Annemarie Löffl (von links), Walter Vallini, Robert Lang, Katrin Meindl und Tea Giobbio verwandeln die ehemalige Kirche in einen Ausstellungsort. Foto Weinfurtner
Wasserburg – Unerfreulich: Mitte November trudelte in der Stadtverwaltung eine Mail des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ein. Der Inhalt: Bedauerlicherweise habe sich beim damaligen Finanzierungsvorschlag für die Sanierung der Achatzkirche ein Fehler eingeschlichen.
Der denkmalpflegerische Mehraufwand dürfe in seiner Gesamtheit nicht überschritten werden – beim vorigen Finanzierungsplan sei der Zuschuss der Bayerischen Landesstiftung und des Bezirks Oberbayern versehentlich unberücksichtigt geblieben.
130.000 Euro
mehr Eigenanteil
Das Ministerium habe das Landesamt daher um eine Berichtigung gebeten. Der Eigenanteil der Heiliggeist-Spitalstiftung für die Baumaßnahme belief sich im April dieses Jahres noch auf rund 397.000 Euro, nach Berichtigung im November ergibt sich ein Eigenanteil von rund 527.000 Euro. Das ergibt eine Differenz von rund 130.000 Euro. Und die müssen nun aus eigener Tasche gestemmt werden.
Dass die Sanierungskosten für die aus dem Mittelalter stammende Kirche an der Salzburger Straße am Ortsrand nach oben klettern, ist nicht nur für Bürgermeister Michael Kölbl ärgerlich. Das Landesamt habe sich für seinen Fehler zwar mehrfach entschuldigt, den Stadträten aber stößt diese Falschberechnung trotzdem sauer auf. Dies wurde in ihrer jüngsten Sitzung mehr als deutlich.
Georg Machl (CSU) betonte, dass diese Mehrkosten der Heiliggeist-Spitalstiftung trotz ihres Vermögens „sehr weh“ täten. Andere Kommunen würden bei einem solchen „Patzer“ mit den Ohren schlackern. Wasserburg sei in der glücklichen Lage, das noch fehlende Geld stemmen zu können.
„Dennoch stellt sich die Frage: Was können – und was wollen wir uns leisten?“ Dass die Fehlberechnung lediglich mit einer Entschuldigung abgegolten wurde, sei in den Augen der Räte ein „starkes Stück.“
Seit Beginn der Baumaßnahme vor zehn Jahren ist viel Geld in die Instandsetzung der kleinen Kirche aus dem 15. Jahrhundert geflossen. Zu Recht, denn dieses „Schmuckstück“ gelte es zu erhalten. Und Handlungsbedarf ist gegeben: Die Kirche St. Achatz befand sich vor Beginn der Baumaßnahmen in einem bedauerlichen Zustand. Das Gebäude im neugotischen Stil diente jahrelang als Lagerraum. Dachstuhl, Fassaden, Fenster und Böden waren marode, Feuchtigkeit und Salze haben dem Mauerwerk stark zugesetzt.
Künftig soll die Kirche nicht mehr nur als reines Gotteshaus glänzen, sondern auch als Nutzungsstätte für kulturelle Veranstaltungen dienen. Der AK68 beispielsweise hat im Juli erst eine Kunstausstellung im Inneren des alten Gotteshauses abgehalten. „Der Kostensteigerung kommen wir nicht aus, da fehlen uns schlicht und ergreifend die Einflussmöglichkeiten“, stellte Kölbl fest und leitete damit zur Beschlussfassung über. Der Stadtrat segnete den Finanzierungsvorschlag zur Nachfinanzierung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege vom 12. November 2025 einstimmig ab. Abweichend von früheren Stadtratsbeschlüssen erklärten sich die Räte mit einer Erhöhung des Eigenanteils der Heiliggeist-Spitalstiftung von 397.081 Euro auf 527.081 Euro einverstanden – dies jedoch unter der Voraussetzung, dass die anderen Förderstellen weiterhin zu ihrer Zusage stehen und auch die Mittel aus dem Entschädigungsfonds (Erhöhung um 292.991 Euro) gewährt werden.
Reduzierung auf das
unbedingt Notwendige
Die Stadtverwaltung wird zudem beauftragt, in Abstimmung mit dem Landesamt eine Reduzierung der noch ausstehenden Sanierungsmaßnahmen auf das unbedingt notwendige Maß zu erreichen. Insbesondere bei der Innenausstattung soll nach Einsparungsoptionen gesucht werden – vor allem, was das Gestühl betrifft.