Ende nächsten Jahres ist Schluss

von Redaktion

Boutique „La Donna“ in der Fletzingergasse schließt – Konkurrenz aus dem Internet zu stark

Wasserburg – Ende nächsten Jahres ist Schluss. „Es ist einfach nicht mehr rentabel“, lautet die nüchterne Erklärung.

Wir sitzen mitten im „La Donna“. Um uns herum zieren die ersten Kleidungsstücke bereits Rabattmarkerl. Noch ein weiteres Jahr möchte Westner für ihre Kunden da sein – auch, weil sie eine Mindestabnahme für ihre Waren einhalten und zwölf Monate im Voraus Bestellungen für ihre Lagerbestände aufgeben muss.

Dieser Schritt ist getan. Nun lässt die Wasserburgerin das Geschäft langsam auslaufen, peu à peu mit Schnäppchenangeboten. „Räumungsverkauf“ steht in großen Buchstaben an der Ladentür.

„Mir tut‘s leid um die
treuen Kunden“

Westner hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sie stand immer gerne in ihrem Laden. Vor zwölf Jahren zog sie vom Weberzipfel in die Fletzingergasse. Sie hängt an Wasserburg und den Leuten. Die wechselnde Mode, der Kontakt mit den Kunden, die vielseitigen Messen – das alles bereitete ihr große Freude. „Ich bin froh, schon so alt zu sein. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre jünger und müsste zusperren“, sagt die 58-Jährige und ihre Stimme gerät ins Stocken. „Mir tut‘s leid um die jahrelangen treuen Kunden, die nicht nur aus der Gegend, sondern auch von weiter weg, unter anderem aus München kamen. Man kennt sich einfach – ich bin mit der Kundschaft älter geworden. Der Kontakt wird mir fehlen.“

Sie ist überzeugt: „Viele hören auf, obwohl’s noch länger gehen könnte. Das ist eine Entwicklung.“ Als größten Gegner des Einzelhandels deklariert sie den Internethandel.

„Online-Shops werben mit Rabattaktionen, Gutscheincodes und Schleuderpreisen. Hinzu kommt, dass die Leute bequem werden und mit wenigen Klicks mehr Auswahl haben, ohne dafür das Haus verlassen zu müssen. Das Internet zerstört das, was wir Einzelhändler über Jahre hinweg aufgebaut haben. Und es wird immer schlimmer.“

Eine Einschätzung, die auch Stefan Gartner vom gleichnamigen „DHL-Versandprofi“ am Bahnhofsplatz teilt – und harte Worte findet: „Paket-Versand, Online-Handel – ja, freilich wird das immer mehr. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mittlerweile jeder Mist ohne groß zu überlegen online bestellt und dem Kunden Bequemlichkeit suggeriert wird.“

Besonders schlimm sei es Gartner zufolge gerade jetzt nach der „Black Week“, dem „Cyber Monday“ und in der Weihnachtszeit. „Es wird einfach alles bestellt und bei uns geht Retouren-Paket um Retouren-Paket über den Tisch. Das ist nicht nur in puncto Nachhaltigkeit der pure Wahnsinn.“

Er ist sich sicher: Die Struktur wird sich ändern. „Pakete persönlich in Empfang zu nehmen, sehe ich als Auslaufmodell. In naher Zukunft wird das alles über Automaten abgewickelt. Die Leute, die heute an der Übergabestation arbeiten, packen irgendwann im Lager. Noch sind wir nicht so weit, aber die Tendenz ist da – wir verfolgen diese Entwicklung tagtäglich.“

Westner macht sich in erster Linie Sorgen um die Zukunft des Einzelhandels. Sie befürchtet, es folge eine Generation, die nur mehr bestellt und kaum noch vor Ort im Laden einkauft. „Dabei ist der persönliche Kontakt so wichtig“, unterstreicht sie.

„Was passiert, wenn die Entwicklung so weitergeht und was macht das mit der Stadt Wasserburg?“ Fragen, die unbeantwortet bleiben.

Für Westner persönlich gibt es nun in naher Zukunft ein paar Dinge, die sie anpacken möchte, sobald sie dafür nach der Auflösung ihres Ladens Zeit hat. „Ich habe einige Ideen, jedoch ist noch nichts spruchreif.“

Erste Anfragen
gibt es bereits

Der Laden am Palmanopark soll erhalten bleiben, erste Anfragen für die alten Räumlichkeiten mit dem eindrucksvollen Gewölbe gibt es bereits. Was genau „La Donna“ beerben wird, steht noch aus. In der Entscheidungsfindung ist Westner offen – auch, ob es ein neuer Einzelhandel werden könnte.

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