Von der Innstadt und ihrer Geschichte inspiriert

von Redaktion

Interview Bestseller-Autorin Ellen Sandberg alias Inge Löhnig über ihr neues Buch „Rauhnächte“

Wasserburg – Die sogenannten Raunächte stehen vor der Tür. Gemeint sind damit die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar. Passend dazu brachte Autorin Inge Löhnig am 12. November unter ihrem Alias-Namen Ellen Sandberg einen Roman mit dem Titel „Rauhnächte“ heraus. Das Buch der gebürtigen Münchnerin spielt in Wasserburg.

Die 68-Jährige ließ sich von der Innstadt und ihrer Geschichte inspirieren. Am 6. Dezember kommt sie für eine Signierstunde nach Wasserburg in die Buchhandlung Herzog. Vorab verrät sie im OVB-Interview, was sie an Wasserburg besonders fasziniert und warum sie sich dazu entschieden hat, die Stadt als Schauplatz zu nutzen.

Worum geht es denn in Ihrem Buch „Rauhnächte“?

Auf der einen Ebene geht es um die 21-jährige Pia. In der Weihnachtsnacht belauscht sie einen Streit zwischen ihren Eltern und erfährt so, dass sie adoptiert worden ist.

Die Frau, die angeblich ihre Tante ist, ist eigentlich ihre Mutter. Und diese ist vor vielen Jahren in einem kleinen Dorf in der Nähe von Wasserburg umgekommen. Der Ort heißt Galsterried und ist fiktiv. Dorthin fährt Pia, um herauszufinden, wer ihr echter Vater ist. In der Ahnenreihe von Pia gibt es außerdem eine Hexe. Diese wurde als eine der letzten in Wasserburg verbrannt.

Natürlich war sie keine Hexe in dem Sinne, sondern einfach eine heilkundige Frau, die sich mit Kräutern auskannte. Sie trug bereits den Spitznamen ‚Fuchserl‘, genau wie Pias echte Mutter und heute Pia.

Und worum geht es auf der zweiten Ebene?

Um die Heldenreise der Protagonistin. Anfangs ist Pia sehr verunsichert. Mit der Zeit wird sie aber das Erbe ihrer Ahnen annehmen und zu einer starken und unabhängigen Frau werden. Sie deckt ihr Familiengeheimnis auf und auf dem Weg dorthin findet sie zu sich selbst.

Können Sie sich mit Pia identifizieren?

Sie wird in der letzten Raunacht 22 und ist noch sehr jung. Ich bin 68. Es ist also schon ein Weilchen her, dass ich in diesem Alter war (lacht). Aber ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern und an die Themen, die einen beschäftigen. Die ändern sich ja nicht. Man will erwachsen werden, sich von den Eltern abnabeln und herausfinden, wer man ist.

Warum haben Sie sich für die Region Wasserburg als Schauplatz entschieden?

Wasserburg hat mich schon immer angezogen. Deshalb habe ich dort mal eine Stadtführung bei Ilona Picha-Höberth gemacht. Die Stadtführerin hat dabei ihr selbst geschriebenes Märchen vom ‚Fuchserl‘ erzählt. Da habe ich gedacht, dass das super zu meiner Figur passen würde, von der ich damals schon einen groben Entwurf im Kopf hatte. Und es war klar, dass das Buch in Wasserburg spielen würde. Die Stadtführerin hat mir zudem erlaubt, das Märchen zu verwenden. Am Ende des Buches ist es auch abgedruckt.

Welche Orte spielen in dem Buch eine große Rolle?

Da ist einmal der fiktive Ort Galsterried. Dann habe ich mir die Freiheit genommen, eine 500 Jahre alte Eiche zu erfinden, die in einer Biegung des Inns steht. Sie spielt eine zentrale Rolle. Bei der Beschreibung von Wasserburg habe ich mich natürlich an der realen Stadt orientiert, ich war ein paar Mal dort. Dennoch nehme ich mir immer eine gewisse Freiheit.

Das Buch heißt „Rauhnächte“ und spielt auch genau in dieser Zeit zwischen Weihnachten und Heilige-Drei-Könige. Warum?

Diese zwölf Nächte sind einfach sehr mystisch aufgeladen. Das passte gut zum Hintergrund mit der Hexe. Und es gibt immer noch Leute, die sich an die alten Bräuche halten. Sie stellen Lichter in die Fenster, waschen keine Wäsche und räuchern Wohnungen aus, um sie von Geistern zu befreien.

Sind diese Bräuche auch für Sie persönlich wichtig?

Tatsächlich nicht. Ich finde es aber sehr interessant, dem Ganzen auf den Grund zu gehen.

Es gibt zum Beispiel den Brauch, dass man in den Raunächten nicht arbeiten soll. Alle Aufgaben müssen vorher zu Ende gebracht werden. Weiter an ihnen arbeiten darf man erst ab dem 6. Januar. Das hat den Grund, dass früher gerade die Landbevölkerung arbeitsintensive Monate hinter sich hatte. Da brauchte man einfach ein bisschen Ruhe und Zeit zum Verschnaufen. Dafür sind die Raunächte ideal.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Schreibtag aus?

Das Schreiben ist nur ein Teil des Prozesses. Zuerst braucht man eine Grundidee. Dann fängt man an zu recherchieren, versucht, Figuren und die Handlung zu entwickeln. In dieser Zeit lese ich viel und spreche mit Leuten. Für Pias Geschichte habe ich eine Raunacht-Führung in Wasserburg gemacht. Steht der grobe Plan, fängt man mit dem Schreiben an. Das ist eine einsame Sache. Da sitze ich ganz alleine in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch. Ich kann nicht im Café oder in der Bahn schreiben. In der Regel sitze ich bis Mittag daran. Dann brauche ich erst einmal eine Pause. Am späteren Nachmittag geht es meist noch einmal weiter.

Wie lange dauert es, bis ein Buch fertig ist?

Ich versuche immer, mir ein Jahr Zeit dafür zu nehmen. Es ist aber unterschiedlich. Meinen ersten Ellen-Sandberg-Roman „Die Vergessenen“ habe ich zehn Jahre mit mir herumgeschleppt und dazu recherchiert – bevor ich mich überhaupt ans Schreiben gewagt habe. Darin geht es um die sogenannten Euthanasie-Morde im Dritten Reich. Das ist ein komplexes Thema.

Sie haben bereits Bücher unter Ihrem echten Namen Inge Löhnig geschrieben – aber eben auch unter dem Pseudonym Ellen Sandberg. Warum?

Als Inge Löhnig habe ich eine Krimiserie veröffentlicht. Als ich „Die Vergessenen“ geschrieben habe, wusste ich, dass ich ein Pseudonym brauche.

Der Roman konnte nicht als Buch von Inge Löhnig veröffentlicht werden, weil meine Leser, wenn sie den Namen sehen, vielleicht einfach zugreifen.

Und dann einen weiteren Band meiner Krimireihe erwarten.

Welche Bücher lesen Sie selbst gerne?

Früher habe ich Krimis regelrecht verschlungen. Aber als ich selbst begann, Krimis zu schreiben, wurde es mir zu viel.

Ich lese aber sehr gerne Romane über Familien, in denen sich diese über Generationen entwickeln. Gerade habe ich Lázár von Nelio Biedermann gelesen. Das finde ich einfach großartig.

Am heutigen Samstag sind Sie in Wasserburg. Was genau haben Sie geplant?

Es wird eine Signierstunde geben. Ich setze mich also hin und signiere Bücher. Darüber hinaus können die Leute natürlich sehr gerne auch mit mir ins Gespräch kommen.

Magdalena Aberle

Inge Löhnigin Wasserburg

Artikel 7 von 11