Ramerberg – Die Kirchenrenovierung, ein Ramerberger Jahrhundert-Projekt, läuft auf Hochtouren. Nach voraussichtlich zweijähriger Bauzeit soll Ende 2027 die Ramerberger St. Leonhardskirche in neuem Glanz erstrahlen. Die aktuellen Baumaßnahmen haben bisweilen keinen nennenswerten Einfluss auf die Gottesdienstordnung. Nach Ostern kommenden Jahres aber bleibt die Kirche dann für längere Zeit komplett gesperrt.
Im Rahmen einer Infoveranstaltung gaben die Architektin Birgit Ströbitzer und der Fachbauleiter Wolfgang Lauber Antworten auf viele Fragen und lieferten Einblicke zu allen Renovierungsmaßnahmen.
Aktueller Stand
und weiterer Verlauf
Weit mehr als erwartet, nutzten neben zahlreichen Einheimischen auch viele auswärtige Interessenten die Gelegenheit, sich dabei über den aktuellen Stand und weiteren Verlauf zu informieren. Nach den Worten der Architektin Birgit Ströbitzer ist die Renovierung nicht nur ein notwendiger Schritt, um das historische Bauwerk zu erhalten. Mit großer Sorgfalt und Respekt gegenüber der gewachsenen Bausubstanz sowie der religiösen und kulturellen Bedeutung des Ortes soll das Projekt zugleich den heutigen Anforderungen gerecht werden. Nach weitreichender Fertigstellung des Kirchturms zählen zu den weiteren Maßnahmen die Sanierung des Dachstuhls und die komplette Erneuerung der Dachdeckung mit Biberschwanzziegeln. Witterungsabhängig folgt die Restaurierung der stark verwitterten Fassaden und eine umfangreiche Fundamentsanierung. Voraussichtlich nach dem Osterfest kommenden Jahres wird der Innenraum der Kirche vollständig leer geräumt. Die gesamte Raumschale inklusive Ausstattung und Gestühl wird restauriert und die Elektroinstallation muss komplett erneuert werden. Eine Sockelheizung mit Heizschleifen in abgestuften Wandhöhen sorgt dann für eine effiziente Raumtemperierung und unterstützt die Trocknung des feuchten Mauerwerks.
Die Kirchenorgel wird technisch modernisiert und erhält zur Verbesserung der Akustik einen neuen Standort. Ein innen liegendes schmiedeeisernes Gitter unter der Empore ermöglicht künftig einen Zugang auch außerhalb der Öffnungszeiten. Im Eingangsbereich wird der Taufort erneuert und der Liturgiebereich mit neuem Volksaltar und Ambo neugestaltet.
Der landesweit als Restaurator und Kirchenmaler bekannte Wolfgang Lauber aus Bad Endorf ist Fachbauleiter der Ramerberger Kirchenrenovierung und somit maßgeblich an allen Maßnahmen beteiligt. Nach seiner Darlegung ist die heutige Leonhardskirche der einzige Ort in Ramerberg, an dem die Kulturgeschichte von tausend Jahren ablesbar ist. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder im Geist der jeweiligen Zeit umgestaltet. Als Kirche ist sie in erster Linie zwar ein Gotteshaus, zugleich ein Kunstraum sowie weit aufgeschlagenes Geschichtsbuch. Die unteren Geschosse des wuchtigen, gedrungenen Turms sind die ältesten Teile der Ramerberger Kirche. Sie sind romanisch und somit gut tausend Jahre alt. Die Kirche, wie sie sich heute darstellt, wurde größtenteils im 15. Jahrhundert gebaut und entstammt somit der späten Gotik. Während der Barockzeit wurde die Kirche zweimal tief greifend umgestaltet. Von den drei neuen Altären im späten 17. Jahrhundert ist der barocke Hochaltar bis heute erhalten.
Ihre in künstlerischer Hinsicht hochwertigste Ausstattung erhielt die Kirche gut einhundert Jahre später: Die Seitenaltäre und die Kanzel im Stil des späten Rokokos stammen mit großer Wahrscheinlichkeit von Josef Götsch, dem Künstler also, der kurz vorher zusammen mit Ignaz Günther die Rotter Klosterkirche ausgestaltete.
Radikaler Wandel
des Geschmacks
Es vergingen keine hundert Jahre und der Rokoko-Stil war ganz aus der Mode. Die Deckengemälde wurden übermalt und in das südöstliche Chorfenster wurde ein Buntglasfenster im Stil der Nazarener eingefügt. Und nur gut ein halbes Jahrhundert später wieder ein radikaler Wandel des Zeitgeschmacks: Das Rokoko wurde wieder entdeckt – und somit wurden in Ramerberg im Zuge der letzten umfassenden Renovierung 1937 die Deckengemälde wieder freigelegt und (wir berichteten) das Buntglasfenster verschlossen.