Pfaffing – Interesse ist da: Mehrere hundert Pfaffinger wollten sich zum Thema Zentrale Wärmeversorgung informieren. Dazu hatte Bürgermeister Josef Niedermeier in den Gemeindesaal eingeladen; dort zeigten Fachleute gleich mehrere Argumente auf, warum dieses Thema gerade jetzt interessant ist.
Bürgermeister Josef Niedermeier freute sich „über den riesig großen Andrang“ und beschrieb den Zuhörern die Beweggründe für die Idee, möglichst viele Häuser mittels einer zentralen Heizanlage mit Wärme zu versorgen. So seien die Gemeinden nach dem Wärmeplanungsgesetz bis 2028 zu einer Wärmeplanung verpflichtet. Darin sei festgelegt, mit welchem errechneten Energieaufwand und Brennstoff die erforderliche Wärme gewonnen wird.
Gesetzlicher Rahmen
und Pfaffinger Potenziale
Weil eine grundlegende Arbeit damit schon erledigt sei, könnte es bei ausreichend Interessenten zum Bau einer solchen Anlage kommen. Dabei erhitzt ein Brenner Wasser, das über Rohre und einen Wärmetauscher in die Häuser gelangt.
Lea Schmidtke und Adrian Hausner vom INEV, dem „Rosenheimer Institut für nachhaltige Energieversorgung“, stellten bereits ermittelte Zahlen vor. Weil der Wärmesektor bei den erneuerbaren Energien schlecht abschneidet, möchte die Bundesregierung das mit einem Gesetz verbessern. Das Ziel sei Klimaneutralität für Bayern bis 2040. Das gebe nun „Planungssicherheit und ist ein zentraler Baustein der Energiewende“, jedoch beinhalte das Ergebnis, das alle fünf Jahre aktualisiert wird, keine detaillierte Umsetzung von Maßnahmen.
Eingeteilt sei das in den Bestand, die möglichen Potenziale und letztlich die Ziele. Darin fließen unter anderem der Wärmebedarf pro Hektar ein. Dazu, so Adrian Hausner, frage man Netzbetreiber oder das Landesamt für Statistik. Beim Energieverbrauch erreicht in Pfaffing die Wärme 49 Prozent und dabei ist Heizöl mit 58 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von 25 Prozent Biomasse. Geht es nach Plan, könnte der aktuelle Wärmeverbrauch von 25.000 Megawattstunden im Jahr bis ins Jahr 2045 mit jährlichen 19.000 Megawattstunden gedeckt werden. Dabei würden auch Einsparungen durch Sanierungen bei durchschnittlich 19 Gebäuden im Jahr eingerechnet.
Von Bedeutung, so der Fachmann, sei die sogenannte Wärmeliniendichte. Die beschreibe, wie viel Energie durch die Leitung fließe. Das sei vor allem zum dreieinhalb Kilometer entfernten Lehen und der Molkerei als möglichen Abnehmer interessant. Denn immerhin koste ein verlegter Meter dieser gedämmten Stahlrohre 1.000 Euro. Von Interesse sei dabei auch Forsting. Gerechnet werde mit einer Anschlussquote von 60 Prozent. Aktuell konzentriere man sich vor allem auf den Ort Pfaffing mit einem Wärmebedarf von 8.789 Megawattstunden im Jahr. Lehen erreiche durch die Molkerei 12.683 Megawattstunden.
Eberhard Hälbich könnte ein Betreiber sein, er ist bereits Geschäftsführer der NVE, der Nahwärmeversorgung Eiselfing. Zuerst stellte der Unternehmer seine Firma vor und dann die Heizanlage mit dem Wärmenetz. Dabei komme der Brennstoff hauptsächlich von der Waldbesitzervereinigung. Er handele bereits seit 25 Jahren mit diesen Brennstoffen und könne feststellen: „Hackschnitzel sind preisstabil“.
Durch den lokalen Bezug sei man „sicher und unabhängig“ und in der Regel sei ein Anschluss an das eigene Haus eine Wertsteigerung.
Es gebe Zehnjahresverträge und sollte eine Insolvenz eintreten, habe die Gemeinde ein Vorkaufsrecht. Anschließer benötigen keinen Kaminkehrer mehr und der Heizkessel mit Öltank falle weg. Gerechnet werde für ein Einfamilienhaus mit einem 15 Kilowattstundenanschluss, Heizkörper bleiben, wie sie sind. Mit Umbaukosten von 38.000 Euro sei zu rechnen, abzüglich von bis zu 70 Prozent staatlicher Förderung. Im laufenden Betrieb seien die Hackschnitzel bei 2.000 Liter Heizöl sogar etwas billiger, auch die Rücklage für die eigene Heizung falle weg.
Energieberater Dieter Dirschedl vermittelte mit einer eng beschriebenen Tabelle einen Eindruck der komplexen Förderung durch den Staat: Einzelmaßnahmen, Grundfördersatz, Bonus für Geschwindigkeit, für Einkommen, für Fachplanung und Baubegleitung, für Effizienz und das alles von fünf bis 50 Prozent mit maximaler Grundförderung bis 70 Prozent bei Kombination und Höchstgrenzen von 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, Gewerbe zählen nach Quadratmeter.
„Sie sehen, wie schwierig das ist“, deshalb sei es wichtig, das vor Ort anzuschauen. Ein Bauplan des Hauses sei dazu erforderlich. „Sie haben dabei nichts zu verlieren“, zeigte er sich überzeugt. Gefördert werde der Anschluss an den Pufferspeicher, eine Flächenheizung, die Technik bis zum Abbau der Ölheizung. In Eiselfing kamen im Schnitt bei 26.000 Euro Anschlusskosten unterm Strich 5.000 bis 15.000 Euro auf die Eigentümer zu. Ein weiteres Argument für den Anschluss sei die Auflage der Bundesregierung, ab 2028 bis zu 65 Prozent mit erneuerbarer Energie zu erzeugen, was absehbar auf eine Solaranlage hinauslaufe.
Von den Besuchern gestellte Fragen betrafen den Standort der etwa 20 mal 30 Meter großen Heizanlage. Das ergebe sich jedoch aus dem Versorgungsgebiet, immerhin würden regelmäßig rund 200 Lastwagen im Jahr Hackschnitzel anliefern. Gutachten würden vor dem Bau Emissionen bewerten. Nein, Einsparungen beim Strom habe man nicht untersucht und erwähnt wurde das Neubaugebiet „West 5“. Das sei leider vorerst herausgefallen, denn hier sei der Energiebedarf aufgrund der neuen Häuser mit guter Dämmung gering. „Die Wirtschaftlichkeit ist grenzwertig“, ergänzte der Bürgermeister. Und weiter: Mit der Planung sei die kommunale Pflicht erfüllt, alles weitere sei Angelegenheit eines Betreibers.
Inwieweit eine öffentliche Ausschreibung Preise beeinflusse, sei schwer zu sagen, lautete eine weitere Antwort, da es wenig Anbieter gebe, die das bis 2028 erledigen können. „Das ist nur Angebot der Firma Hälbich an Pfaffing“, fasste Bürgermeister Niedermeier zusammen.
Im Sommer laufen die Kessel reduziert und jeder bezahle nur so viel Wärme, wie er verbraucht, lautete eine weitere Antwort. Holzofen und Solaranlage seien weiterhin möglich.
Gibt der Wald die Menge her? Ja, zeigte sich Hälbich zuversichtlich, man fahre große Mengen davon nach Österreich. Und nein, ohne eine Förderung könnte man sich eine solche Heizanlage nicht leisten.
Der Energieberater rechnet mit einer Gesamtinvestition von „15 bis 20 Millionen Euro“. Förderung gebe es nur, wenn eine alte Heizung außer Betrieb genommen werde.
Anschließen auch ohne
staatliche Zuwendung
Aber man könne auch ohne staatliche Zuwendung anschließen. Nach Abschluss jedoch nicht mehr, das Aufreißen der Straße sei „sehr teuer“, so der Fachmann. Wer sein Interesse noch zum Ausdruck bringen möchte, könne das im Rathaus tun, erklärte der Bürgermeister.