Nach 16 Jahren Planung auf der Zielgeraden

von Redaktion

Gemeinderat Gars ebnet einstimmig den Weg für umstrittenes Baugebiet „Klosterfeld“

Gars – Dass sich der Garser Gemeinderat die Weihnachtspause nicht redlich verdient hätte, kann man nun wirklich nicht behaupten, was vor allem an der erneuten Behandlung sowohl des Flächennutzungs- als auch des Bebauungsplans für das Klosterfeld in Au am Inn lag. Hier sollen in Nähe des historischen Klosters Einfamilien- und Doppelhäuser sowie ein Mehrfamilienhaus entstehen. „Zähne zusammenbeißen und durch!“ war wohl die Devise, um das Vorhaben nunmehr auf die Zielgerade zu bringen, dessen Anfänge immerhin auf das Jahr 2009 zurückgehen.

„Schabinger Feld“
2021 abgekoppelt

Wegen der speziellen Probleme, die sich bei diesem Vorhaben zeigten, hatte der Gemeinderat bereits 2021 das „Schabinger Feld“ bei Mittergars vom Projekt „Klosterfeld“ in Au abgekoppelt, um zumindest Ersteres schneller zum Abschluss bringen zu können. Die nochmals überarbeiteten Pläne für Au die Meldungen von Behörden und der Träger öffentlicher Belange sowie aus der Gemeinde zur Kenntnis zu nehmen und jeweils mit einem Beschluss zu würdigen. Das bedeutete, dass Bürgermeister Otter insgesamt 13 Seiten relativ Kleingedrucktes vorlesen und der Gemeinderat 25 Beschlüsse dazu fassen musste. Eine Reihe von Stellungnahmen betraf Standardthemen der Erschließung, zum Beispiel Hinweise zum Schutz von im Bereich des Baugebiets verlegten Leitungen verschiedenster Art, nicht nur im Hinblick auf Tiefbaumaßnahmen, sondern zudem auf die nachher beabsichtigte Bepflanzung auch mit großflächig oder tief wurzelnden Gehölzen, die von anderer Seite aber wiederum durchaus positiv gesehen wird. Detailliertere Empfehlungen oder Auflagen im Bebauungsplan zum Schutz vor Hochwasser und Starkregen sind inzwischen weitgehend Standard, wobei der Inn für Au kein Gefahrenpotenzial birgt. Sturzfluten durch Starkregenereignisse können inzwischen aber überall auftreten, insbesondere auch an Hanglagen, sodass auch für das Klosterfeld eine „wassersensible Bauleit- und Gebäudeplanung“ sinnvoll erscheint, die Wassermassen geordnet abfließen lässt und ihr Eindringen in die Gebäude durch eine entsprechende Bauweise verhindert. Die umfangreichen Stellungnahmen der Regierung von Oberbayern, des Kreisheimatpflegers und des Amtes für Denkmalschutz verdeutlichen aber, wo die zentrale Problematik des Baugebiets „Klosterfeld“ liegt. Die Regierung möchte einer fortschreitenden Zersiedelung der Landschaft einen Riegel vorschieben, und für Kreisheimatpfleger Peter Huber und den Denkmalschutz besitzt die örtliche „Fluss-, Kultur- und Denkmallandschaft bayernweite Bedeutung“, da die „historischen Blickbeziehungen weitgehend authentisch erhalten sind“, wie es in Hubers Stellungnahme heißt und wovon sich jeder Betrachter beim Blick vom Stampflschlössl oder anderen höherliegenden Aussichtspunkten leicht selbst überzeugen könne.

Nachbesserungen
führen zu Kompromiss

Nachvollziehbar, dass ein geplantes Neubaugebiet in einer solchen Landschaft zunächst auf wenig Gegenliebe und erste Planungen schlichtweg auf Ablehnung stießen. Erst intensive Nachbesserungen beider Pläne brachten ein Einlenken. So wurde durch eine Verschiebung der geplanten Gebäude nach Osten das „Anbindegebot“ nunmehr überzeugend umgesetzt und durch entsprechende Festlegungen bei der Kubatur der Baukörper und bei der Gestaltung der Dachlandschaft eine optische Verklammerung mit den bestehenden Gebäuden und insbesondere auch der Klosteranlage herbeigeführt. Das hatten die beteiligten Planungsbüros bereits in der vorausgegangenen Sitzung dem Gemeinderat dargelegt, was noch einmal zu weiteren Beschlüssen geführt hatte (siehe OVB vom 22./23. November, S. 17).

Harmonisierung mit
historischer Bebauung

Auch die Anordnung der Bauten um einen Anger und eine passende Begrünung werden den Ensemblecharakter unterstreichen und eine Harmonisierung mit der historischen Bebauung bewirken. Die Verschiebung nach Osten schont nun auch – zur Beruhigung der Naturschutzbehörde – die artenreichen Habitate und insbesondere das der Feldgrille im Westen, und in der als Ausgleichsfläche vorgesehenen benachbarten ehemaligen Kiesgrube werden Amphibien ein großes geeignetes Biotop finden. Ob auch Kreisheimatpfleger Huber nunmehr ganz glücklich sein wird, sei dahingestellt. „Wir haben uns wirklich viele Gedanken gemacht!“, ist jedenfalls Bürgermeister Robert Otters Fazit am Ende der Behandlung zweier extensiver Tagesordnungspunkte, was offenkundig alle Gemeinderäte auch so sahen, da sämtliche erforderlichen Beschlüsse einstimmig gefasst wurden, sodass eine wichtige Etappe geschafft ist, auch wenn noch einmal eine öffentliche Auslegung erfolgen muss. „Dann können wir hoffentlich im nächsten Jahr an die konkrete Realisierung gehen“, freute sich Otter.

Dabei sollte interessierten Bauherren aber klar sein, dass sie es beim Klosterfeld mit einem ungewöhnlich engmaschig reglementierenden und kaum noch zu diskutierenden Bebauungsplan zu tun haben werden, wie er eigentlich inzwischen eher unüblich ist, hieß es im Gemeinderat.

Lebensqualität an
einem besonderen Ort

Aber dafür bekomme man wahrscheinlich eine besondere Lebensqualität an einem Ort mit besonderer historischer Prägung.

Eines machte die Regierung von Oberbayern, nicht zuletzt angesichts der demografischen Entwicklung, jedoch auch unmissverständlich deutlich: „Vorsorglich weisen wir darauf hin, dass in Anbetracht des Umfangs der geplanten wohnbaulichen Entwicklung im Ortsteil Au am Inn die Entwicklungspotenziale aus landesplanerischer Sicht langfristig ausgeschöpft sein dürften. Wir empfehlen, künftig die Entwicklung verstärkt auf die Bereiche der Gemeinde mit wesentlichen Wohnanteilen und einer vergleichsweise guten infrastrukturellen Ausstattung und Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr zu konzentrieren.“

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