Wohltuend stimmiger Klangteppich für Ohren, Herz und Seele

von Redaktion

In der Rotter Rokokokirche zelebrieren zehn Blechbläser von „xBrass“ festliche Musik – Werke von Frescobaldi und Vivaldi

Wasserburg – Unter dem Motto „brass & light“ lud das Blechbläserensemble „xBrass“ in die Rotter Pfarrkiche ein. Der Kirchenbau aus dem späten Rokoko schien wie gemacht für dieses Konzert. Denn die Musik der hell klingenden vier Trompeten, die nicht schmetterten, sondern sich musizierend präsentierten, unterstützt und begleitet vom feinstimmigen, tieferen Blech mit den Posaunen, der Tuba und einem Waldhorn, ergaben einen wohltuend stimmigen Klangteppich für die Ohren, das Herz und die Seele. Heraus kam vorzüglich intonierte Bläsermusik von der italienischen Renaissance bis in unsere jetzige Zeit.

Mit einer Toccata von Girolamo Frescobaldi eröffneten die Musiker den Konzertabend. Oft melodieführend wurde das Waldhorn bei diesem Werk von lyrischen, überaus schön interpretierten Cantilenen der Trompeten durch das Notenwerk begleitet.

Eine doppelchörige Aufstellung im Altarraum bildete „xBrass“ für eine Canzone von Giovanni Gabriele und für das lutherische Kirchenlied „Eine feste Burg ist unser Gott“, in einer Bearbeitung von Samuel Scheid. Diese venezianische Mehrchörigkeit entsprach im Mittelalter einer gewissen Selbstverständlichkeit, um mit klanglichen Abwechslungen die Kontraste einer Klangfülle zu erzielen. Einer der bedeutenden Violonisten und Kompositeure des Barock war und ist der römisch-katholische Priester Antonio Vivaldi. Michael Morgott und Peter Weber interpretierten als Solisten gemeinsam mit den anderen Instrumentalisten des Ensembles sein Konzert für zwei Trompeten in C-Dur. Vorher vom Moderator, dem Posaunisten Daniel Schmidt, auf das fünfsätzige Werk hingewiesen, wartete das zahlreich erschienene Publikum bis zum letzten Ton mit ihrem verdienten Applaus. Denn die Vielstimmigkeit des Werkes erfordert gerade in einer Kirchenakustik höchste Konzentration. Überaus schön und mit einer bestens abgestimmten Intonation gelang gemeinsam eine die Zuhörerschaft begeisternde künstlerische Ausgestaltung des Werkes. Bewiesen wurde zudem, dass ein größeres Orchesterwerk durchaus mit einer kleineren Besetzung wertschätzend dem Werk gegenüber zu Gehör gebracht werden kann. Wenn man es so kann, wie „xBrass“!

Aus der Feder (und dem Kopf) des Amerikaners David Sampson stammte die darauf folgende „Fanfare for Canterbury Cathedral“. Diese zeitgenössisch klassische Komposition wurde dermaßen überzeugend feierlich musiziert, dass man sich als Zuhörer im Kirchenbau umdrehte, um darauf warten, ob nicht doch noch ein bischöflicher Einzug stattfindet. Ähnlich bei „A Scheperds’s Pipe Carol“ von John Rutter, einem britischen Komponisten, der sich ganz der Kirchen- und Chormusik verschrieben hat. Fast wie eine weihnachtliche Schlagermelodie aus einem Kinofilm zauberte das Stück frohe Augenblicke in die kalte Luft.

Dazu passten irgendwie auch die vier, für die Instrumentalbesetzung von „xBrass“ umgeschriebenen, schwedischen Gesänge, die dort „eigentlich“ Volksmusik sind. „Es geht da um die Sterne als Erlebniswelt und auch um schwermütige Stimmungen“, erklärte der sach- und posaunenkundige Moderator. Wobei im vierten Satz musikalisch vorsichtig wieder die Türe zum Durchatmen geöffnet wurde.

Zum Abschluss des Programms noch einmal ein Halt bei der Festlichkeit barocker Eleganz. „Der „Einzug der Königin von Saba“ aus dem Oratorium Solomon von Georg Friedrich Händel am Ende des Konzerts als musikalischer „Rauschmeißer“. Das Werk an sich ist ja ein barocker Klassiker. Angenehm war deshalb, mit welch‘ professioneller Hingabe sich das Ensemble diesem Klassik-Hit widmete. Dementsprechend dankbar und lange war auch der Schlussapplaus der Konzertgäste. Die stille, ja nachdenkliche Zugabe widmeten die Musikerinnen und Musiker der heiligen Cäcilie als Patronin der Kirchenmusik.bua

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