Mühldorf – Geboren in Paris, daheim in Hamburg: Alfons, der mit bürgerlichem Namen Emmanuel Peterfalvi heißt, wollte zurück sein, sobald er die Deutschen verstanden hat. Doch dies scheint auch nach 34 Jahren nicht der Fall zu sein. Solange nämlich ist Alfons schon in der Bundesrepublik.
Woran liegt‘s, wollen wir von ihm wissen. „An euch“, lautet die knappe und präzise Antwort, die mit einem breiten Grinsen untermalt ist. „Tatsächlich hatte ich vor, nur kurz zu bleiben. Als ich mit dem Studium in Paris fertig war, gab es statt der Militärverpflichtung auch die Option, ein Tochterunternehmen einer französischen Firma im Ausland zu wählen. Dabei dachte ich eher an die Karibik, doch es wurde Deutschland – die Karibik Europas.“
Nur das „normale“
französische Essen fehlt
16 Monate hätte der Einsatz gedauert und Alfons wollte ursprünglich keinen Tag länger bleiben – tat es dann aber doch, weil es ihm schlicht und ergreifend gefallen hat. „Ich habe Land und Leute lieben und schätzen gelernt. Und ich habe viele Dinge kennengelernt, die ich als Außenstehender genial finde, die wiederum den Deutschen wahrscheinlich gar nicht auffallen.“
Wie zum Beispiel, sich zur Problemlösung an einen Tisch zu setzen und einen Kompromiss für alle zu finden, unterstreicht Alfons: „In Frankreich setzt man sich nur an einen Tisch, um den anderen über ebendiesen zu ziehen.“ Oder das Reißverschlussverfahren: „In Frankreich kannst du noch so viele Schilder aufstellen, da funktioniert das nicht. In Deutschland schon. Das System, das einem nach dem anderen das Einfahren erlaubt, ohne ein Verkehrschaos zu verursachen, kann ich mir heute noch als Fußgänger eine Viertelstunde lang fasziniert ansehen.“
Und irgendwann wurde Alfons klar: „Ich haue nicht ab, ich bleibe hier. So konnte ich das natürlich daheim nicht sagen. Da erklärte ich, es sei blöd gelaufen, das Militär habe verlängert. Meine Mama glaubt das heute noch.“ An Frankreich vermisst er lediglich das „richtig normale Essen“: „Schnecken, Austern, Frösche, Innereien; so was eben.“ Und natürlich entlarvt ihn der französische Akzent.
Am Mittwoch, 17. Dezember, ist der Wahldeutsche im Stadtsaal in Mühldorf zu erleben – als Kabarettist, Comedian und in erster Linie als Geschichtenerzähler. Alfons möchte mit seiner ehrlichen und direkten Art die Menschen persönlich erreichen.
In seinem Programm „Le Best Of“ präsentiert er eine Auswahl seiner Highlights: das Beste aus seinen langjährigen Studien zum Verhalten der Deutschen in freier Wildbahn – darunter natürlich einige seiner berühmt-berüchtigten Reportagen aus diesem Land der Dichter und Klempner, Kleingärtner und Hinterwäldler. Die Mühldorfer dürfen sich also auf einen fiesen Angriff auf die Lachmuskeln freuen. „Es wird viel zu lachen geben. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass wir alle zusammen lachen und ich eure Herzen erreiche. Ein Gag nach dem anderen aber reicht mir nicht. Ich bringe auch ein paar Geschichten mit, die zum Nachdenken anregen. Und ich möchte extra betonen: Keiner muss Angst haben, das Puschelmikro bleibt zu Hause. Das Publikum ist sicher vor Interviewfragen, auch die Zuschauer in der ersten Reihe“, ergänzt er lachend.
Das Schicksal eines Tourneekünstlers ist es, von den Spielorten kaum etwas mitzubekommen, weswegen ihm die Innsalzach-Region und Südostbayern eher unbekannt sind, was Alfons doch sehr bedaure: „Gerade in Bayern gibt es so tolle Landschaften. Ich liebe die Berge und würde sie gerne im Rahmen einer Wanderung näher inspizieren. Doch es ist frustrierend, am nächsten Tag gleich weiter- eilen zu müssen.“
Mit dem bayerischen Dialekt indes komme Alfons recht gut zurecht, sofern er nicht ganz haarsträubend ums Eck käme. „Dann bin ich total ratlos.“
Neben all der Comedy nimmt er gerne die Politik messerscharf unter die Lupe – und aufs Korn. Zur aktuellen politischen Lage hat Alfons eine klare Botschaft in Hinblick auf seine gemeinnützige Demokratie-Stiftung: „Grande-Mère“, benannt nach seiner Oma, einer Auschwitz-Überlebenden, die sich bis an ihr Lebensende gegen Hass und für Toleranz, Völkerverständigung und Demokratie engagierte.
„In Frankreich ist Rechtsextremismus sehr erfolgreich. Das ist bedauernswert, hat mich aber nicht erstaunt. Dass dieser Ruck jedoch in Deutschland ebenso möglich ist, erstaunt mich durchaus. Ich bin inzwischen auch Deutscher und sage: Das sind wir nicht. Wir sind keine Landeshasser, wir sind das Landesreißverschlussverfahren.“ Seit 2023 gibt es das Projekt „Alfons spielt für Schulen“ rund um sein autobiografisches Programm „Jetzt noch deutscherer“. Dabei sucht er den Dialog mit den Schülern, redet mit ihnen über Demokratie: „Die Jugend hat oft das Gefühl, die Gesellschaft wird von alten Säcken regiert, die Politik für alte Säcke macht – wir müssen uns mehr um die Jugendlichen kümmern.“
Alfons möchte ein
Musikprojekt fortsetzen
Und wo sieht sich Alfons in den nächsten fünf Jahren? Eine Frage, über die er tatsächlich kurz nachdenken muss. „Ich habe ein Musikprojekt, das würde ich gerne fortsetzen und intensivieren“, sagt er nach einer Weile. Als Geschichtenerzähler sieht er sich freilich weiterhin. „Diesen Weg habe ich für mich gefunden, ich möchte die Herzen der Menschen erreichen.“
Wie viel Alfons steckt eigentlich wirklich in Emmanuel Peterfalvi? „Viel – und umgekehrt auch“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die Grenze sei schwer zu definieren und mittlerweile stelle sich der 58-Jährige diese Frage gar nicht mehr.
„Ganz kann man das sowieso nie beantworten. Alfons lebt Dinge aus, die Emmanuel sich nie trauen würde, die ihn aber ganz weit nach vorne bringen im Leben. Alfons ist liebenswert. Er duzt alle – vom Kind bis zum Bundeskanzler. Dabei eckt er zwar manchmal an, wirklich böse sein kann ihm aber keiner lange“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.