„An Macht und Stimme gewonnen“

von Redaktion

Langjährige Mitglieder des Vereins „Für das Erinnern“ im Bayerischen Landtag geehrt

Mühldorf/München – „Die langjährige Arbeit zur Erinnerung an die Opfer des KZs Mühldorf ist im Bayerischen Landtag gewürdigt worden. Mitglieder des Vereins „Für das Erinnern“, die sich seit der Gründung für eine Gedenkstätte im Mühldorfer Hart engagieren, sind auf Einladung von Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, ausgezeichnet worden. Wie die Stiftung mitteilt, fand die Ehrung im Akademiesaal des Maximilianeums statt.

Freller betonte bei der Feierstunde, dass sich die Gründungsmitglieder im reinen Ehrenamt stark bemüht hätten, einen Kreis von Gleichgesinnten zu schaffen, der dafür gesorgt habe, dass die Lager und das Leid nicht vergessen werden.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Nationalsozialisten im Mühldorfer Hart eine teilweise unterirdische Fabrik zur Herstellung von Kampfflugzeugen errichten wollen. Dabei kamen weit über viertausend KZ-Häftlinge ums Leben. Das KZ Mühldorf war ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau.

Über viele Jahrzehnte drohte das Lager in Vergessenheit zu geraten. Ende der 90er-Jahre entstanden in Mühldorf zahlreiche Initiativen, um die Erinnerung an die NS-Verbrechen wachzuhalten.

Verschiedene Akteure und Organisationen wie der Heimatbund oder die Mühldorfer Geschichtswerkstatt setzten sich für den Erhalt der Überreste und deren Neugestaltung ein. Ein gemeinsames und abgestimmtes Vorgehen fehlte jedoch zunächst. Den entscheidenden Impuls lieferte eine Ausstellung von Rosenheimer Architekturstudenten zur Gestaltung einer Gedenkstätte im Jahr 1999. Franz Langstein, damaliger Geschäftsführer des Katholischen Kreisbildungswerks, erkannte das Defizit und bündelte die Aktivitäten in einer Arbeitsgemeinschaft, die zwei Jahre später zum Verein „Für das Erinnern“ wurde. Langstein erinnerte daran, dass damals eine Plattform gefehlt habe, auf die sich die Engagierten hätten stellen können.

Nachdem diese geschaffen worden sei, hätten die Menschen an Macht und Stimme gewonnen, um den Erhalt und die Gestaltung der KZ-Überreste voranzutreiben.

Ein weiteres Verdienst des Vereins ist laut Freller die Gewinnung der Politik im Landkreis und im Freistaat für das Anliegen, neben Dachau und Flossenbürg auch kleinere Lager in den Blick zu nehmen und Mittel für deren Erhalt bereitzustellen. Freller hob hervor, dass der Verein dazu beigetragen habe, dass sich der Staat des Themas stärker annimmt.

Seit 2003 bündelt der Freistaat sein Engagement für die Konzentrationslager in der Gedenkstätten-Stiftung. Freller betonte, dass es nun ein konstruktives Miteinander der ehrenamtlichen Arbeit vor Ort und der professionellen Arbeit der Stiftung gebe. Die Stiftung sei sehr dankbar für diese ehrenamtliche Arbeit. Für Freller ist die Beachtung der Außenlager von immenser Bedeutung, das Gedenken dürfe sich nicht nur auf die beiden großen KZs konzentrieren.

Der Verein „Für das Erinnern“ verankerte die Erinnerung an das KZ in der Region durch Gedenkfeiern, Führungen, die Einbindung von Schulen und Jugendlichen sowie die Kontaktpflege zu Opferorganisationen im In- und Ausland. Langstein versprach, dass der Verein auch nach Fertigstellung des dritten Gedenkorts im Bunkergelände seine Arbeit fortsetzen werde.

Freller hatte die Vereinsarbeit so charakterisiert: Die Mitglieder zeigten vor Ort, dass es überall in Bayern Orte gegeben habe, in denen die Nationalsozialisten Menschen zu Tode arbeiten ließen. Der Vorsitzende der Bayerischen Gedenkstättenstiftung mahnte, dass niemand geahnt hätte, wie schnell das Thema wieder an Aktualität gewinne.

Markus Saller, UWG-Landtagsabgeordneter, sprach bei der Ehrung von „unglaublich wertvoller Arbeit“ und forderte den Verein auf, die Gedenkstätte zu einer Begegnungsstätte zu machen. Die Ehrung verdeutlichte allerdings auch, dass der Verein trotz Einbindung von Schulen und Jugendgruppen wie viele andere Vereine unter Überalterung leidet. Ein Teil der Gründungsmitglieder lebt nicht mehr, viele andere sind bereits in fortgeschrittenem Alter.

Langstein erinnerte an die verstorbenen Mitglieder als Wegbereiter der Erinnerungskultur im Landkreis.

Spätestens am Mittwoch, 1. März 2028, soll nach den Gedenkorten im ehemaligen Waldlager und Massengrab auch die zentrale Fläche am letzten Bunkerbogen fertiggestellt sein.

Langstein äußerte die Hoffnung, dass die Gestaltung bereits im Herbst am Donnerstag, 30. September 2027, abgeschlossen werden könnte – dann genau 25 Jahre nach Gründung des Vereins „Für das Erinnern“.

Geehrt wurden bei der Feierstunde: Dr. Erhard Bosch, Dr. Reinhard Wanka, Dr. Hans Dworzak, Clothilde Wimmer, Günter Schodlok, Heinrich Baumert, Ludwig Zolnierz, Andreas Bialas, Karl Hofschaller, Stefan Schalk, Heiner Heine, Markus Honervogt, Edwin Hamberger und Franz Langstein.

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