Eiselfing – Ortsteilversammlungen haben im Gegensatz zu Bürgerversammlungen keine Tagesordnung. Die Bürgerschaft selbst hatte das erste Wort und stellte dem Bürgermeister spontan Fragen. Nach Ansicht des Eiselfinger Bürgermeisters Georg Reinthaler (Grüne) ist das gut so. „Denn das ist lebendige Demokratie“, sagte er. Gleich in vier Ortsteilen, Eiselfing, Alteiselfing, Kerschdorf und Schilchau, fanden diese Versammlungen statt. 1971 hatte die Bayerische Staatsregierung die Gemeinden zur großen Flächengemeinde Eiselfing zusammengelegt.
Interesse bei allen Veranstaltungen gab es am Gebäude der Mittelschule, die seit Anfang des Jahres der Gemeinde Eiselfing gehört.
Sanierung des
Schulgebäudes im Fokus
Bezüglich des Schulgebäudes gab es die gleiche Frage: „Was wird denn im Gebäude eigentlich saniert?“ „Jetzt, nachdem wir selbst Besitzer der Immobilie sind, haben wir eigene Ausschreibungsmöglichkeiten“, sagte Georg Reinthaler und berichtete von ganz erheblichen Installationen im IT-Bereich. Zudem seien die Statik des Daches und das Dach insgesamt ein Thema bei den Überlegungen.
Der Bedarf für die Mittelschule und für die Grundschule ist jedenfalls gleichbleibend gut bis leicht steigend. Allerdings wird anscheinend das Interesse, Lehrer an einer Grund- und Mittelschule zu sein, immer geringer, besonders bei den Fachlehrern, wie die anwesende Schulrektorin Nadine Sauer bestätigen konnte.
Zukunft des Wertstoffhofs bleibt ungewiss
Auch die Zukunft des Wertstoffhofes beschäftigt die gesamte Eiselfinger Bürgerschaft. Die räumlichen und logistischen Verhältnisse in Hafenham sind sehr beengt und ziemlich ausgelastet. „Die Verantwortlichen im Landratsamt haben scheinbar überhaupt kein Interesse, hier Abhilfe zu schaffen. Bei der Zusammenlegung mit dem kommenden neuen Wasserburger Wertstoffhof direkt an unserer Gemeindegrenze geht nichts vorwärts, und eine Sanierung in Hafenham lässt auch auf sich warten“, schimpfte ein Bürger bei der Versammlung in Alteiselfing.
Im Eiselfinger Rathaus beschäftigt man sich seit Jahren mit dem Vorgang. „Aber wir selbst sind da nicht die handelnden Akteure. Das sind der Landkreis mit der Stadt Wasserburg, die Interesse an unserem Müll und den Wertstoffen schon deutlich gemacht hat“, konnte der Bürgermeister berichten. Momentan geht es seiner Aussage nach zwischen der Stadt und der Rosenheimer Behörde um die Gebühren, „weil halt mit den Wertstoffen auch etwas zu verdienen ist“.
Jedenfalls will der Eiselfinger Bürgermeister gemeinsam mit seinem Wasserburger Kollegen Michael Kölbl zeitnah im Landratsamt vorstellig werden. Mehrheitlich einig war man sich in den Versammlungen bei den Vorteilen der Lösung mit Wasserburg. Denn die täglichen Öffnungszeiten wären schon eine Verbesserung für die Bürgerschaft. Was aus dem Gelände in Hafenham dann werden könnte, war ebenfalls eine Frage. „Die frei werdenden Hallen und die Fläche könnte dann der Bauhof nutzen und hätte damit einfach mehr Platz für seine Aufgaben“, sagte der Bürgermeister.
Etwas spannender wurde es bei der Versammlung in Kerschdorf mit dem Thema des Glasfaserausbaus im Weiler Hausmehring. Dort gab es Schwierigkeiten mit der ausführenden Firma, die aus Sicht der Betroffenen zu wenig auf die Grenzsteine achtete und auch sonst nicht zur Zufriedenheit vieler Anwohner arbeitete. „Wir sind da richtig verärgert“, sagte einer der Anwohner, der berichtete, dass Hausanschlüsse nicht richtig funktionieren oder bei vielen noch gar nicht fertiggestellt sind.
Bürgermeister Georg Reinthaler sagte zu, dass er sich oder das Bauamt sich umgehend darum kümmern werde.
Zügiger
Breitbandausbau
Ganz anders und wesentlich überschaubarer und zügiger funktioniert der Breitbandausbau mittels Glasfaserkabel in den Orten Alteiselfing, Bachmehring und Eiselfing. „Da konnten wir selbst die ausschreibende Behörde und Entscheider sein. Vier Telekommunikationsfirmen als Betreiber haben sich beworben, und die Gemeinde selbst ist der Eigentümer“, sagte der Bürgermeister.
Der Straßen- und Wegebau war ein weiteres Thema quer durch die Gemeinde. Auch die Erweiterung des Radweges, beispielsweise in der Bergerstraße von und in Richtung Gammersham sowie in Richtung Amerang und Schonstett, stand auf der Wunschliste einiger Bürger. „Manches davon können wir nur noch schaffen, wenn die Bürgerschaft dabei aktiv mithilft. Im Bauhof fehlt uns einfach das Personal, und zur Finanzierung das dafür flüssige Kapital, leider auch beim Radwegeausbau. Die Finanzen der Gemeinde ermöglichen momentan nur noch Reparaturen, obwohl der Bauhof „maschinell aufgerüstet worden ist“, sagte Georg Reinthaler.
Zwar kontrolliere man die Gemeindestraßen über eine Liste, doch diese sei mittlerweile auch ziemlich lang. Gerade im Wegebau sei die Gemeinde auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, da kostenloses Material über den Bauhof im Wertstoffhof erhältlich sei. „Wie früher halt auch“, sagte ein Versammlungsteilnehmer. „Woher kommt denn die reduzierte Personaldecke?“, wollten einige der Anwesenden wissen. „Berentungen konnten nicht im gleichen Maße wiederbesetzt werden, weil wir mit dem Gehaltstarif im öffentlichen Dienst mit den Löhnen im Handwerksbereich einfach nicht mehr mithalten können“, antwortete der Bürgermeister.
Im Zusammenhang mit den Straßen in Alteiselfing wurden die Beleuchtung der Hauptstraße und der „ständig“ zugeparkte Gehweg vor der Osteria angesprochen.
Eine Frage an den Bürgermeister gab es noch zum Oberdeckenzustand der Dirnecker Straße. „Die wurde vom Landratsamt aus dem Maßnahmeplan gestrichen“, sagte er. „Und für uns als Gemeinde ist das finanziell nicht machbar. Auch weil es aufgrund der Landkreisentscheidung dafür keine Förderung gibt.“
Einen kurzen Diskurs gab es in Kerschdorf wegen der Umlegung der Kosten für Maßnahmen an einem alten privaten Regenwasserkanal. Hier gibt es zwischen der Gemeinde und den anliegend betroffenen Nutzern unterschiedliche Rechtsauffassungen. Mit deutlichen und verstehbaren Worten stellte Bürgermeister Georg Reinthaler klar, dass es sich hierbei um ein laufendes Verfahren handele und er deshalb in der öffentlichen Ortsteilversammlung darüber nicht debattieren könne und werde. „Das muss dann ein anderer, eigener Termin sein“, sagte er.
Auf die Fragen zu der Kanalsanierung in den verschiedenen Gemeindegebieten konnte der Bürgermeister zum Sachstand der Sanierungskonzepte aufschlussreiche Informationen weitergeben. „Festgestellt wurde dabei, dass rund 75 Prozent des gesamten Kanalsystems in Ordnung sind. Und das ist gut so. Denn schon für die verbleibenden 25 Prozent müssen wir eine sehr hohe sechsstellige Summe investieren, was wir im Rahmen der Haushaltslage auch tun werden und dann aber als Umlage an die Bürgerschaft weitergeben müssen.“
Der Biber sorgt
für Diskussionen
Wie immer in den Eiselfinger Bürger- und Ortsteilversammlungen bekam der Biber seine Aufmerksamkeit. Die ernsthafte Frage dazu war die Verantwortlichkeit, wenn ein Baum von sich aus im Biberschutzgebiet umfällt und dabei spielende Kinder trifft. Diese Sachlage ist in dieser Form scheinbar noch nie richtig geklärt worden. Georg Reinthaler wird sich deshalb umgehend an den Biberbeauftragten im Landratsamt wenden.
Humorvoller war dann ein anderer Redebeitrag. Ein Eiselfinger Bürger berichtete, wie der Biber, der aus manchen fließenden Gewässern schon „entnommen“ und vertrieben wurde, das Regenrückhaltebecken unterhalb der Siedlung Eiselfing-Nord zu seinem Habitat erklärt hat. Die Landkreisbehörde habe zwar schon versucht, durch akustische Signale den Biber wieder zu vertreiben. „Aber das hat den überhaupt nicht interessiert“, sagte der Redner.
Dass nun bald ein Funkmast eines Netzbetreibers an der B304 bei Straß aufgestellt wird, fand durchwegs Zustimmung bei der Bürgerschaft. Allein schon wegen einer dann sicheren Netzverbindung auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Feldern und in den Waldgebieten. Auch im Bereich von Thalham-Bergham soll demnächst so ein Mast von der Telekom stehen.
Gefragt wurde auch, ob es in der Gemeinde genug Trinkwasser für trockenere Zeiten gibt. „Wir haben genug Wasser in einer gleichbleibenden Menge“, konnte Georg Reinthaler die Bürger beruhigen.
Zukunftsthemen:
Energie und Wärme
Zum Abschluss gab es noch Fragen zur Solarenergie auf den Dächern der Gemeindeimmobilien sowie zur Installierung der Fernwärme durch einen örtlichen Anbieter. Hier erinnerte der Bürgermeister zunächst an die Informationen aus dem Gemeindeamt und die Presseberichterstattung aus den Gemeinderatssitzungen. Trotzdem gab es noch ein paar kurze Hinweise von ihm. Man werde die Solarenergie nur dort installieren, wo es technisch sinnvoll und somit rentabel sei. Und es werde aktiv geprüft, welche möglichen Angebote es für eine Bürgerbeteiligung geben kann. Humorvoll merkte er zusätzlich an, dass dies nicht für das private Bio-Energie-Projekt in Aham-Perfall gelte.
Fernwärmeanschlüsse
erhöhen Gewerbesteuer
Zu den Fernwärmeanschlussmöglichkeiten gab es noch eine recht interessante Information: Der Anschluss werde durch geringe Eigenkosten rentabel, und für die Gemeinde steige mit jedem Anschluss der Gewerbesteueranteil, da das Unternehmen im örtlichen Gewerbegebiet angesiedelt sei.