. Während der erste Geburtstag meiner Tochter noch eine Weile hin ist und ich den Krippenplatz erst noch beantragen muss, trifft es andere Familien bereits in weniger als zwei Monaten.“

Dies ist herausfordernd für alle Eltern, die das versprochene Geld bereits fest eingeplant haben – ein Umstand, den viele beispielsweise unter Posts zum Thema auf der Plattform Instagram stark kritisieren.

Alles wird teurer, die
Unterstützung weniger

Und nicht nur das: Mehr als 200.000 Menschen haben innerhalb der vergangenen Woche verschiedene Online-Petitionen unterschrieben, um die Leistung zu erhalten. Doch ein erneuter Kurswechsel der Regierung scheint ausgeschlossen.

Tanja Schiller überlegt jetzt, eher als ursprünglich gedacht, wieder mit ihrem Nebenjob zu starten. Dann müssen eben zwei oder drei Abende die Woche dran glauben, um der Familie nach wie vor Ausflüge zu ermöglichen, „weil alles mehr Geld kostet, aber auf der anderen Seite alles, was unterstützend wäre, gestrichen wird“.

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