Parkplatz oder Fahrradständer?

von Redaktion

Altstadt soll fahrradfreundlicher werden – Wasserburger Bauausschuss uneins bei Färbergasse

Wasserburg am Inn – Wasserburg will fahrradfreundlicher werden, das hat sich die Stadt schon lange auf die Fahne geschrieben. Um das umzusetzen, erfolgte kürzlich eine Begehung mit dem Ortsverband des Fahrradclubs ADFC mit dem Ziel, mehr Fahrradständer in die Altstadt zu bringen. Die Ergebnisse wurden nun in der jüngsten Bauausschusssitzung vorgestellt.

Barrierefreiheit darf nicht eingeschränkt werden

16 weitere Fahrradständer wären möglich, erklärte Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Die Voraussetzung für ihre Installation: Sie sollen weder Schaufenster noch Zugänge zu Geschäften und Wohnhäusern blockieren. Sie sollen zudem auch während der Märkte stehen bleiben können, dürfen also nicht dort hinkommen, wo Buden genehmigt sind. „Der Bauhof hat einfach keine Zeit, die Ständer vor dem Markt abzumontieren und danach wieder hinzubauen“, so Herrmann. Außerdem dürfen die Ständer die Barrierefreiheit in der Stadt nicht beeinträchtigen.

Und genau das war der Knackpunkt. Denn eigentlich wünschte sich der ADFC in der Färbergasse Fahrradständer. Hier gibt es bislang keinen einzigen. Auf dem Gehweg sei eine Installation allerdings nicht möglich, wie Herrmann bemerkte. Der Gehweg sei zu schmal, Menschen mit Rollator und Kinderwagen müssten im Zweifel auf die Straße ausweichen. „Und das ist natürlich nicht Sinn der Sache.“ Einzige Möglichkeit: Auf einen der Parkplätze in der Färbergasse die Ständer installieren. Aktuell sind hier vier Stellplätze eingezeichnet. Bis vor wenigen Jahren musste hier wegen Geschäftstätigkeiten der Metzgerei Maurer eine Fläche freigehalten werden, um den Lieferverkehr zu gewährleisten. Seit Schließung der Metzgerei ist die Freifläche allerdings weggefallen, sodass hier fünf kleine Autos Platz hätten, wie im Bauausschuss zu hören war. „Ein offizieller Stellplatz ist das bisher aber nicht“, betonte Herrmann.

Der Vorschlag deshalb: Einen Parkplatz für Fahrräder verwenden, aber dafür die Freifläche in einen Stellplatz umwandeln. „Wir würden also offiziell keinen Parkplatz verlieren“, erklärte Herrmann. Grundsätzlich hatte die Stadt aber auch schon einmal entschieden, zur Not für den Bau von Fahrradständern auf Parkplätze zu verzichten.

Kritik an diesem Vorhaben gab es aber trotzdem, insbesondere seitens der CSU. So verwies Heike Maas mehrfach darauf, dass die Freifläche, obwohl kein offizieller Parkplatz, auch jetzt schon als solcher genutzt werde. „Und jeder Parkplatz in der Altstadt ist kostbar“, meinte sie und verwies zudem auf die besondere Situation in der Färbergasse, wo es viele Wohnungen gebe und gerade Senioren den hier ansässigen Hörgeräte-Akustiker besuchen würden, seien viele Personen auf nahegelegene Parkplätze angewiesen. Auch Wolfgang Schmid (CSU) äußerte „Bauchschmerzen“ wegen des Wegfalls eines Parkplatzes.

Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen und selbst Mitglied beim ADFC, hielt jedoch dagegen: Bislang gebe es keinen einzigen Fahrradstellplatz in der Färbergasse. Der Aufbau solcher würde im Übrigen nicht nur den Fahrrad-Touristen, sondern auch Anwohnern dienen. „Als unsere Altstadt gebaut wurde, hat man weder an Autos noch an Fahrräder gedacht, entsprechend haben die wenigsten Häuser eine Möglichkeit Fahrräder abzustellen“, so Stadler. Das sei in der Färbergasse sicherlich nicht anders, daher würden von den Fahrradständern auch die Anwohner profitieren. Zumal sie auch für das Anketten von Rollatoren oder Ähnlichem genutzt werden könnten.

Ledererzeile und Marienplatz später an der Reihe

Schlussendlich lehnte der Bauausschuss den Vorschlag, Fahrradständer in der Färbergasse aufzubauen, aber mit vier zu drei Stimmen ab. Dem Aufbau der restlichen 13 Fahrradständer im Bereich Salzsenderzeile, Hofstatt und Jakobskirche wurde einstimmig stattgegeben.

Stadler betonte außerdem, dass die Ledererzeile ganz bewusst zunächst ausgespart wurde. Diese wolle sich der ADFC gemeinsam mit der Stadt in naher Zukunft ansehen. Auch der Marienplatz sei zunächst nicht begutachtet worden, Grund hierfür sei vor allem die laufende Machbarkeitsstudie, die wegen der geplanten Bushaltestelle in Auftrag gegeben wurde. Der ADFC wolle hier seine Vorschläge noch einbringen.

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