Fuchs, du hast die Gans gestohlen

von Redaktion

Beim „Kripperl-Schauen“ der Mühldorfer Kolpingsfamilie allerhand Kurioses entdeckt

Mühldorf – Mühldorfs Kolpingsfamilie stellte zusammen mit der Stadtkirche im Pfarrsaal St. Nikolaus Hauskrippen aus. Dort hatten die Besucher viel zu schauen: Größere und winzig kleine „Kripperl“ und verwandte Advent-Arrangements waren zu sehen. Nicht alle trugen den Besitzernamen, geschweige denn Notizen zu Herkunft und Besonderheit der häuslichen Advents- und Weihnachtsschätze.

Vor der einen Krippe musste man länger verweilen, um alle Kleinigkeiten, die gar nicht alle wesentlich für eine Weihnachtskrippe sind, mitzukriegen. Vor der anderen kamen Erinnerungen an die längst vergangene Zeit hoch, in der man als „Kripperl-Fan“ nach Altötting geradelt war, um endlich den dritten der heiligen Drei Könige oder ein gut funktionierendes rotes Lagerfeuerlämpchen für die Hirtenszene zu erstehen.

Die eine oder andere
Kuriosität entdecken

Und siehe da, auch eine „Margarinen-Krippe“ war zu sehen, deren Figuren man als Kind beim Kauf einer bestimmten Butterersatz-Marke sammeln konnte. Man entdeckte, wenn man sich ein bisserl Zeit nahm, die eine oder andere Kuriosität.

Drei davon durfte man nicht übersehen haben: Nicht auf Anhieb war ein Wachsbild im mit Perlen und Goldfäden gefassten Neo-Rokoko-Rahmen zu verstehen: Eine Frau im blauen Überwurf sitzt, ein Mann im langen Mantel steht vor einem weißen noblen orientalischen Haus, dahinter Zypressen… Beim näheren Hinsehen drängte sich das Bild von der Herbergssuche der schwangeren heiligen Maria und des an die Tür klopfenden Josef auf. Der alte Brauch des Frauentragens, der nicht nur in der Mühldorfer Gegend gepflegt wurde, kam einem da in den Sinn.

Ein zentraler Adventgedanke findet hier Ausdruck, der genau in diese Tage passt, die im Zeichen des Weges, des Aufbruchs und des Wanderns stehen. Beim Evangelisten Lukas 2,7 heißt es doch, dass für beide Unterkunftsuchende kein Platz war. Und das Lied „Wer klopfet an?“ fällt einem ein, bei jedem Adventssingen gehört oder mitgesungen.

Felsige Landschaft in der Nähe des Stalls von Bethlehem. Gestrüpp und wilder Bachlauf. Ein Engel, man erkennt ihn erst beim genauen Betrachten an den Flügeln, weiß mit Blümchenmuster gekleidet wie ein adeliges Mädchen, wagt es, mit einem langstieligen Besen die Böschung hinunter- zujagen, um einen Fuchs zu verscheuchen, der mitsamt gestohlener Gans das Christkind erschrecken könnte. Sicher gehört der Besenschwinger zur Bethlehemer Gloria-Engel-Schar.

Er hat wohl die Aufgabe übernommen, nicht nur „Ehre sei Gott“ zu singen, sondern auch aufzupassen, dass dem Christkind in der Krippe kein Leid geschieht. Diese Szene ist nirgends in der Heiligen Schrift verbürgt, sondern einzig und allein der Fantasie des gewitzten Krippenbauers entsprungen.

Eine Miezekatze bewacht einen Getreidesack

Ein prachtvolles Gebäude ist es, in dem im Untergeschoss nicht eine Garage, sondern ein „Stall von Bethlehem“ untergebracht ist. Mit Laterne, Ochs und Esel, den Maria und Josef mit ihrem Neugeborenen, das auf weißes Linnen gebettet ist. Sogar ein Wachhund und bäuerliche Küchenkeramik sind auf dem strohbedeckten Stallboden zu finden.

Vor der Tür im Obergeschoss hockt eine Miezekatze. Und da lehnt doch auch ein Getreidesack mit dem Aufdruck „Jakob Unterreithmeier 1946“. Der Familie mit gleichem Namen dürfte diese Weihnachtskrippe gehören. Der auf den Sack gedruckte Name deckt sich nahezu buchstäblich mit dem des am 21. April 2023 an seinem 77. Geburtstag nach kurzer, schwerer Krankheit gestorbenen beliebten Mühldorfer StadtkirchenDiakon.

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