Mühldorf – Bei der Jahreshauptversammlung der Aktionsgemeinschaft „Mühldorf vor Ort“ blickte Vorsitzender Christian Kühl auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. Die Mitglieder setzten bei der Nachwahl zur Vorstandschaft zugleich neue Akzente: Niklas Reisinger ist neuer Beisitzer im Vorstand und im Bereich Social Media erfahren; ein Bereich, der für die Händler immer wichtiger wird.
Kühl war durchaus stolz auf die Reichweiten der vergangenen Monate: Der Beitrag „Der Zahnarzt der Ängstlichen“ hatte mehr als 1,1 Millionen Aufrufe, weitere Inhalte wie die Geschichte zur 1727-Bar oder Aktionen rund um die Parkscheinautomaten erzielten ebenfalls hohe Zahlen. Kühl: „Solche Beiträge bringen Menschen in die Stadt und machen Mühldorf weit über die Region hinaus sichtbar.“
Aktionen für eine belebte
Innenstadt
Ein Schwerpunkt der Versammlung lag auf der Nikolausaktion 2025. Kinder zwischen drei und 14 Jahren können Anfang Dezember ein gekennzeichnetes Paar saubere Schuhe im Kulturbüro abgeben, die anschließend von der Aktionsgemeinschaft mit Leckereien befüllt werden. Vom 13. bis zum 20. Dezember dürfen die Familien ihre gefüllten Nikolaus-Schuhe dann in den Schaufenstern der Innenstadt suchen.
Kühl war verwundert, dass sich einige Geschäfte zurückzogen, weil ein Unkostenbeitrag von 20 Euro erhoben wird. Das sei eine geringe Summe „für eine Aktion, die sehr beliebt ist und die Innenstadt zusätzlich belebt“.
Einig waren sich Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl und die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft über die Erwartungen an die „Altstadt-Weihnacht“. Sie findet vom 4. bis zum 21. Dezember täglich von 16 bis 20.30 Uhr auf der Höhe der Stadtplatz-Hausnummern 26 bis 34 statt. Kühl: „Ich bin mir sicher, dass wir mit dieser Idee eine echte Tradition begründen können, die auch Besucher aus dem weiten Umland zu uns in die Stadt locken kann.“
Bürgermeister Hetzl würdigte die Arbeit der Aktionsgemeinschaft, auch könne er die Wünsche nach mehr Parkplätzen aus Sicht der Gewerbetreibenden nachvollziehen.
Die vorhandenen Kapazitäten seien aber keineswegs ausgeschöpft. Als Beispiel nannte er die sanierte städtische Tiefgarage am Hallenbad, die dank eines digitalen Buchungssystems flexibel nutzbar sei: „Es gibt 195 Stellplätze, aber rund 400 User – weil jeder immer dann buchen kann, wenn ein Platz frei ist.“ Für viele Betriebe sei diese Form der geteilten Nutzung eine echte Entlastung.
Die Aktionsgemeinschaft sieht das anders. Es brauche weitere Parkplätze, auch zur Dauervermietung, damit die Mitarbeiter eine „Bleibe“ für ihre Fahrzeuge hätten, dann hätten auch die Besucher und Kunden in der Innenstadt wieder mehr Parkmöglichkeiten. Ein Parkdeck wäre deshalb dringend notwendig, „ich kann der Stadt gleich die Namen und Adressen vieler Unternehmen geben, die gerne bereit wären, die Parkplätze anzumieten“, so Kühl.
Positiv bewertete Hetzl den „InnLiner“-Rufbus. Steigende Buchungszahlen belegten, dass Alternativen zum Auto angenommen würden. Ein weiteres Anliegen waren Hetzl die Leerstände: Zwar sei die Lage in Mühldorf nach wie vor vergleichsweise entspannt, die Stadt wolle jedoch nicht abwarten. Die Wirtschaftsförderung versuche aktiv, Eigentümer mit Interessenten zusammenzubringen; gleichzeitig arbeite man an neuen Förderprogrammen für Geschäftsflächen und Wohnraum. „Mir liegt sehr an einem gesunden Branchenmix in unserer Innenstadt.“ Auch optische Verbesserungen seien wichtig – über das kommunale Fassadenprogramm könnten bis zu einem Drittel der Sanierungskosten gefördert werden. Ein großes Anliegen der Aktionsgemeinschaft und ihres Vorsitzenden war die Innenstadt von Mühldorf im Jahr 2035. Kühl forderte mehr Innovation und – mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen – auch mehr politischen Willen in einigen Bereichen.
Vision 2035: Die Zukunft
der Innenstadt gestalten
„Mühldorf vor Ort“ will den Fokus auf vier Bereiche legen: das Stadtmanagement, eine vernünftige Parklösung für die Mitarbeiter der Betriebe in der Innenstadt, ein innovatives Leerstandsmanagement sowie eine Arbeitsgruppe für Veranstaltungen und andere Angebote. „Wenn wir unsere Innenstadt attraktiv halten wollen, für uns und für unsere Besucher, dann dürfen wir nicht warten, bis uns Entwicklungen einholen, sondern wir müssen vorne mit dabei sein“, erklärte Kühl.
Vergleichbare Städte hätten dieses Ziel vernachlässigt und müssten jetzt mit den Folgen leben: „Wir wollen keine leere Innenstadt“, auch keine Innenstadt, die nur noch aus Imbissläden und Barbershops besteht, dazwischen vielleicht ein Lokal für Sportwetten. Das solle nicht beherrschend sein. Hier gebe es mittlerweile auch in Mühldorf „eine besorgniserregende Entwicklung“: Manche Besitzer ließen „lieber eine Fläche leer stehen, bevor sie sich überlegen, vielleicht beim Mietpreis etwas realistischer zu denken“.
Lobende Worte gab es für Julia Weindl von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mühldorf, die sich sehr engagiert für ihren Tätigkeitsbereich einsetze. Es sei gut, so Kühl, wenn Stadt und Gewerbe an einem Strang ziehen.
Zu den gemeinsamen Bemühungen gehöre auch die Analyse einer Frequenzmessung der Besucherströme in der Innenstadt. Hier erwarten Kühl und Hetzl interessante Ergebnisse.
Zuvor hatten die Mitglieder den Vorstand einstimmig entlastet und auch die Beitragserhöhung akzeptiert. Die aktuelle finanzielle Basis reiche nicht mehr aus, um das Niveau an Veranstaltungen, Marketingmaßnahmen und Innenstadtaktionen zu sichern, erklärte Kühl.
Die moderate Erhöhung der Beitragsstufe I um jährliche 50 Euro sei notwendig, „um auch künftig sichtbar und wirksam für die Attraktivität des Mühldorfer Einzelhandels arbeiten zu können“.